Beiträge

agritechnica 2019 Dr. Michael Mueller und Dr. Christa Hoffmann

Smart Farming, innovativ & digital – Magility auf der Agritechnica

Vom 10.-16. November 2019 fand in diesem Jahr die Agritechnica in Hannover statt. Mit über 2800 Ausstellern aus 51 Ländern, und in den vergangenen Jahren konstant hohen Besucherzahlen – um 450.000 – aus 130 Ländern hat sich die Agritechnica als die Weltleitmesse für Landtechnik etabliert. Bereits seit 1887 organisiert die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) Fachausstellungen in der Land- und Ernährungswirtschaft. Seit Mitte der 1980er Jahre werden unter dem Namen Agritechnica turnusmäßig alle 2 Jahre die neuesten Innovationen in der Agrartechnik vorgestellt. Passend zum diesjährigen Leitthema “Global Farming – Local Responsibility” zeigten die Aussteller Produkte mit zunehmender Automatisierung, Digitalisierung und weiteren innovativen Lösungen für eine lokale und nachhaltigere Produktion. Neben (teil-)elektrischen Antrieben für Traktoren zeigt sich dies vor allem in Sensormodulen für das Precision Farming. Konnektivität ist ein sichtbarer Trend im Sektor. 

 

Innovation Award Agritechnica 2019

 

Auch in diesem Jahr wurden wieder die besten Innovationen mit dem Innovation Award Agritechnica ausgezeichnet. Insgesamt hatte die Fachjury über 291 Einreichungen von 148 Unternehmen aus 24 Ländern zu entscheiden. Immerhin 39 Innovationen durften sich am Ende über eine Silbermedaille freuen. Neben Innovationen in der Konstruktion der Maschinen nimmt das Thema Digitalisierung (Digitale Systeme und IT) auch in der Agrartechnik einen festen Platz ein. Die meisten eingereichten Innovationen (über 70) kamen in diesem Jahr aus diesem Bereich. Vier davon wurden mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. 

Agritechnica 2019 © magility GmbH

© magility GmbH

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), stellte in ihrer Rede auf dem diesjährigen Max-Eyth Abend am 11.11.2019 heraus, dass Deutschland führend bei moderner Landtechnik ist und das dies auch im digitalen Zeitalter so bleiben soll. Ihrer Meinung nach hilft die Digitalisierung, Zielkonflikte zwischen Umwelt- und Naturschutz sowie Produktivität zu lösen. Ein weiterer Meilenstein in der Digitalisierung der Landwirtschaft werden daher die vom BMEL mit insgesamt 50 Millionen Euro geförderten digitalen Experimentierfelder sein. Ausgezeichnet mit der einzigen Goldmedaille wurden die Firmen John Deere Walldorf GmbH & Co KG und der belgische Hersteller JOSKIN S.A. für ihre Gemeinschaftsentwicklung, ein eAutoPower Getriebe und intelligentes e8WD System. Es ist das erste elektrisch-mechanische leistungsverzweigte Getriebe in der Landtechnik. Durch den Einsatz von zwei E-Maschinen kann nicht nur der Fahrantrieb gewährleistet werden, sondern zusätzlich bis zu 100 kW elektrische Leistung für externe Verbraucher. Demonstriert wurde dies anhand der Elektrifizierung von zwei Achsen des angehängten Tridem-Güllefasses. 

 

Start-ups auf der Agritechnica – das AgrifutureLab 

 

Treffpunkt der internationalen, landtechnischen Start-up-Szene war in diesem Jahr das  DLG-AgrifutureLab in Pavillion 11. Etwa 40 junge Unternehmen präsentierten dort ihre Lösungsvorschläge für zukünftige Herausforderungen in der Landtechnik und zeigen damit auch, wo die Trends hingehen. 3D-Druck, Agrarsoftware, Künstliche Intelligenz (AI), Big Data Analysen, Bildanalyse, Blockchain-Technologie, Cloud Dienste, Data Exchange, Drohnenfotografie, Pflanzenphänotypisierung, Pflanzenstress-Erkennung, Precision Farming, Robotik-Systeme, Sensortechnik und Vernetzung von Pflanzen sind nur einige Beispiele mit denen die Start-ups beim Fachpublikum und potenziellen Kunden oder Investoren punkten wollten. 

Agritechnica 2019 © magility GmbH

© magility GmbH

Auch große Landtechnikfirmen investieren zunehmend in Start-ups, u.a. um sich Zugang zu Kompetenzen in wichtigen Zukunftsthemen zu verschaffen. So erwarb beispielsweise das Unternehmen John Deere im Jahre 2017 das Silicon-Valley Start-Up Blue River Technology für 305 Mio.US$ und kaufte sich damit Kompetenzen im Bereich Onboard-Kameras inklusive Machine-Learning-Software ein. Dabei handelt es sich um eine Technologie, welche selbstständig zwischen Nutzpflanzen und Gräsern differenziert. Damit gekoppelte, automatisierte Sprühgeräte sind gleichzeitig in der Lage das Unkraut zu vernichten. Neben diesem immer präziseren und pflanzenindividuellen  Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln im Bestand, erlebt im Zuge der Diskussionen um ein Verbot von Mitteln wie Glyphosat in der EU die mechanische Unkrautvernichtung eine Renaissance bei den Landtechnikherstellern.

 

Smart, Smarter – Smart Farming 

 

Die anhaltende Automatisierung und Digitalisierung sowie der Einsatz von KI lassen die Bewirtschaftung der Felder zukünftig noch smarter werden. Sensoren für eine präzise, individuelle Feldbearbeitung steuern mittlerweile jeden Bearbeitungsschritt; ein Beispiel sind Bodenfeuchtesensoren für eine präzise Ablage von Saatgut unter individuellen Bodenbedingungen (z.B. SmartDepth der Firma Precision Planting LLC), um bereits bei der Aussaat die besten Voraussetzungen für das spätere Erntegut zu schaffen. Einsähtiefe und Ausrichtung der Körner entscheiden bereits hier über den späteren Ertrag.

© magility GmbH

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In einigen Anbaukulturen lassen sich bestimmte Arbeitsschritte bereits gänzlich automatisieren. Autonom fahrende und zunehmend praxistaugliche Maschinen sind daher auch auf der Agritechnica ein anhaltender Trend. Neben autonom fahrenden Traktoren bieten autonome Roboter mit KI Unterstützung, beispielsweise zur präzisen Unkrautbekämpfung – zu nennen wäre hier der Dino der Firma Naïo Technologies – gerade in Sonderkulturen wie z.B. Salat große Vorteile. Vor allem im Hinblick auf die Reduzierung kraftaufwendiger Handarbeit  wird hier großer Mehrwert generiert. 

 

 

Auch die Unterstützung aus der Luft mittels Drohneneinsatz bleibt ein Thema. John Deere stellte dazu auf der Agritechnica in seiner Future Innovation Zone die Velodrone vor, eine Kooperation mit dem Unternehmen Volocopter. Die Drohne hat einen Durchmesser von 9,2 m, wird von 18 Rotoren angetrieben und ermöglicht eine Zuladung von 200 kg. Die mit zwei Tanks mit Pflanzenschutzmittel bestückte Drohne verspricht eine Flächenleistung von 6 ha pro Stunde. Ob sich die Maschine bei einer derzeitigen maximalen Flugzeit von 30 min bewährt, wird sich zeigen müssen.

Trend zu E-Antrieben auf dem Acker 

 

Nach wie vor ist die Elektrifizierung der Maschinen im Hinblick auf eine ressourcenschonende Landwirtschaft ein großes Thema, wie auch die Verleihung der Goldmedaille für ein elektrifiziertes Getriebe auf der diesjährigen Agritechnica zeigt. Durch die zu erbringenden höheren Leistungen der Motoren ist dies in der Agrarwirtschaft ein deutlich schwierigeres Unterfangen als in der Automobilindustrie. Trotzdem entwickeln neben der Firma Steyr (Zukunftskonzept Hybrid) auch Zulieferfirmen wie ZF Systeme zur Elektrifizierung von Traktoren. Erst im vergangenen Jahr stellte die Firma John Deere in einer Konzeptstudie einen über 400 PS starken Elektro-Traktor vor, der über ein Kabel mit Strom versorgt wird, um die bestehenden Limitierungen einer Elektrifizierung über Batterie zu umgehen. 

Können die derzeit noch bestehenden technischen Begrenzungen, v.a. der Batterie, überwunden werden, ist die Landwirtschaft grundsätzlich prädestiniert für elektrische Antriebssysteme, da sie häufig elektrische Energie mit eigenen Photovoltaik- oder Biogasanlagen erzeugt. Eine Elektrifizierung der Maschinen könnte den Eigenverbrauch deutlich steigern. 

 

 

Konnektivität ist Treiber für vernetzte Agrartechnik

 

Drei große Trends in der Agrartechnik lassen sich aus den dargestellten Entwicklungen ableiten. Unter dem Dach einer nachhaltigeren Landwirtschaft sind dies zum einen die zunehmende Sensor- und Kameratechnik, zweitens die autonomen Systeme und Roboter und drittens das Massendatenmanagement inklusive Künstlicher Intelligenz im Hintergrund. Verknüpft ist dies alles durch den Megatrend der Konnektivität. Um diese einzelnen Entwicklungen zu vereinen, zeigen sich auch auf der Agritechnica vermehrt Initiativen, die den Datenaustausch zwischen Maschinen oder Komponenten auch unterschiedlicher Hersteller und teils unterschiedlichster Formate vereinfachen sollen. Ein Beispiel ist das Konzept DataConnect das den cloudbasierten Datenaustausch zwischen u.a. Claas- und John Deere- und CNH Industrial- Maschinen gewährleisten soll. 

Agritechnica 2019 © magility GmbH

Agritechnica 2019 © magility GmbH

Auch die agrarwissenschaftliche Forschung hat die Notwendigkeit der Konnektivität erkannt und fördert mit gut 12 Millionen Euro das EU Projekt Agricultural Interoperability and Analysis System (ATLAS) zum Aufbau einer herstellerunabhängigen Datenplattform, zur flexiblen Nutzung aller Maschinen- und Sensorsysteme sowie Datenanalysetools. Auf der einen Seite ergeben sich dadurch erhebliche Vorteile durch Entscheidungsunterstützung für die Landwirte bzw. die Feldbearbeiter, was einen wesentlichen Teil von smart farming ausmacht. Auf der anderen Seite geben die Hersteller dadurch zunehmend einen Teil ihrer Datenhoheit zugunsten eines zufriedenen Kunden auf.

 

Kirchheim unter Teck – magility in der Wiege der Landtechnik

 

Max Eyth, Dichter, aber vor allem Ingenieur und Pionier der modernen Landtechnik wurde 1836 in Kirchheim unter Teck, nur unweit des Firmensitzes von magility geboren. 1885 gründete Max Eyth die DLG, die er bis zum Jahre 1896 leitete. Die Firma magility, mit Firmensitz im Heimatort von Max Eyth, verbindet daher eine besondere Beziehung zur Landtechnik. 

Agritechnica 2019 © magility GmbH

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Wir von magility beobachten schon seit Jahren die Entwicklungen in der Agrartechnik und sehen viele Parallelitäten zur Automobilbranche. Einige der technologischen Innovationen der vergangenen Jahre in der Agrartechnik, sei es der E-Antrieb oder die Konnektivität, finden wir in ähnlichen Ausprägungen auch im Automobilbau. So verwundert es nicht, dass beispielsweise die Innovation der diesjährigen Silbermedaillengewinner NEVONEX, eine offene sensoren- und herstellerunabhängige Datenplattform, auf einer zuverlässigen und gegen Angriffe geschützten Technologie mit End-to-End Verschlüsselung aus der Automobilindustrie basiert. 

 

 

Nehmen Sie gerne mit unseren Experten Kontakt auf für einen fachlichen Austausch.

Zur Autorin: 

Christa Hoffmann, unsere magility Expertin zum Thema AgTech, ist studierte und promovierte Agraringenieurin. Seit 13 Jahren beschäftigt sie sich in unterschiedlichen Rollen mit der Digitalisierung in der Land- und Ernährungswirtschaft. Neben diversen Veröffentlichungen zu dem Thema, engagiert sie sich ehrenamtlich im Beirat der Gesellschaft für Informatik in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft (GIL) und ist Gastdozentin an der Universität Hohenheim im Fachgebiet Agrarinformatik.

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Nachhaltigkeit 4.0 – Smart City im Fokus

Unter dem Begriff Smart City werden Ideen zur zukünftigen Organisation von Städten diskutiert. Es geht dabei um städtebauliche Konzepte, die mittels technischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Neuerungen die Lebensqualität steigern sollen und dabei besonders auf Verkehr und Ökologie abzielen sowie neue Formen des sozialen Miteinanders fördern. Als Mittel zur Erreichung dieser Zwecke dienen Innovationen aus den Bereichen E-Government, Internet-of-Things, autonomes Fahren und Industrie 4.0. Durch Cloud-Technologie sowie den neuen Mobilfunkstandard 5G sollen diese intelligent verknüpft werden, um die angesprochenen Ziele zu erreichen.

 

Warum Smart City?

Die Verstädterung und Urbanisierung nimmt weltweit zu. Immer mehr Menschen ziehen vom Land in städtische Gebiete. Als Folge hiervon wachsen die Städte in puncto Fläche, Einwohnerzahl und -dichte. Durch Ressourcenknappheit sowie neue Anforderungen im Bereich Umweltschutz ist in ‘der Stadt der Zukunft’ die Nachhaltigkeit als ein wichtiges Schlüsselelement zu betrachten. Die Weltbevölkerung wächst global betrachtet immer noch rasant. Laut des Zählers der Deutschen Stiftung für Weltbevölkerung leben zur Zeit über 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde. Erst vor 20 Jahren wurde die 6-Milliarden-Marke überschritten. Prognosen derselben Stiftung gehen davon aus, dass ungefähr ab dem Jahr 2050 über 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Das entspräche etwa einer Verzehnfachung der Weltbevölkerung in den letzten 200 Jahren. Tritt die von der UNO angenommene durch Wohlstandseffekte induzierte Abflachung der Steigerungskurve nicht ein, dann führt das ungebremste derzeitige Bevölkerungswachstum dazu, dass um die nächste Jahrhundertwende nahezu 20 Milliarden Menschen die Erde bevölkern. Dadurch ergeben sich zunehmend komplexere Anforderungen an die Gestaltung von Städten, die nur durch integrierte technologische und digitale Innovationen zu meistern sind.

 

Nachhaltigkeit gewinnt an Relevanz

Das Bevölkerungswachstum der Menschheit führt unweigerlich zu einem globalen Anstieg des Ressourcenverbrauchs. Ebenso kann angenommen werden, dass in der Folge auch produktions- und verkehrsbedingte Emissionen ansteigen werden. Neue stadtplanerische Ansätze könnten für mehr Effizienz und damit für eine Reduktion der Emissionen sorgen. Geht man weiterhin von einem die Atmosphäre erwärmenden Klimawandel aus, kann aktuell aber nur spekuliert werden, ob die Ergebnisse dieser neuen Ansätze zu einer ausreichenden Emissionsverminderung führen. Im Jahr 1979 verbrauchte weltweit jeder Mensch durchschnittlich ca. 7,2 Tonnen gesammelte Ressourcen, heute sind es 11,8 Tonnen pro Jahr und Kopf. Gleichzeitig hat sich seit dem die Weltbevölkerung mehr als verdoppelt. Da aktuell bereits über die Hälfte der Menschheit in Städten wohnt und es bis 2030 bereits zwei Drittel sein sollen, ist Nachhaltigkeit in urbanen Gebieten ein wichtiges Element der Zukunftsgestaltung. Beide Phänomene, Bevölkerungswachstum und fortschreitender Klimawandel, führen zu neuen Verantwortlichkeiten für die stadtplanende Politik. Daraus ergeben sich zahlreiche neue Ansätze für innovative Unternehmen und Start-Ups.

 

Wie kann Nachhaltigkeit geschaffen werden?

Eine Stadt ist ein vielschichtiges komplexes Gebilde. Um einen höheren Grad von Nachhaltigkeit zu erreichen, können mehrere Bereiche beeinflusst und optimiert werden. Viel Potenzial liegt im Verkehrswesen: Intelligente Verkehrsleitsysteme können im besonderen den PKW-Verkehr effizienter und damit umweltschonender organisieren. Noch mehr Potential liegt im Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der die Nutzung des PKW in der Stadt obsolet machen kann. Werden Busse, Züge, U- und Straßenbahnen einer Stadt zusätzlich elektrisch mit Strom aus regenerativen Quellen betrieben, trägt dies erheblich zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes bei. Zudem werden die positiven Auswirkungen eines gut ausgebauten Fahrrad-Straßennetzes, bei dem sich z.B. PKW und Fahrräder die Fahrbahn nicht mehr teilen müssen, noch weithin unterschätzt. Laut Umweltbundesamt könnte Fahrradfahren ohne Probleme über 30% des städtischen Verkehrs ersetzen. Dabei würde sehr viel Ausstoß von Abgasen wie CO2 eingespart. Gleichzeitig benötigen Fahrräder viel weniger Fläche als PKWs, verursachen fast keinen Lärm, sind kostengünstiger im Betrieb, bringen ihre Nutzer oftmals sogar schneller ans Ziel und können sogar dem weithin vorherrschenden Bewegungsmangel vorbeugen und damit einen gesundheitlichen Zusatznutzen erbringen. Es gibt Beispiele, die den Erfolg einer fahrradfreundlichen Verkehrsinfrastruktur belegen. So ist in Amsterdam in den letzten 20 Jahren der Autoverkehr um 20% zurückgegangen während der Anteil von Fahrrädern an den genutzten Verkehrsmitteln um 40% gestiegen ist.

 

Neue Wege und Smart Mobility für mehr Lebensqualität

Neben der Optimierung des Verkehrsnetzes kann auch autonomes Fahren einen Teil zur Entlastung der Straßen beitragen. So verfolgt beispielsweise der E-Auto Hersteller Tesla Pläne, seine Fahrzeugflotte mit einer Software auszurüsten, welche es ermöglichen soll, die Fahrzeuge als Robotertaxis zu nutzen. Würde dieser Ridesharing-Dienst tatsächlich nachgefragt, könnte es zu einer Verringerung von Fahrzeugen insgesamt und dadurch zu einem geringeren Flächenverbrauch für den Verkehr kommen. Ein Konzept mit zumindest theoretischem Potenzial, insbesondere dann, wenn weitere Autohersteller nachziehen. Wann die hierzu notwendige Technik sowie die städtischen Infrastrukturen einen entsprechenden Reifegrad erreicht haben, welche die Behörden in die Lage versetzen, solche an das Autonome Fahren geknüpfte Mobilitätskonzepte zuzulassen, ist derzeit noch nicht absehbar. Schon umsetzbare innovative Mobilitätskonzepte, wie beispielsweise Carsharing, tragen heute bereits dazu bei, unseren Verkehr klimaneutraler zu gestalten. 

 

Saubere Luft wird zum kritischen Faktor

Alleine in China sterben rund eine Million Menschen pro Jahr an zu hoher Feinstaubbelastung. In Indien sind 600 Millionen Einwohner jünger als 25 Jahre, ein deutlicher Hinweis auf noch bevorstehendes Bevölkerungs- und Städtewachstum. Für den Kontinent Afrika wird eine Verdoppelung der heutigen Bevölkerung bis zum Jahr 2050 angenommen. Dies sind nur einige besonders markante Beispiele für die Herausforderung, weltweit mit intelligenten Konzepten die aktuelle und kommende Stadtentwicklung zu steuern und dadurch die Verbesserung des Weltklimas insgesamt zu fördern. Dort wo die Einwohnerzahlen die stärksten Zuwächse aufweisen, ist es umso wichtiger, nachhaltige Konzepte von Anfang an in den Städtebau zu integrieren. Ein ‘grüner’ Technologietransfer vom Westen kann dabei helfen, allerdings auch ein solcher in umgekehrter Richtung. Ein Beleg hierfür ist die Kooperation der Stadt Duisburg mit dem chinesischen Technologiekonzern Huawei, mit dem Ziel, die Stadt als Smart City mit Referenz-Charakter in Westeuropa auszubauen.

 

Auch die Automobilindustrie fokussiert die Nachhaltigkeit

Diese urbanen Umwälzungen haben auch Auswirkungen auf die Automobilindustrie. Viele Lösungsvorschläge zur Zukunft der Stadt beurteilen die innerstädtische Nutzung insbesondere von PKWs mit Verbrennungsmotoren kritisch. Der Daimler Konzern legt bei seinem Nachwuchswettbewerb Startup-Autobahn inzwischen großen Wert auf ‘Sustainability’. Junge Unternehmen aus den Bereichen ‘Climate Protection’ & ‘Air Quality’, ‘Resource Preservation’, ‘Livable Cities’ und ‘Human Rights’ werden in gemeinsamen Projekten gezielt gefördert. Mit ihren Ideen und Konzepten sollen die Start-Ups einerseits zum Erhalt einer lebenswerten Umwelt für nachfolgende Generationen und andererseits zu einer zukunftsfähigen Ausrichtung der Automobilbranche beitragen. 

 

Wie sehen Sie die Zukunft des städtischen Lebens, insbesondere in den wachsenden Metropolen weltweit? An welchen Entwicklungen wollen Sie unternehmerisch partizipieren? Nehmen Sie gerne Kontakt mit unseren magility Beratern auf.

MeConvention

Die MeConvention – Das neue Parallelprogramm zur IAA

Parallel zu den Presse- und Fachbesuchertagen der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt fand die zweite Auflage der MeConvention statt. Drei Tage lang kamen etwa 2000 Teilnehmer in Frankfurt zu Workshops zusammen, um die heutige Welt der Mobilität analytisch zu hinterfragen und Zukunftsvisionen zu entwerfen. magility war vor Ort. Im Fokus stand der interdisziplinäre Austausch mit dem Ziel, voneinander zu lernen. Aktuelle Probleme wurden dargelegt und Möglichkeiten aufgezeigt, wie diese Probleme als Chancen für die Entwicklung erfolgversprechender Zukunftskonzepte genutzt werden können. Dutzende internationale Speaker mit den unterschiedlichsten Hintergründen gaben dazu wichtige Impulse auf den Bühnen der MeConvention. Die Veranstaltung wurde von Mercedes-Benz in Kooperation mit der SXSW Messe in Austin, Texas initiiert. 

Rasanter Auftakt mit Formel 1 Weltmeister Lewis Hamilton 

Den Auftakt der MeConvention am ersten Abend gestaltete der fünfmalige Formel-1-Weltmeister und aktuelle Titelfavorit Lewis Hamilton. Er sprach eine dreiviertel Stunde in der altehrwürdigen Festhalle der Frankfurter Messe über seinen Werdegang sowie seinen Umgang mit Niederlagen und stand dem Publikum für Fragen zur Verfügung. Hamilton betonte die aktuelle Ambivalenz des Automobils. Er selbst liebe den Geruch von Öl und Benzin sowie den Klang der Rennmotoren. Dem habe die elektrifizierte Zukunft noch wenig entgegenzusetzen. Trotzdem sei klar, dass es nur eine nachhaltige, grünere Zukunft geben könne. 

Die Themen der MeConvention 

Am nächsten Morgen begannen die Workshops und Keynotes zu den Trendthemen unserer Zeit wie z.B. „Building interfaces with the body’s electrical signals“, „Making AI work for democracy“, „AI & ethics“, „next gen of innovation“ oder „tech & the future of intimacy“. Dabei wurden Technologie, Innovation, Gesellschaft und Kunst thematisch verwoben. Der Tenor der verschiedenen Beiträge kann zusammengefasst wie folgt wiedergegeben werden: Der Blick auf das Potenzial einer Innovation kann immer nur eine Annäherung sein sowie auch die Zukunft nur teilweise absehbar ist. Die Stimmung auf der MeConvention war insgesamt von Optimismus getragen.

Ola Källenius trifft auf Robert Habeck

Die Automobilindustrie gilt heute als maßgeblicher Zukunftsgestalter im negativen wie im positiven Sinn. Die einen halten die Autohersteller mit ihren klimaschädlichen Verbrennungsmotoren für Bremser der Entwicklung. Die anderen verweisen darauf, dass die Automobilindustrie in Deutschland der Innovationsmotor schlechthin ist, sozusagen das maßgebliche Zugpferd und Rückgrat der wirtschaftlichen sowie technologischen Entwicklung. Vor diesem Hintergrund diskutierten, unter der Moderation von Dunja Hayali und vor großem Publikum, als Vertreter der gegensätzlicher Positionen der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG Ola Källenius und der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck. Beide Diskutanten waren sich im Kern überraschend einig darüber, dass ein massiver Handlungsbedarf bezüglich Nachhaltigkeit und Innovation in Deutschland besteht. Källenius legte Wert darauf, dass es ihm nicht bloß um einen grünen Anstrich gehe. Nachhaltigkeit solle konsequent zu Ende gedacht und umgesetzt werden. Habeck betonte, dass Mobilität an sich neu gedacht werden müsse, nicht bloß das Auto. Es wäre wenig gewonnen, wenn am Ende alle im selben Stau stünden, nur eben elektrisch angetrieben. Nichtsdestoweniger attestierte der Grüne-Vorsitzende dem Konzernchef gute Fortschritte in der Elektromobilität. Källenius betonte, er fahre keine Nachhaltigkeitsstrategie neben der Geschäftsstrategie. Er habe vielmehr den Anspruch an seine Geschäftsstrategie, dass diese an sich bereits nachhaltig gestaltet sei. Mercedes-Benz würde seinen Ansprüchen als innovative Marke nicht gerecht, wenn Mobilität nicht nachhaltig gestaltet würde. Beide Diskutanten zeigten sich vom Sinn einer strengen CO2-Bepreisung überzeugt, denn nur dadurch entstünden Lenkungseffekte. Habeck mahnte zu mehr Entwicklungstempo, er sieht die deutsche Industrie bereits hinter der aktuellen Innovationswelle in den USA und China her schwimmen. Källenius verwies auf heterogene Marktentwicklungen in unterschiedlicher Fortschrittsgeschwindigkeit je nach Weltregion. Nur vereinzelte Standorte seien bereit für den Umstieg auf E-Mobility. Die Gefahr, dass durch einen Kulturwandel die weltweite Nachfrage nach Autos einbrechen könne, sieht der Konzernchef nicht, zu groß sei das menschliche Bedürfnis nach der Freiheit individueller Mobilität. Einig waren sich die beiden Diskussionsteilnehmer darüber, was zwingend kommen müsse: mehr Vernetzung, Vermeidung von CO2-Emissionen und die Erhöhung der Sicherheit. 

Viele Zukunftsperspektiven auf der MeConvention

Welche Ziele wollen wir als Gesellschaft erreichen und welche Faktoren sind dabei unsere Ausgangsbasis? Diese Frage stellte das verbindende Element des weiteren fachlich breit gefächerten Programms der MeConvention dar. Themenblöcke zum Thema Smart City und Titel wie “reinforcing human connections in the city”, “hide & seek: how to disappear completely”, “transform your data into a visual story”, “the big picture: painting sci-fi futures”, waren Teil des Vortragsprogramms. Zeitgleich zu den Vorträgen fanden “Startup City Pitches” statt und das Finale des “Next Entrepreneurs Bootcamp”. Zwischen und während den einzelnen Veranstaltungen luden zahlreiche Kaffeebars und Sitzecken zum Verweilen ein, die von den Teilnehmern ausgiebig für vertiefende Gespräche genutzt wurden. Das Publikum war überwiegend jung und die Stimmung locker. Viele der Teilnehmer kamen von Startups oder Innovations- und Digitalisierungsabteilungen größerer Unternehmen, einige ambitionierte Studenten mischten sich darunter. 

Ausgebildete Persönlichkeit als Grundlage für Innovation

Am dritten und letzten Tag der MeConvention widmeten sich Forscher vom Teilchenbeschleuniger CERN der Entstehung von Verschwörungstheorien und den Möglichkeiten für Zeitreisen. Andere Wissenschaftler zeigten die neuen Chancen für Medizin und Landwirtschaft durch die Genschere CRISPR auf. Der renommierte Biologe Aubrey de Grey sprach über neueste Erkenntnisse der Altersforschung und wie Alterungsprozesse durch wenige Maßnahmen gestoppt oder zumindest stark verlangsamt werden könnten. Ist das noch Innovation oder schon Besitzstandswahrung? De Grey bekam auf jeden Fall einige Konter von seiner Diskussionspartnerin, der Ageism-Aktivistin Ashton Applewhite. Der Zusammenhang dieser Themen mit der Automobilindustrie blieb allerdings offen und die TeilnehmerInnen waren somit eingeladen ihre eigenen Schlüsse zu ziehen. Mehrere Speaker, u.a. aus dem Sportbereich gaben motivierenden Input, wie sich hohe Ziele mit den richtigen Strategien erreichen lassen. So sprach der weltbekannte Skateboard-Veteran Rodney Mullen über “connecting community and innovation” am Beispiel der Skateboardszene. Die Surferin Léa Brassy teilte sich eine Bühne mit Laura Dekker, der bislang jüngsten Solo-Weltumseglerin aller Zeiten. Beide sprachen über die Liebe zur Natur, den Wert der Nachhaltigkeit und allem voran über den Umgang mit brenzligen Situationen.

Das Fazit dieser Beiträge könnte man wie folgt formulieren: Wer etwas wirklich erreichen will, der kann es mit der richtigen Herangehensweise auch schaffen. Vielleicht ist das die Kernbotschaft der MeConvention – und die gilt auch für die Automobilindustrie mehr denn je.

 

IAA

2019-09-20 Magility auf der IAA – Neues aus der Automobilszene

In Frankfurt am Main fand dieses Jahr vom 12. bis 22. September wieder die Internationale Automobilausstellung “IAA” statt. Die IAA, deren Geschichte bis in das Jahr 1897 zurückreicht, ist bis heute eine der bedeutendsten internationalen Automobil-Fachmessen. Auch in diesem Jahr stellten zahlreiche OEM und Zulieferer ihre Innovationen vor, allerdings blieben einige wichtige Aussteller der IAA in diesem Jahr erstmals fern, so zum Beispiel Citroen und Peugeot, Fiat, Nissan, Tesla, Toyota sowie Volvo.

Auch die Besucherzahl ging dramatisch zurück. 2015 lockte die IAA noch rund 932.000 Besucher in die Hallen der Frankfurter Messe, in diesem Jahr wurden nur rund 560.000 Messebesucher gezählt. Diese konnten sich wie gewohnt wieder aktuelle Modelle mit klassischem Verbrennungsmotor ansehen, der Fokus der Aussteller lag in diesem Jahr aber deutlich auf Fahrzeugen mit E-Antrieb. 

Die alte Schule der Automobilität geht weiter

Auf der IAA wird allen Automobil-Enthusiasten das volle Programm geboten. Es gibt Fahrsimulatoren für Rallye und Formel 1 sowie das dazugehörige Merchandising. Offroader laden zur Mitfahrt über einen Parkour ein. Eine ganze Halle widmet sich, mit der angegliederten MOTORWORLD, historischen Fahrzeugen. Die Messebesucher konnten dort einige der wertvollsten Oldtimer der Welt bestaunen oder gar erwerben. Im Mittelpunkt bei den Neuvorstellungen mit konventionellem Antrieb stand Land Rover mit dem neuen Defender, einem Geländewagen, der zum ersten Mal seit 68 Jahren komplett neu entwickelt wurde. Der Defender ist nun ein modernes Auto mit Allradantrieb, das sich ähnlich wie die G-Klasse an einer großen Tradition messen lassen muss. Zu den Neuvorstellungen zählten auch die SUV-Coupés X6 von BMW oder der GLE von Mercedes. 

Die E-Mobilität ist auf der IAA angekommen

Gemäß dem diesjährigen Messemotto “Driving Tomorrow” lag der Fokus der Aussteller in diesem Jahr auf neuen Modellen, die den Wandel hin zu einer energieeffizienten und deutlich schadstoffärmeren Welt mitvollziehen sollen. Dies zeigte sich in zahlreichen Neuvorstellungen von Elektrofahrzeugen. So präsentierte Mercedes-Benz seinen E-SUV EQC, den elektrifizierten Van EQV und gab mit der Studie Vision EQS einen Ausblick auf die kommende Elektroversion der S-Klasse. Porsche stellte seinen lang erwarteten Elektroflitzer Taycan vor. Dieser 4-türige Sportwagen ist eine echte Konkurrenz zum Teslas Model S. Volkswagen sorgte mit der Vorstellung des ID.3 für große Überraschung. Das Elektrofahrzeug in der Golfklasse wirbt mit einer Reichweite von 330-550 Kilometern, einer Leistung von 150-204 PS und soll mit einem Preisgefüge zwischen 30-45 Tausend Euro die E-Mobilität demokratisieren und massentauglich machen.

Politische Veränderungen und Proteste

Die neuen E-Fahrzeuge sind Zeichen großer Umbrüche in der Automobilindustrie. Denn in Zeiten des Klimawandels wächst der öffentliche und politische Druck auf die Hersteller enorm. Rund um die IAA 2019 versammelten sich tausende Demonstranten, welche mit Demonstrationen autofreie Innenstädte, ein Verbot von SUVs oder eine grüne Wende in der Automobilindustrie forderten. Zeitweise waren die Eingänge zum Messegelände durch die Demonstranten blockiert. Daher waren für die IAA in diesem Jahr deutlich schärfere Sicherheitsvorkehrungen notwendig als in der Vergangenheit. Die diesjährige IAA wurde zusätzlich überschattet vom zu diesem Zeitpunkt unerwarteten Rücktritt Bernhard Mattes vom Amt des Präsidenten des Verbands der Automobilindustrie (VDA), der seit vielen Jahren als Hauptsponsor der IAA auftritt. Der Rücktritt von Mattes, einige Stunden nach seinem gemeinsamen Auftritt mit Bundeskanzlerin Merkel zur Eröffnung der IAA, wird vielfach als Reflex auf die aktuellen politischen Herausforderungen für die Automobilindustrie gedeutet, die in den Augen der Verbandsmitglieder eine stärkere Interessenvertretung mit deutlicher wahrnehmbaren Initiativen notwendig machen. Aufgrund der geschilderten Schwierigkeiten ist auch die IAA selbst, in ihrer heutigen Form, in die Diskussion geraten. Die FAZ spricht in diesem Zusammenhang von einem Scherbenhaufen der Automobilbranche. 

Die Zulieferer bringen die Innovationen

Trotz Gewinnwarnungen und einem deutlichen Rückgang bei Bestellungen, ist die Innovationskraft der Zulieferer besonders gefragt. Durch E-Mobility, Connectivity und Autonomous Driving steigen die Anforderungen an die Zulieferer, welche mitten in einer abkühlenden Konjunktur große Investitionen für den digitalen Wandel stemmen müssen. Schaeffler kündigt Kurzarbeit an, Bosch und Continental denken öffentlich über Stellenabbau und Werksschließungen nach. Im ersten Halbjahr 2019 sanken die weltweiten Autoverkäufe um 5%, was sich auch auf die Zulieferer auswirkt, und deren Zukunftsaussichten ungewisser werden lässt. Auf den Messeständen ist von diesen Schwierigkeiten wenig zu spüren, die Zulieferer nehmen deutlich mehr Raum ein als in der Vergangenheit. ZF etwa präsentierte, in gläsernen Prototypen verbaut, seine neuesten Technologien zum autonomen Fahren, Webasto veranschaulichte, wie sich Sensoren unauffällig in ein Autodach integrieren lassen und EDAG BFFT präsentierte ein Touchdisplay, das haptisches Feedback geben kann. Der Fokus der Zulieferer lag überwiegend auf der Steigerung von Effizienz und Nachhaltigkeit. Der VDA strebt eine weitgehende Entkarbonisierung der deutschen Automobilindustrie bis 2050 an. Vor diesem Hintergrund spricht der CEO von Continental, Elmar Degenhart, von nie dagewesenen Herausforderungen für die Industrie.

Alternativprogramm zur IAA auf der MeConvention

Parallel zur ersten IAA Woche fand in Halle 1 der Frankfurter Messe die MeConvention statt. 2017 wurde die MeConvention von Mercedes-Benz in Kooperation mit SXSW 2017 ins Leben gerufen und wird seither in 2-jährigem Rhythmus veranstaltet. Ein relativ junges Publikum kam dort zusammen, um die drängendsten Fragen unserer Zeit zu diskutieren: Künstliche Intelligenz, Smart Cities, Smart Farming, E-Health und nachhaltige Mobilität. Die völlige Abwesenheit von Autos auf dieser Veranstaltung fiel auf, der einzige Mercedes-Stern während der dreitägigen Veranstaltung war am Revers von Daimler Vorstandschef Ola Källenius  zu finden, der auf großer Bühne mit dem Vorsitzenden der Grünen, Robert Habeck, die nachhaltige Erneuerung der Automobilindustrie diskutierte. Die beiden waren sich im Gespräch überraschend einig, auch wenn der Politiker noch mehr Mut und Geschwindigkeit in der Umsetzung forderte. Källenius war es dann auch, der tapfer gute Stimmung verbreitete. “Hätte Mercedes nicht bereits vor vier Jahren Nachhaltigkeit als neuen Unternehmensgrundwert festgelegt, dann würde es die jüngst vorgestellten E-Fahrzeuge ja gar nicht geben”, so der frischgebackene Vorstandsvorsitzende. Dass die Branche vor Umbrüchen steht, induziert von der Digitalisierung, zeigt ein weiteres Detail: die IAA Conference war dieses Jahr “powered by Facebook”.

Der Umbruch der Automobilindustrie

Die Automobilindustrie befindet sich aktuell in einem massiven Umbruch – die IAA ist nur ein Symptom dafür. Die OEM sind aktuell immer noch in der Entwicklung von Fahrzeugtypen und Antriebsarten verhaftet. Durch die Konnektivität der Fahrzeuge wird aber, auf höherer Ebene, software- und datenbasiertes Flottenmanagement zunehmend einer der kritischen Erfolgsfaktoren, wie Uber, Google und andere dies bereits anbieten. Vielen OEM fehlen derzeit jedoch die notwendigen Software-Fähigkeiten und -Kapazitäten, um das Defizit in dem sie sich gegenüber den neuen Mobilitätsanbieter befinden, zeitnah auszugleichen. Das Rennen gegen IT-, Internet- und Telekommunikations-Industrien hat nicht erst begonnen, sondern ist in vollem Gange, mit ungewissem Ausgang für die Automobilindustrie.

Was die Zukunft der IAA angeht, so ist eine grundsätzliche Neuausrichtung angezeigt: Weg vom Schwerpunkt Autoshow hin zum Forum für ganzheitliche Mobilitätskonzepte. Ansätze hierfür sind bereits da. Ein Abgesang auf die IAA erscheint uns von magility deshalb unangebracht.

Die Ungewissheit über die zukünftige Ausrichtung des Zielmarkts der Automobilindustrie ist zur Zeit mindestens so groß wie der Innovationsdruck. Wie gehen Sie in Ihrem Unternehmen mit diesem Zielkonflikt um? Nehmen Sie gerne mit uns Kontakt auf für einen fachlichen Austausch.

 

Biohacking

Smart Drugs und Biohacking – Das bessere Ich

Dass Menschen ihre Fähigkeiten ausbauen und verbessern wollen, ist so natürlich wie gewöhnlich. Handwerke, Sportarten, Sprachen und andere Fertig- und Fähigkeiten werden trainiert und erlernt. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Produktneuheiten werden heute zu sozialen Trends, die den alten Verbesserungstrieb der Menschheit sogar noch intensivieren. Smart Drugs und Biohacking sind zwei dieser Trends, die aktuell in den Fokus rücken.

Biohacking – Zutritt zum Körper

Da unterschiedliche Akteure mit verschiedensten Hintergründen auf dem Gebiet des Biohacking unterwegs sind, existiert noch keine allgemeingültige Begriffsdefinition. Betrachtet man den Begriff Biohacking genauer, fällt eine Umschreibung dieses Worts nicht schwer. Bio steht für die biologische Beschaffenheit des menschlichen Körpers. Hacking beschreibt einen kreativen Umgang mit der Technik und deren Veränderung. Beim Biohacking geht es folglich um effektive, vermeintlich positive Veränderungen des eigenen Körpers unter individueller Nutzung des Fortschritts von Umweltwissenschaften und Biologie. Das Ziel eines Biohackers ist dabei immer die Erhöhung der eigenen Leistungsfähigkeit und Gesundheit, gemäß dem oft genutzten Slogan “Be the best you can be”.

Die Bandbreite an Biohacks ist groß

Die Möglichkeiten, die sich durch Biohacking ergeben, sind heute schon vielfältig, stecken aber gemessen an dessen Potential immer noch in den Kinderschuhen. So gibt es beispielsweise Biohacker, die sich selbst Grinder nennen und sich kleine magnetische Kugeln in die Fingerkuppen einsetzen, um sich für Magnetfelder zu sensibilisieren. Weiter hat das kleine Unternehmen Cyborgnest ein Implantat entwickelt, das wie ein Piercing am Oberkörper befestigt wird und anfängt zu vibrieren, sobald sich der Träger in Richtung Norden bewegt. Damit soll eine Orientierung ähnlich der von Vögeln möglich werden. Unter die Haut eingesetzte Near-Field-Communication-Chips (NFC), die auf der Radio Frequency Identification (RFID-Technologie) basieren, sind derzeit schon weiter verbreitete Biohacks. Die RFID-Technologie ermöglicht, dass sich Sender-Empfänger-Systeme ohne Berührung und völlig automatisiert identifizieren können. Der Biohacker kann mit diesen implantierten Chips zum Beispiel drahtlos (Auto-)Türen öffnen oder bargeldlos bezahlen.

Was erwartet uns in Zukunft?

Bedenkt man, dass Vertreter der Biohacking-Bewegung ein transhumanistisches Weltbild pflegen, also annehmen, dass ein flüssiger Übergang zwischen Mensch und Maschine mehr und mehr real wird, dann ergeben sich daraus interessante Zukunftsaussichten. Die aktuell möglichen kleinen körperlichen Erweiterungen sind bisher lediglich bessere Piercings mit wenigen digitalen Funktionen. Wearables wie Smart-Watches haben einen weitaus größeren Funktionsumfang. Geht man aber von Cyborgs aus, dem Mischwesen aus Organismus und Maschine, kann in mittlerer Zukunft noch sehr vieles möglich werden, was heute noch als Science-Fiction abgetan wird. Beispiele wären digitale Netzhäute, die Menschen sehen lassen wie ein Adler und, nach dem Augmented-Reality-Prinzip, aus dem Internet geladene Informationen einblenden. In der Theorie könnten alle Körperfunktionen in Zukunft durch Implantate verbessert werden.

Gefahren des Biohackings

Anhänger des Biohackings vertreten oftmals eine Do-It-Yourself-Philosophie. Sie sehen sich als Biopunks und damit nicht als Teil institutionalisierter Wissenschaft. Die Verwendung von selbst entwickelten Produkten, die keinen Testvorschriften unterliegen, sowie selbst durchgeführte Operationen am eigenen Körper, bergen ein erhebliches Gesundheitsrisiko z.B. durch mögliche auftretende Infektionen. Ganz zu schweigen von den unvorhersehbaren Reaktionen des Körpers auf die Implantate, insbesondere wenn diese eine hohe Komplexität mit weit reichender Funktionalität aufweisen.

Smart Drugs – Das Ich und die Chemie

Neben der auf Technologie basierenden Verbesserungen des Körpers, gibt es auch Möglichkeiten diese auf chemischer Basis zu erreichen. Schließlich sind die meisten Körperfunktionen nicht mechanisch oder elektrisch gesteuert, sondern basieren auf chemischen Reaktionen, ganz besonders unsere Gehirnfunktion. Die chemischen Substanzen, die diese Verbesserungen erzeugen sollen, werden unter dem Oberbegriff Smart Drugs gehandelt und diskutiert. Gelegentlich wird auch der Begriff Nootropics dafür verwendet. Gemeint sind Nahrungsergänzungsmittel oder auch Arzneimittel, die eine positive Wirkung auf die Denkleistung versprechen. Durch die Einnahme solcher Mittel soll die Konzentrations- und Lernfähigkeit ebenso verbessert werden wie die Schlafqualität. Die Merkmale von Smart Drugs sind unter anderem das Ausbleiben von Nebenwirkungen, Legalität sowie eine fehlende Toxizität. Leistungssteigernde illegale Drogen wie etwa Amphetamine sind damit nicht gemeint, da diese erhebliche körperliche Schäden verursachen können. Es gibt allerdings eine steigende Anzahl an Individuen, die Anti-Alzheimer-Mittel einnehmen, obwohl keine entsprechende Diagnose gestellt wurde. Die vermeintliche Harmlosigkeit von Smart Drugs ist jedoch nicht abschließend gesichert, genauso wie deren Wirksamkeit meist nicht durch professionelle Studien nachgewiesen wurde. Smart Drugs sind also so etwas wie die chemische Do-It-Yourself-Variante des Biohackings. Die Nutzer orientieren sich mehr an persönlichen Erfahrungsberichten aus der Szene als an wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen.

Smart Drugs weitergedacht

Droht neben einer digitalisierten Entmenschlichung nun auch noch eine “Ritalinisierung” unserer Gehirne? Traditionalisten würden diese Gefahr wohl sehen. Absolute Technologieverweigerer sind aber selten geworden. So wird die Ablenkung durch etwa ein Smartphone meist als weniger negativ gesehen, verglichen mit den Möglichkeiten, die sich durch den Besitz ergeben. Genauso könnte es sich auch bald mit digitalen Implantaten verhalten. Stellt sich in Zukunft heraus, dass es durch bestimmte Pillen kostengünstig und gefahrlos möglich ist, den IQ um 20 Prozentpunkte anzuheben, ist anzunehmen, dass die Mehrheit der Bevölkerung nichts dagegen einzuwenden hat die eigene Lernfähigkeit, das Erinnerungsvermögen sowie die Schlafqualität etc. zu verbessern.

Das Thema bleibt spannend. Wir von magility blicken gerne gemeinsam mit Ihrem Unternehmen auf aktuelle und kommende Trendthemen, um deren Profitabilität zu prüfen und zu bewerten, welche disruptiven Innovationen zu Ihrem Unternehmenserfolg beitragen können.  

Israels Startup Ecosystem – Innovationsschmiede für die Welt

Die Startup Szene ist Israel ist im weltweiten Vergleich einmalig, die pulsierende Stadt Tel Aviv ist deren Mittelpunkt. Was macht die dortige Startup Kultur so besonders?

Es geht den Firmengründern dort hauptsächlich um das Ausprobieren von Ideen und um das kreative Lösen von zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen. Es geht vorrangig nicht um den Aufbau großer Konzerne, sondern um das Gründen von innovativen Unternehmungen und das Umsetzen einer Vision. Das macht Tel Aviv heute zu einer attraktiven dynamischen Gründer-Metropole mit frischem Wind für innovative Gedanken und Vorhaben, voll von kreativen Persönlichkeiten und deren ‘pushy’ Unternehmertum.

Höchste Startup Dichte weltweit

Nirgendwo anders auf der Welt gibt es ein derartig florierendes Ecosystem für innovative Neugründungen. In Israel werden jährlich etwa 1400 neue Startups gegründet. Zwar scheitern etwa 80 Prozent davon, es bleibt aber immer noch eine beträchtliche erfolgreicher Startups bestehen von denen einige zu größeren Unternehmen heranwachsen. Viele der dort gegründeten Startup-Erfolgsunternehmen konnten in der Vergangenheit hohe Verkaufspreise durch Exits an ausländische Technologieunternehmen verzeichnen.

Wem Tel Aviv bisher noch nicht als Innovationsmotor der Startup Szene bekannt war, der muss sich spätestens jetzt mit der pulsierenden Mittelmeerstadt auseinandersetzen.

Rahmenbedingungen für den Erfolg

Warum gerade Israel? Welche Rahmenbedingungen begünstigen die zahlreichen Gründungen?

Fragt man Startup-Gründer aus Israel, erhält man häufig die Antwort, dass Israel selbst erst ein junger Staat sei und man als Israeli daher von Anbeginn an das Gründen an sich aktiv lernt. Außerdem müssten die Menschen dort stetig improvisieren, was auch der Natur des Gründens entspricht. Saul Singer, Buchautor des Werkes “Start-Up Nation Israel” fasst zusammen:

Wir sind ein kleines Land. Wir haben keine natürlichen Ressourcen. Und wir leben inmitten in einer uns feindlich gesinnten Nachbarschaft. Damit mussten wir immer klarkommen. Wir mussten diese Herausforderungen stets bewältigen – auch mit Innovationen. Lange Jahre ging es dabei vor allem um unsere Verteidigung. Erst später wurden wir zur Start-Up-Nation. Es ist ganz einfach: Wir mussten erfinderisch sein, um zu überleben.“

Lösungsorientierter Erfindergeist, das ist es, was Israel bis heute ausmacht. Der große Traum vieler junger Israelis ist es heute, ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Die Welt verändernde Technologien kommen aus Israel

Singer fasst zusammen, dass Israel in seiner gesamten Geschichte, seit Gründung des Staates bis heute nur von drei Generationen geprägt wurde. Die erste Gründergeneration des Staates Israel machte die Natur bewohnbar und gründete Kibbuze. Die zweite Generation kämpfte in mehreren Kriegen gegen die arabischen Nachbarländer und die jetzige Generation führt das Land durch den Innovationsmotor der Startups. Diese Innovationen sind jedoch nicht nur für Israel wichtig, sie könnten sogar die ganze Welt verändern. Der USB Stick stammt aus Tel Aviv, genauso wie die neueste Gesichtserkennungssoftware von Apple und auch die Sicherheitssysteme gegen Cyberangriffe bei vernetzten Autos, die heute auf den Straßen rollen.

Wichtige Technologien entwickeln und sie weltweit einsetzbar machen – das ist die Vision vieler israelischer Startups. Visionär sind diese Unternehmen und deren Bescheidenheit zählt zur Erfolgsformel. Und damit sind sie wirklich sehr erfolgreich.

Markteintritt und Vertrieb entscheidende Kompetenz

magility begleitete bereits Startups aus Israel beim Wachstum der eigenen Firma. Den Markteintritt schaffen und sich erfolgreich im europäischen Markt positionieren – das steht im Mittelpunkt der Arbeit von magility für israelische Technologie Startups. Zwar bringt Israel sehr viele Startups hervor, die Märkte für die dort entwickelten Produkte liegen jedoch ausschließlich außerhalb des Landes. Daher waren die USA und die EU, im Schwerpunkt Deutschland die größten Zielmärkte.

Europäische Unternehmen erkennen Chancen

Immer mehr deutsche und europäische Unternehmen erkennen die Chancen und Möglichkeiten durch die Zusammenarbeit mit israelischen Startups. Deutschland wird mehr und mehr Absatzmarkt und Zielmarkt für Firmenverkäufe. Doch sowohl Europa als auch die USA sind geografisch weit entfernt und unterscheiden sich auch im kulturellen Geschäftsgebaren von Israel. Deswegen brauchen israelische Startups sogenannte ‘Mittler’. Mittler kennen den Zielmarkt und haben gute Kontakte zu relevanten Entscheidungsträgern.

magility begleitete bereits israelische Startups aus dem Automotive Bereich, dem Maschinenbau sowie im Anwendungsfeld von Künstlicher Intelligenz. Internationaler Footprint, Agilität im Handeln und konsequente Markterschließung sind heute mehr denn je die Schlüsselerfolgsfaktoren für Startup Unternehmen. Durch die fortwährende Begleitung und Beratung der Startups durch magility konnten einige davon bereits hohe Verkaufspreise bei europäischen Konzernen erzielen und sich als wichtige Marktteilnehmer in den europäischen Zielmärkten etablieren.

Kontaktieren Sie uns gerne für weitere Informationen bezüglich der Begleitung von Startups und B2B Markterschließung – gerne auch außerhalb von Israel!

 

Elektrobatterien im Zeitalter des Connected Driving

Elektrik und Elektronik (E/E) sind und bleiben in der Automobilindustrie die wesentlichen Treiber für Innovationen im Fahrzeug aber auch für neue digitale Geschäftsmodelle. Bei einem global wachsenden Produktionsvolumen wird sich der weltweite Bestand auf ca. 1,4 Mrd. Fahrzeuge erhöhen. Bis 2025 werden auch ca. 90% aller Neuwagen vernetzungsfähig sein. Safety, Security und Privacy werden zukünftig in ihrer Bedeutung ebenfalls zunehmend erfolgskritisch. Auch die Antriebsformen werden komplexer: Verbrennungsmotoren, Hybrid- und Elektroantriebe, synthetische Kraftstoffe sowie Brennstoffzellen werden den Markt nachhaltig verändern.

Wie sicher sind Lithium-Ionen-Batterien?

Im Zuge der stetigen Weiterentwicklung von Elektromobilität sowie des vernetzten und autonomen Fahrens, rücken Elektroantriebsbatterien immer mehr in den Fokus. Wir von magility haben uns schon in der Vergangenheit intensiv mit den neuen Technologien auseinandergesetzt und in den Trendstudien „magility Automotive Elektrik/Elektronik“ sowie „Elektromobilität und Energiespeicher“ die wichtigsten Entwicklungen und Trends aufbereitet. Die Lithium-Ionen-Technologie hat viele Vorteile, birgt aber auch Gefahren. In den Medien liest man häufig über Probleme mit gerade diesen Akkus. Seien es brennende, ja gar explodierende Akkus von Handys, E-Autos, die in Flammen aufgehen oder auch E-Bike-Batterien, die ganze Häuser in Brand setzen – die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Die aentron GmbH mit Sitz in Gilching bei München ist einer der führenden Anbieter von Lithium-Ionen-Akkus. Die Lithium-Ionen-Batterien von aentron werden in Deutschland entwickelt und produziert. Sie werden sowohl für industrielle als auch private Anwendungen verwendet. Einsatzbereiche sind E-Mobility (Kühlfahrzeuge etc.), E-Industrie (z.B. fahrerlose Transportsysteme), E-Maritime (vom Fahrgastschiff bis zum privaten Elektromotorboot) und ON/OFF Grid (von Heimspeichersystemen und industrieller unterbrechungsfreier Stromversorgung (USV) bis hin zu mobilen Solargeneratoren). Die Systeme sind so konzipiert, dass sie anspruchsvollsten Bedingungen sowohl an Land als auch auf See standhalten.

Wir wollen aufklären, warum die Lithium-Ionen-Technologie bei Energiespeichern unverzichtbar ist und wie Gefahrenquellen schon im Herstellungsprozess minimiert werden können. Hierzu haben wir Dr. John De Roche befragt. Er ist Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter von aentron Energy Solutions und ein ausgewiesener Experte in Sachen funktionale Sicherheit. Seit seiner Doktorarbeit über Lithium-Ionen-Salze und -Elektrolyte setzt er sich intensiv mit dem Thema Lithium-Ionen-Energiespeicher und Sicherheit auseinander.

Herr De Roche, warum führt kein Weg an Lithium-Ionen-Batterien vorbei? Welche Gefahren birgt diese Technik?

Bild John De Roche: Rechte: aentron GmbH, Photograph: Kpaou Kondodji

John De Roche (JDR): Lithium-Ionen-Batterien sind absolute Marktführer bei wiederaufladbaren Batterien. Im Bereich Heimspeichersysteme beispielsweise haben sie Bleibatterien schon zu über 90% ersetzt. Die Vorteile von Lithium-Ionen-Zellen liegen auf der Hand: Sie sind hinsichtlich Anzahl der Ladezyklen, Energiedichte und Selbstentladungsrate ihren Konkurrenten weit überlegen. Hinzu kommt, dass sie praktisch wartungsfrei und unschlagbar kompakt sind.

Auf der anderen Seite kann bei Über- und Tiefentladen von den Zellen eine Gefahr ausgehen, die im schlimmsten Fall zu einem Feuer führt. Heftige Stöße, starke Vibrationen und Spritzwasser können Akkus ebenso beschädigen wie zu heiße oder zu kalte Umgebungstemperaturen. In weiterer Folge können diese Beschädigungen zu Kurzschlüssen in der Batterie führen, die ihrerseits möglicherweise Brände verursachen. Grundsätzlich hängen die Gefahrenquellen auch von der Art der Nutzung ab. Bei sporadischer Nutzung, wie besonders im Bereich der E-Mobility, kommen andere Aspekte zum Tragen als bei Dauerbetrieb, wie er bei Heimspeichersystemen oder Handys vorherrscht.

Die meisten Li-Ionen-Batterie-Ausfälle und Brände werden durch Probleme mit dem Überladungsschutz verursacht. Wie kommt es dazu und wie kann dem vorgebeugt werden?

JDR: Auslöser für diese Probleme sehe ich bei Fehlern oder falsch gesetzten Schwerpunkten im Entwicklungsprozess. Hinzu kommen schlecht arbeitende Batteriemanagementsysteme (BMS) oder überhaupt ihr gänzliches Fehlen. Ganz allgemein sind für die Sicherheit von Batterien vier Bereiche ausschlaggebend:

  • Funktionale Sicherheit
  • Elektronische Sicherheit
  • Mechanische Sicherheit
  • Chemische Sicherheit

Meines Erachtens legen viele Batteriehersteller den Schwerpunkt zu sehr auf die elektronische Sicherheit und vernachlässigen die anderen Punkte. Es sollte mit einem umfassenden Sicherheitskonzept gearbeitet werden, das alle Bereiche gleichrangig berücksichtigt.
aentron Batterien sind zum Beispiel standardmäßig mit elektronischen Batteriemanagementsystemen ausgestattet, die streng nach der Norm IEC 61508 entwickelt werden. Durch die akribische Anwendung dieses Industriestandards wird sichergestellt, dass die Batteriemanagementeinheit zuverlässig arbeitet und in einen definierten sicheren Zustand eintritt, wenn z. B. Überladung erkannt wird.

Wie sieht es mit den Temperaturen aus?

JDR: Essenziell ist ein ausgeklügeltes Thermomanagement, das Gefahrenquellen gar nicht erst entstehen lässt. Die von aentron verwendeten Zellen haben beispielsweise einen sehr niedrigen inneren Widerstand und erlauben sehr hohe Ströme mit nur geringer Wärmeentwicklung. Dennoch werden, um die Ausbreitung von Wärme und Feuer von Zelle zu Zelle zu verhindern, die Zellen mit genau berechneten Sicherheitsabstand in neuartigen Zellhaltern montiert. Diese wurden wiederum im Vorfeld nach der gängigen Norm UL 94 überprüft und mit V-0 klassifiziert. Zwischen den Zellen ist eine Wärmeableitfolie angebracht, mit deren Hilfe die Wärme über das Gehäuse abgeleitet wird. Die verwendeten Aluminiumgehäuse ermöglichen eine besonders schnelle Ableitung der inneren Wärme nach außen und sind zusätzlich durch druckfeste Kapselung gegen interne Explosionen geschützt. Der gesamte Batterieblock wird kontinuierlich von drei Temperatursensoren überwacht.

Gefahren, die durch hohe Umgebungstemperaturen entstehen können, werden durch den optionalen Einbau einer aktiven Luftkühlung (für die Verwendung der Batterien in heißen Klimazonen) oder aber einer internen Heizung für Temperaturbereiche unter 0 °C minimiert.

Mechanische Beschädigungen sind nicht selten, kann dies zu Kurzschlüssen in den Zellen führen?

JDR: Batterien können vor mechanischen Beschädigungen, die durch heftige Stöße, Vibrationen oder Spritzwasser/Überflutung entstehen, auf mehreren Ebenen geschützt werden. Bei aentron sind die Batterien einerseits vibrations- und schockbeständig bis 50 g. Dropsafe Handgriffe bieten zusätzliche Sicherheit. Andererseits sind alle Stromanschlüsse und Kommunikationsstecker abschließbar und dadurch ebenso wie das Aluminiumgehäuse staubdicht und gegen starkes Strahlwasser geschützt. Im Gehäuse befindet sich eine Isolationsschicht bis 1000 V DC.

Wie sieht es mit der Cyber-Security von Lithium-Ionen-Akkus aus? Können Sie aentron Batterien bedenkenlos für Anwendungen des vernetzten Fahrens empfehlen?

JDR: Prinzipiell können Lithium-Ionen-Batterien, die sich je nach Kundenwunsch auch über Apps kontrollieren und steuern lassen, gehackt werden. Die Gefahr versuchen wir bei aentron für unsere Batterien mit der Verschlüsselung des internen Batterienetzwerks zu minimieren. Darüber hinaus ist unsere Software prioritär. aentron-Batterien sind momentan bei zwei Projekten im Bereich des autonomen Fahrens erfolgreich im Einsatz.  

magility bedankt sich für das interessante Interview.

Bei Fragen oder bei Interesse an den Trendstudien „magility Automotive Elektrik/Elektronik“ oder „Elektromobilität und Energiespeicher“ kontaktieren sie uns gerne. Unsere Experten helfen Ihnen gerne weiter. In der Trendstudie zum Markt Automotive E/E beantwortet magility folgende Fragen:

  • Welche Rahmenbedingungen (Weltwirtschaft, Automobilindustrie, Technologietrends) werden die weitere Automotive E/E Marktentwicklung beeinflussen?
  • Wie entwickelt sich der Automotive E/E Markt entlang der Wertschöpfungskette (Internet, OEM, Tier, EDL, Software Firmen, Semiconductor Hersteller)?
  • Welche regionalen Trends und Prognosen ergeben sich bzgl. Marktwachstum und eingesetzter Technologien für den Automotive E/E Markt?
  • Welche neuen Player (Internetfirmen, Softwarefirmen, Energieerzeuger etc.) betreten die Automotive E/E Szene und wie wird das Automobil zukünftig zu einem “Mobile-Device”?
  • Wie werden die neuen digitalen Geschäftsmodelle (Mobilitätsmanagement, Fahrzeugmanagement, Entertainment, Home-Integration, Wellbeing, E-Commerce etc.) wachsen?

 

 

Transformation 2018

Digitale Transformation 2018 – Was bringt den Mittelstand voran?

Digitale Transformation 2018, der Begriff ist in aller Munde. Die Diskussion darüber schwankt zwischen Euphorie und Pessimismus. Heute noch wähnt man, den Wandel bereits vollzogen zu haben. Am nächsten Tag schon wird man davor gewarnt, die Digitalisierung zu verschlafen. Doch was bringt der technologische Fortschritt für Mittelständler im Jahr 2018?

Es hat sich einiges getan

Im vergangenen Jahr hat sich vieles getan. Immer mehr Elektroautos gehen in Serie, kaum jemand lebt mehr ohne Smartphone, Assistenten wie Alexa erobern die Haushalte und Haushaltsroboter saugen unsere Wohnungen. In dieser Hinsicht sind viele in der Digitalisierung angekommen. Etwas anders verhält es sich im deutschen Mittelstand. Obwohl sich auch hier einiges entwickelt, werden die Erwartungen oft nicht erfüllt. Doch wie steht es um den digitalen Umbruch in der deutschen Industrie?

Macher, Tüftler und Pessimisten

Die Schlagzeilen sind gefüllt mit niederschmetternden Nachrichten. Manch einer glaubt, Deutschland hätte den Anschluss in Sachen Digitalisierung längst verloren. Doch es gibt auch positive Stimmen, die mit Wohlwollen auf die Bestrebungen schauen. Tatsächlich tun sich viele Unternehmen schwer, sich in der digitalen Welt auszurichten. Das liegt vor allem daran, dass viel Geld in die Hand genommen werden muss, wenn man die eigenen Geschäftsmodelle überarbeiten und die bestehenden Geschäfte digital ausrichten möchte.

Das Rückgrat der Wirtschaft

Hoffnung wird derzeit auf Start-ups gesetzt, die mit Agilität und Flexibilität für Innovation und Fortschritt sorgen. Darauf wird die Wirtschaft auch 2018 setzen und sicher weiter investieren. Doch diese Spielwiesen der Wirtschaft ersetzen nicht so schnell das Rückgrat unserer Wirtschaft. Kleine und mittelständische Unternehmen machen laut Statistischem Bundesamt aktuell 30 Prozent des Umsatzes aus und beschäftigen 69 Prozent der Erwerbstätigen Personen. Untergangsstimmung ist deshalb nicht angebracht.

Innovation trifft Tradition

Vielmehr geht es darum, den positiven Beispielen zu folgen. Denn wo neue Technologien auf Tradition treffen, entstehen oft spannende Ideen und Geschäftsmodelle. Und so werden viele Unternehmen im Jahr 2018 darauf setzen, die Daten der Kunden, auch im B2B Bereich, um die Distribution und die Experience für den Kunden zu verbessern. So setzen viele Anbieter von Technik und Zubehör auf modernes Product Information Management (PIM) um Ordnung in ihre Produktwelt und die Datenmengen zu bekommen. Oder die Daten werden genutzt um passgenaue Services oder sogar disruptive Geschäftsmodelle zu entwickeln, die unser Leben leichter machen.

Mutig nach vorne schauen – Transformation 2018

Viele Unternehmen gehen den richtigen Weg und holen sich Experten an die Seite, die sie im Dschungel der Digitalisierung kompetent beraten können und mit dem nötigen Know-how, entsprechenden Analysen und gezielten Strategien ausstatten. Mit solchen Partnern an der Seite steht der digitalen Transformation 2018 nichts im Wege.

Sie sind auf der Suche nach strategischen Partnern? Magility steht Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite und begleitet Sie auf dem Weg in die digitale Zukunft. Schreiben sie uns gerne!

 

Agile Produktentwicklung: Digitalisierung und Agilität fordern Innovation. Foto: CC0

Agile Produktentwicklung in der deutschen Industrie

Agilität ist Common Sense in der Softwareentwicklung und immer mehr werden agile Methoden auch in andere Bereiche implementiert. Ein Beispiel: agile Produktentwicklung in der Industrie. Die Produktentwicklung hat sich in den letzten Jahren bereits geändert und steht dank neuer Verfahrenstechniken im permanenten Wandel. Auch die Marktbedingungen wandeln sich durch Globalisierung und Digitalisierung radikal. Besonders deutlich ist: Wer innovativ sein möchte muss digital und gleichzeitig agil werden.

Agilität implementieren: Vom 3D-Druck bis Big Data

Die Liste der Schlagworte ist lang. 3D-Druck, integrierte Software-Lösungen, Konnektivität, Cyber Sicherheit und Big Data – das alles spielt eine mehr oder weniger große Rolle in der deutschen Industrie 4.0. Doch wie implementiert man all diese Neuerungen in den Prozess der Produktentwicklung? Die Antwort lautet schlicht: durch Agilität. Agilität beschreibt die Anpassungsfähigkeit einer Organisation an Neuerungen und sich rasch verändernde Rahmenbedingungen. Agile Unternehmen zielen darauf ab, möglichst schnell Mehrwert für die Kunden zu schaffen und gleichzeitig im Rahmen von Transformationen ihre Organisation den neuen Rahmenbedingungen anzupassen.

Agile Produktentwicklung

„Agil“ ist ein Ansatz, der in alle Bereiche eines Unternehmens reichen muss. Wenn das geschieht, kann die Innovationsfähigkeit enorm gesteigert werden. Agile Unternehmen arbeiten mit Prozessen, die den einzelnen Mitarbeitenden mehr Verantwortung übertragen um an der Verbesserung und Entwicklung zu arbeiten. Aber vor allem besteht in agilen Unternehmen auch eine Unternehmenskultur, die Reflexion zulässt und begrüßt und die die Möglichkeit hat offen auf Veränderungen reagieren zu können.

Innovativer durch Digitalisierung und Agilität

Eine Studie des Branchenverbands Bitkom hat ergeben, dass ein enger Zusammenhang zwischen Agilität, Innovationsfähigkeit und dem Digitalisierungsgrad von Unternehmen besteht. Wer schon früh agile Prozesse implementiert hat, ist innovativer und kann digitale Technologien einfacher integrieren. Ein Fazit der Studie ist: Wollen Unternehmen die aktuellen Herausforderungen bewältigen und ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern, müssen sie den Einsatz digitaler Technologien hochfahren und parallel dazu die Agilität ihrer Organisation erhöhen. Das gilt in der Industrie an erster Stelle für die Produktentwicklung, aber auch für alle anderen Unternehmensbereiche.

Mehr Flexibilität den Kunden gegenüber

Produkte brauchen natürlich auch einen Markt, weswegen Sie auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten werden müssen. Deshalb sollten auch die Prozesse auf den Kunden zugeschnitten sein. Die Agile Produktentwicklung verwendet also auch Methoden wie Scrum oder Kanban, die das Ziel haben, den Entwicklungsprozess zu beschleunigen und Kunden möglichst frühzeitig erste Lösungen zu präsentieren. Auf diese Weise können Unternehmen die Bedürfnisse ihrer Kunden erfüllen und teure Fehlentwicklungen vermeiden.

Der Ansatz von magility ist es, Unternehmen zukunftsfähig zumachen. Agilität ist dabei Haupttreiber unserer Philosophie. Wenn Sie mehr über unseren Agilitätsansatz erfahren möchten, kontaktieren Sie uns gerne.

Technologiemonitoring

Technologiemonitoring – Immer einen Schritt voraus

Um in Zeiten der Digitalisierung Schritt zu halten ist es für Unternehmen unerlässlich geworden ein umfangreiches Technologiemonitoring zu betreiben. Der digitale Wandel hat die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Technologien enorm beschleunigt. Im globalen Wettbewerb sind innovative Technologien und eine stetige Weiterentwicklung notwendig. Eine detaillierte Markbeobachtung und Benchmarking, um neue Technologien früh zu erkennen, bilden die Grundlage um Wettbewerbsvorteile zu schaffen und diese zu bewahren.

Immer einen Schritt voraus

Der Markt wird zunehmend segmentierter, Grenzen von Industrien verschwimmen, der Markt ist global. Innovationen kommen nicht mehr nur aus den Forschungszentren und Industrien sondern gerade Start-ups reagieren sehr schnell auf Trends und Herausforderungen. Da neue und wegweisende Technologien an den unterschiedlichsten Stellen auftauchen können, steigt die Relevanz von Technologiemonitoring extrem. Es geht dabei vor allem darum, über Weiterentwicklungen, Neuheiten aber auch völlig neuer Technologien informiert zu sein.

Steigende Komplexität und diverse Märkte

Die technologische Komplexität von Produkten, Prozessen und Dienstleistungen nimmt immer weiter zu. Oft liegt der Fokus mittlerweile auf der Integration der Technologien. „Nicht mehr die technologische Kompetenz selbst ist der kritische Erfolgsfaktor sondern insbesondere die Auswahl der besten Technologien“ fasst Dr. Michael Müller den Kern zusammen. Der Erfolg hängt davon ab, neue, erfolgsversprechende Technologien besonders früh zu identifizieren und sie ins eigene Portfolio zu integrieren.

Beobachtung, Benchmarking und Analyse

Um fundierte Entscheidungen zur Auswahl der Technologie und eine gezielte Strategie gewährleisten zu können muss jedes Unternehmen eine Vielzahl an Informationen sammeln und aufbereiten. Der Markt muss flächendeckend und langfristig beobachtet werden. So können gravierende Neuerungen schnell aufgenommen und neue Trends schon frühzeitig erkannt werden. Ein umfangreiches Benchmarking gehört heute zu jeder Unternehmensstrategie.

Dynamik und Kooperation

Ein Blick über den Tellerrand hat aber auch noch zusätzlichen Nutzen. Wer den Markt und die Konkurrenz im Blick behält kann generell dazulernen. Im rasanten Wandel den wir aktuell erleben begegnen wir immer wieder komplett neuen Herausforderungen. Um diese zu lösen helfen immer wieder Best-Practice-Beispiele oder aber Kooperationen mit Experten.

magility bietet umfassendes Technologiemonitoring durch unsere Experten. Haben Sie Fragen dazu? Wir beraten Sie gerne!