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Smart Drugs und Biohacking – Das bessere Ich

Dass Menschen ihre Fähigkeiten ausbauen und verbessern wollen, ist so natürlich wie gewöhnlich. Handwerke, Sportarten, Sprachen und andere Fertig- und Fähigkeiten werden trainiert und erlernt. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Produktneuheiten werden heute zu sozialen Trends, die den alten Verbesserungstrieb der Menschheit sogar noch intensivieren. Smart Drugs und Biohacking sind zwei dieser Trends, die aktuell in den Fokus rücken.

Biohacking – Zutritt zum Körper

Da unterschiedliche Akteure mit verschiedensten Hintergründen auf dem Gebiet des Biohacking unterwegs sind, existiert noch keine allgemeingültige Begriffsdefinition. Betrachtet man den Begriff Biohacking genauer, fällt eine Umschreibung dieses Worts nicht schwer. Bio steht für die biologische Beschaffenheit des menschlichen Körpers. Hacking beschreibt einen kreativen Umgang mit der Technik und deren Veränderung. Beim Biohacking geht es folglich um effektive, vermeintlich positive Veränderungen des eigenen Körpers unter individueller Nutzung des Fortschritts von Umweltwissenschaften und Biologie. Das Ziel eines Biohackers ist dabei immer die Erhöhung der eigenen Leistungsfähigkeit und Gesundheit, gemäß dem oft genutzten Slogan “Be the best you can be”.

Die Bandbreite an Biohacks ist groß

Die Möglichkeiten, die sich durch Biohacking ergeben, sind heute schon vielfältig, stecken aber gemessen an dessen Potential immer noch in den Kinderschuhen. So gibt es beispielsweise Biohacker, die sich selbst Grinder nennen und sich kleine magnetische Kugeln in die Fingerkuppen einsetzen, um sich für Magnetfelder zu sensibilisieren. Weiter hat das kleine Unternehmen Cyborgnest ein Implantat entwickelt, das wie ein Piercing am Oberkörper befestigt wird und anfängt zu vibrieren, sobald sich der Träger in Richtung Norden bewegt. Damit soll eine Orientierung ähnlich der von Vögeln möglich werden. Unter die Haut eingesetzte Near-Field-Communication-Chips (NFC), die auf der Radio Frequency Identification (RFID-Technologie) basieren, sind derzeit schon weiter verbreitete Biohacks. Die RFID-Technologie ermöglicht, dass sich Sender-Empfänger-Systeme ohne Berührung und völlig automatisiert identifizieren können. Der Biohacker kann mit diesen implantierten Chips zum Beispiel drahtlos (Auto-)Türen öffnen oder bargeldlos bezahlen.

Was erwartet uns in Zukunft?

Bedenkt man, dass Vertreter der Biohacking-Bewegung ein transhumanistisches Weltbild pflegen, also annehmen, dass ein flüssiger Übergang zwischen Mensch und Maschine mehr und mehr real wird, dann ergeben sich daraus interessante Zukunftsaussichten. Die aktuell möglichen kleinen körperlichen Erweiterungen sind bisher lediglich bessere Piercings mit wenigen digitalen Funktionen. Wearables wie Smart-Watches haben einen weitaus größeren Funktionsumfang. Geht man aber von Cyborgs aus, dem Mischwesen aus Organismus und Maschine, kann in mittlerer Zukunft noch sehr vieles möglich werden, was heute noch als Science-Fiction abgetan wird. Beispiele wären digitale Netzhäute, die Menschen sehen lassen wie ein Adler und, nach dem Augmented-Reality-Prinzip, aus dem Internet geladene Informationen einblenden. In der Theorie könnten alle Körperfunktionen in Zukunft durch Implantate verbessert werden.

Gefahren des Biohackings

Anhänger des Biohackings vertreten oftmals eine Do-It-Yourself-Philosophie. Sie sehen sich als Biopunks und damit nicht als Teil institutionalisierter Wissenschaft. Die Verwendung von selbst entwickelten Produkten, die keinen Testvorschriften unterliegen, sowie selbst durchgeführte Operationen am eigenen Körper, bergen ein erhebliches Gesundheitsrisiko z.B. durch mögliche auftretende Infektionen. Ganz zu schweigen von den unvorhersehbaren Reaktionen des Körpers auf die Implantate, insbesondere wenn diese eine hohe Komplexität mit weit reichender Funktionalität aufweisen.

Smart Drugs – Das Ich und die Chemie

Neben der auf Technologie basierenden Verbesserungen des Körpers, gibt es auch Möglichkeiten diese auf chemischer Basis zu erreichen. Schließlich sind die meisten Körperfunktionen nicht mechanisch oder elektrisch gesteuert, sondern basieren auf chemischen Reaktionen, ganz besonders unsere Gehirnfunktion. Die chemischen Substanzen, die diese Verbesserungen erzeugen sollen, werden unter dem Oberbegriff Smart Drugs gehandelt und diskutiert. Gelegentlich wird auch der Begriff Nootropics dafür verwendet. Gemeint sind Nahrungsergänzungsmittel oder auch Arzneimittel, die eine positive Wirkung auf die Denkleistung versprechen. Durch die Einnahme solcher Mittel soll die Konzentrations- und Lernfähigkeit ebenso verbessert werden wie die Schlafqualität. Die Merkmale von Smart Drugs sind unter anderem das Ausbleiben von Nebenwirkungen, Legalität sowie eine fehlende Toxizität. Leistungssteigernde illegale Drogen wie etwa Amphetamine sind damit nicht gemeint, da diese erhebliche körperliche Schäden verursachen können. Es gibt allerdings eine steigende Anzahl an Individuen, die Anti-Alzheimer-Mittel einnehmen, obwohl keine entsprechende Diagnose gestellt wurde. Die vermeintliche Harmlosigkeit von Smart Drugs ist jedoch nicht abschließend gesichert, genauso wie deren Wirksamkeit meist nicht durch professionelle Studien nachgewiesen wurde. Smart Drugs sind also so etwas wie die chemische Do-It-Yourself-Variante des Biohackings. Die Nutzer orientieren sich mehr an persönlichen Erfahrungsberichten aus der Szene als an wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen.

Smart Drugs weitergedacht

Droht neben einer digitalisierten Entmenschlichung nun auch noch eine “Ritalinisierung” unserer Gehirne? Traditionalisten würden diese Gefahr wohl sehen. Absolute Technologieverweigerer sind aber selten geworden. So wird die Ablenkung durch etwa ein Smartphone meist als weniger negativ gesehen, verglichen mit den Möglichkeiten, die sich durch den Besitz ergeben. Genauso könnte es sich auch bald mit digitalen Implantaten verhalten. Stellt sich in Zukunft heraus, dass es durch bestimmte Pillen kostengünstig und gefahrlos möglich ist, den IQ um 20 Prozentpunkte anzuheben, ist anzunehmen, dass die Mehrheit der Bevölkerung nichts dagegen einzuwenden hat die eigene Lernfähigkeit, das Erinnerungsvermögen sowie die Schlafqualität etc. zu verbessern.

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Nutrigenomik - Genanalyse und Body Monitoring

Nutrigenomik – Genanalyse und Body Monitoring

Durch den Megatrend der Nutrigenomik, verändert sich die Definition der Gesundheit. Einerseits erlauben neue Methoden individualisierte Analysen der genetischen Ausstattung eines Menschen. Daraus können Rückschlüsse über bestimmte Krankheitswahrscheinlichkeiten im Lebensverlauf gezogen werden. Andererseits gibt es neue Erkenntnisse darüber, wie die Ernährung Gesundheitsrisiken stark verringern kann. Das Zusammenspiel dieser neuen Methoden und Erkenntnisse wird unter dem Begriff Nutrigenomik diskutiert.

Was steckt dahinter?

Jeder Mensch besitzt zehntausende Genome in jeder der Billionen Zellen, aus denen er besteht. Die Funktion der Genome besteht darin, den Bauplan und damit die Funktionalität unseres Körpers zu definieren. Leider sind eben diese wünschenswerten Funktionen nicht bei jedem Menschen dauerhaft gesichert. Vererbte Beeinträchtigungen sowie Umwelteinflüsse können genetische Prozesse verändern und nachteilige Mutationen entstehen lassen. Um diesen negativen Prozessen entgegenzuwirken, entwickeln Forscher interdisziplinär ernährungsbasierte Lösungen.

Welche Formen angewandter Nutrigenomik gibt es?

Mittlerweile bieten immer mehr Unternehmen die Analyse der eigenen genetischen Verfassung zu einem recht geringen Preis an – man spricht von einer Genomanalyse. Die Abgabe einer einfachen Speichelprobe genügt um nach wenigen Tagen Resultate zu erhalten, welche statistische Wahrscheinlichkeiten für Erbkrankheiten beinhalten. Gleichzeitig gibt es immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse bezüglich der Auswirkung von aufgenommenen Nährstoffen auf bestimmter Krankheitsbilder. Man könnte den nicht offiziell definierten Begriff der Nutrigenomik wie folgt zusammenfassen: Die Einnahme teils innovativer Nahrungsergänzungsmittel bewirkt eine deutliche Senkung der Wahrscheinlichkeit bestimmte Krankheiten zu bekommen. Eine individuell angepasste Mischung von Nährstoffen kann deutlich messbar die Lebensdauer und Lebensqualität erhöhen. Doch auch für gesunde Menschen gibt es viele neue Anwendungsgebiete, etwa durch Brain-Boosting-Supplements, die bei Einnahme die Gehirnleistung, den Schlaf und das allgemeine Wohlbefinden verbessern sollen.

Auf welchen Erkenntnissen basiert die Entwicklung?

Die Nutrigenomik ist ein noch recht junges Forschungsgebiet. Disziplinen wie Molekularbiologie, Genetik, Bioinformatik, Medizin und Ernährungswissenschaften werden kombiniert, um neue Lösungen zu entwickeln und bestehende in ihrer Wirksamkeit zu verbessern. Gleichzeitig erlauben neue Diagnoseverfahren eine genauere und vereinfachte Überwachung des menschlichen Körpers.

Die Überwachung des Körpers

Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas stellten jüngst die Hersteller sogenannter Wearables ihre neuesten Entwicklungen vor. Apple etwa lässt seine neue Apple Watch ein Elektrokardiogramm erstellen, das Vorhofflimmern am Herzen erkennt und somit früh vor einem folgenschweren Schlaganfall warnen kann. Der Hersteller Withings tut es Apple gleich. Beide verbauen rote optische Pulssensoren, welche die Sauerstoffsättigung im Blut überwachen. Das kann etwa Bergsteigern dabei helfen in größerer Höhe ihre Gesundheit besser einzuschätzen. Die Produkte von Withings lassen sich jetzt sogar um eine Armmanschette erweitern, die durch ein digitales Stethoskop die Herzklappengesundheit messen kann. Es ist gegenwärtig schon bekannt, dass solche Geräte durch Bewegungssensoren auch die tägliche körperliche Bewegung sowie die Schlafgesundheit erfassen. Durch weiter entwickelte Verarbeitungsmöglichkeiten der erhobenen Daten, durch sogenannte Big Data Analysen, werden auch die Anwendungsmöglichkeiten stetig weiterentwickelt.

Die Erweiterung des Körpers

Ein weiterer Trend der diese Entwicklung verstärkt, ist das Biohacking. Aktive Mitglieder dieser Szene nennen sich selbst Grinder und haben zum Ziel, ihre körperlichen Fähigkeiten durch die Nutzung von Technologie zu erweitern. Hervorgehend aus der Biopunk-Bewegung setzen sich die Grinder kleine Magnete oder Mikrochips unter die Haut um etwa magnetische Felder wahrnehmen zu können, ihre Haustüre zu öffnen oder auch um bargeldlos zu bezahlen. Dabei messen die Grinder ihrem Do-It-Yourself Prinzip eine hohe Bedeutung zu. Vieles geschieht auf selbstexperimenteller Basis, wodurch sie sich von den großen Herstellern der technologischen Evolution abgrenzen wollen.

Was erwartet uns sonst noch?

Die Entwicklung der physischen und psychischen Verbesserung des Körpers findet also zeitgleich in mehreren Disziplinen statt. Massentaugliche Gentests ermöglichen es, Krankheiten vor ihrer Entstehung zu erkennen und diese vorbeugend ernährungsbasiert zu behandeln. Der steigende Funktionsumfang von Wearables produziert eine massiv wachsende Datenmenge, deren Auswertung teils durch künstliche Intelligenzen verbessert wird. Andererseits nähern sich besonders Technikbegeisterte mit digitalen Implantaten der Vision des Cyborgs an, dem Mischwesen aus Mensch und Maschine. Aufstrebende Hersteller von Brain-Computer-Interfaces (BCI) wie Synchromed, Neuralink, Thync oder Wearable Sensing leiten mit digitalen Stirnbändern, die Hirnströme messen, eine neue Generation von Wearables ein. Dadurch können jetzt schon psychische Defizite wie Konzentrationsstörungen oder Depressionen besser behandelt werden. Beschäftigte in kritischen Funktionen können zudem vor drohendem Sekundenschlaf gewarnt werden. Einzelne Unternehmen setzen BCI’s bereits testweise ein. Dadurch rückt auch die Vision vom unfallfreien Fahren näher, denn viele Unfälle die durch Gesundheitsprobleme des Fahrers verursacht werden, könnten mit der Integration dieser innovativen Technologie vermieden werden.

Wo lauern Gefahren?

Der zunehmende Datenaustausch zwischen Körper und Maschine verbindet die Angreifbarkeit des Computers durch Hacking direkt mit gesundheitlichen Gefahren. Eine Veränderung von Messdaten aus krimineller Intuition heraus, kann zu falschen medizinischen Handlungen und Eingriffen führen. Sind dann noch Implantate vorhanden, die den Körper mit gewissen Stoffen versorgen und Körperfunktionen direkt beeinflussen können, kann die Cyberkriminalität den digitalen Raum verlassen und hat direkten Zugriff auf den menschlichen Körper. Es fällt nicht schwer sich Szenarien vorzustellen, die dadurch entstehen können. Der Körper kann manipuliert, dauerhaft geschädigt sowie im schlimmsten Fall ausgeschalten werden. Es gilt also wachsam zu bleiben und bei aller Begeisterung über die neuen Technologien auch die Risiken zu beachten.

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