MeConvention

Die MeConvention – Das neue Parallelprogramm zur IAA

Parallel zu den Presse- und Fachbesuchertagen der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt fand die zweite Auflage der MeConvention statt. Drei Tage lang kamen etwa 2000 Teilnehmer in Frankfurt zu Workshops zusammen, um die heutige Welt der Mobilität analytisch zu hinterfragen und Zukunftsvisionen zu entwerfen. magility war vor Ort. Im Fokus stand der interdisziplinäre Austausch mit dem Ziel, voneinander zu lernen. Aktuelle Probleme wurden dargelegt und Möglichkeiten aufgezeigt, wie diese Probleme als Chancen für die Entwicklung erfolgversprechender Zukunftskonzepte genutzt werden können. Dutzende internationale Speaker mit den unterschiedlichsten Hintergründen gaben dazu wichtige Impulse auf den Bühnen der MeConvention. Die Veranstaltung wurde von Mercedes-Benz in Kooperation mit der SXSW Messe in Austin, Texas initiiert. 

Rasanter Auftakt mit Formel 1 Weltmeister Lewis Hamilton 

Den Auftakt der MeConvention am ersten Abend gestaltete der fünfmalige Formel-1-Weltmeister und aktuelle Titelfavorit Lewis Hamilton. Er sprach eine dreiviertel Stunde in der altehrwürdigen Festhalle der Frankfurter Messe über seinen Werdegang sowie seinen Umgang mit Niederlagen und stand dem Publikum für Fragen zur Verfügung. Hamilton betonte die aktuelle Ambivalenz des Automobils. Er selbst liebe den Geruch von Öl und Benzin sowie den Klang der Rennmotoren. Dem habe die elektrifizierte Zukunft noch wenig entgegenzusetzen. Trotzdem sei klar, dass es nur eine nachhaltige, grünere Zukunft geben könne. 

Die Themen der MeConvention 

Am nächsten Morgen begannen die Workshops und Keynotes zu den Trendthemen unserer Zeit wie z.B. „Building interfaces with the body’s electrical signals“, „Making AI work for democracy“, „AI & ethics“, „next gen of innovation“ oder „tech & the future of intimacy“. Dabei wurden Technologie, Innovation, Gesellschaft und Kunst thematisch verwoben. Der Tenor der verschiedenen Beiträge kann zusammengefasst wie folgt wiedergegeben werden: Der Blick auf das Potenzial einer Innovation kann immer nur eine Annäherung sein sowie auch die Zukunft nur teilweise absehbar ist. Die Stimmung auf der MeConvention war insgesamt von Optimismus getragen.

Ola Källenius trifft auf Robert Habeck

Die Automobilindustrie gilt heute als maßgeblicher Zukunftsgestalter im negativen wie im positiven Sinn. Die einen halten die Autohersteller mit ihren klimaschädlichen Verbrennungsmotoren für Bremser der Entwicklung. Die anderen verweisen darauf, dass die Automobilindustrie in Deutschland der Innovationsmotor schlechthin ist, sozusagen das maßgebliche Zugpferd und Rückgrat der wirtschaftlichen sowie technologischen Entwicklung. Vor diesem Hintergrund diskutierten, unter der Moderation von Dunja Hayali und vor großem Publikum, als Vertreter der gegensätzlicher Positionen der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG Ola Källenius und der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck. Beide Diskutanten waren sich im Kern überraschend einig darüber, dass ein massiver Handlungsbedarf bezüglich Nachhaltigkeit und Innovation in Deutschland besteht. Källenius legte Wert darauf, dass es ihm nicht bloß um einen grünen Anstrich gehe. Nachhaltigkeit solle konsequent zu Ende gedacht und umgesetzt werden. Habeck betonte, dass Mobilität an sich neu gedacht werden müsse, nicht bloß das Auto. Es wäre wenig gewonnen, wenn am Ende alle im selben Stau stünden, nur eben elektrisch angetrieben. Nichtsdestoweniger attestierte der Grüne-Vorsitzende dem Konzernchef gute Fortschritte in der Elektromobilität. Källenius betonte, er fahre keine Nachhaltigkeitsstrategie neben der Geschäftsstrategie. Er habe vielmehr den Anspruch an seine Geschäftsstrategie, dass diese an sich bereits nachhaltig gestaltet sei. Mercedes-Benz würde seinen Ansprüchen als innovative Marke nicht gerecht, wenn Mobilität nicht nachhaltig gestaltet würde. Beide Diskutanten zeigten sich vom Sinn einer strengen CO2-Bepreisung überzeugt, denn nur dadurch entstünden Lenkungseffekte. Habeck mahnte zu mehr Entwicklungstempo, er sieht die deutsche Industrie bereits hinter der aktuellen Innovationswelle in den USA und China her schwimmen. Källenius verwies auf heterogene Marktentwicklungen in unterschiedlicher Fortschrittsgeschwindigkeit je nach Weltregion. Nur vereinzelte Standorte seien bereit für den Umstieg auf E-Mobility. Die Gefahr, dass durch einen Kulturwandel die weltweite Nachfrage nach Autos einbrechen könne, sieht der Konzernchef nicht, zu groß sei das menschliche Bedürfnis nach der Freiheit individueller Mobilität. Einig waren sich die beiden Diskussionsteilnehmer darüber, was zwingend kommen müsse: mehr Vernetzung, Vermeidung von CO2-Emissionen und die Erhöhung der Sicherheit. 

Viele Zukunftsperspektiven auf der MeConvention

Welche Ziele wollen wir als Gesellschaft erreichen und welche Faktoren sind dabei unsere Ausgangsbasis? Diese Frage stellte das verbindende Element des weiteren fachlich breit gefächerten Programms der MeConvention dar. Themenblöcke zum Thema Smart City und Titel wie “reinforcing human connections in the city”, “hide & seek: how to disappear completely”, “transform your data into a visual story”, “the big picture: painting sci-fi futures”, waren Teil des Vortragsprogramms. Zeitgleich zu den Vorträgen fanden “Startup City Pitches” statt und das Finale des “Next Entrepreneurs Bootcamp”. Zwischen und während den einzelnen Veranstaltungen luden zahlreiche Kaffeebars und Sitzecken zum Verweilen ein, die von den Teilnehmern ausgiebig für vertiefende Gespräche genutzt wurden. Das Publikum war überwiegend jung und die Stimmung locker. Viele der Teilnehmer kamen von Startups oder Innovations- und Digitalisierungsabteilungen größerer Unternehmen, einige ambitionierte Studenten mischten sich darunter. 

Ausgebildete Persönlichkeit als Grundlage für Innovation

Am dritten und letzten Tag der MeConvention widmeten sich Forscher vom Teilchenbeschleuniger CERN der Entstehung von Verschwörungstheorien und den Möglichkeiten für Zeitreisen. Andere Wissenschaftler zeigten die neuen Chancen für Medizin und Landwirtschaft durch die Genschere CRISPR auf. Der renommierte Biologe Aubrey de Grey sprach über neueste Erkenntnisse der Altersforschung und wie Alterungsprozesse durch wenige Maßnahmen gestoppt oder zumindest stark verlangsamt werden könnten. Ist das noch Innovation oder schon Besitzstandswahrung? De Grey bekam auf jeden Fall einige Konter von seiner Diskussionspartnerin, der Ageism-Aktivistin Ashton Applewhite. Der Zusammenhang dieser Themen mit der Automobilindustrie blieb allerdings offen und die TeilnehmerInnen waren somit eingeladen ihre eigenen Schlüsse zu ziehen. Mehrere Speaker, u.a. aus dem Sportbereich gaben motivierenden Input, wie sich hohe Ziele mit den richtigen Strategien erreichen lassen. So sprach der weltbekannte Skateboard-Veteran Rodney Mullen über “connecting community and innovation” am Beispiel der Skateboardszene. Die Surferin Léa Brassy teilte sich eine Bühne mit Laura Dekker, der bislang jüngsten Solo-Weltumseglerin aller Zeiten. Beide sprachen über die Liebe zur Natur, den Wert der Nachhaltigkeit und allem voran über den Umgang mit brenzligen Situationen.

Das Fazit dieser Beiträge könnte man wie folgt formulieren: Wer etwas wirklich erreichen will, der kann es mit der richtigen Herangehensweise auch schaffen. Vielleicht ist das die Kernbotschaft der MeConvention – und die gilt auch für die Automobilindustrie mehr denn je.