EMV

EMV – Elektromagnetische Verträglichkeit in Fahrzeugen

Die Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV), auch Englisch Electromagnetic Compatibility (EMC) oder Electromagnetic Interference (EMI), ist ein Thema welches stetig an Bedeutung gewinnt. EMV ist definiert als “die Fähigkeit einer elektrischen Einrichtung, in ihrer elektromagnetischen Umgebung zufriedenstellend zu funktionieren, ohne diese Umgebung, zu der auch andere Einrichtungen gehören, unzulässig zu beeinflussen.” Durch die steigende Anzahl verwendeter elektronischer Komponenten in modernen Autos wird die EMV für die Automobilindustrie immer wichtiger. Für EMV in anderen Industriezweigen geltende Grenzwerte sind für die Automobilindustrie noch nicht klar definiert. Auch die Strahlenbelastung von Fahrzeuginsassen bedarf einer genaueren Betrachtung.  

EMV und steigende Komplexität in Fahrzeugen

Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass alle in einem Fahrzeug verbauten Komponenten auf EMV überprüft werden. Eine Prüfung auf EMV wird zum Beispiel von der DEKRA durchgeführt. Die Testung wird unter Beachtung der Normen ECE, ISO und CISPR durchgeführt. Bevor eine Genehmigung durch das Kraftfahrt-Bundesamt beantragt wird, soll nichts dem Zufall überlassen werden. Besteht eine Komponente solch einen Test nicht, darf kein Fahrzeug, in dem sie verbaut ist, zugelassen werden. Die in ständig zunehmendem Maß konnektiv verbauten Komponenten in Fahrzeugen, wirkt sich auch auf die Strahlenbelastung der Fahrzeuginsassen im Fahrzeug aus.

Wodurch entsteht elektromagnetische Strahlung?

In jedem Gerät, in dem Strom fließt, also elektrische Ladungen bewegt werden, entsteht auch elektromagnetische Strahlung. Diese Strahlung setzt sich zusammen aus einem elektrischen und einem magnetischen Strahlungsfeld. Dabei wird zwischen niederfrequenten und hochfrequenten Feldern unterschieden. Niederfrequente elektromagnetische Felder umgeben allgemein alle Hochspannungsleitungen, Elektroinstallationen in Gebäuden, Haushaltsgeräte, Leitungen für den Schienenverkehr oder eben elektrische Komponenten in einem Fahrzeug. Hochfrequente elektromagnetische Felder werden von Antennen als elektromagnetische Wellen ausgestrahlt. Beispiele hierfür sind Rundfunk, Mobilfunk, Wlan oder Bluetooth.

Biophysikalische Wirkungen und EMV

Die Aktionsströme des Herzens und die Hirnstromaktivität bei Lebewesen erzeugt ebenfalls Magnetfelder durch Stromflüsse an Muskeln und im Gehirn. Steht ein Körper unter zu starkem Einfluss elektromagnetischer Strahlung, können akut gesundheitliche Probleme auftreten, u.a. Schwindel, Übelkeit oder sogar Herzrhythmusstörungen. Träger von medizinischen Implantaten, wie etwa Herzschrittmachern, sind dabei besonders gefährdet und dürfen zum Beispiel in industriellen Anlagen aus Sicherheitsgründen bestimmte Bereiche nicht betreten. Inzwischen ist offiziell anerkannt, dass die Röntgenstrahlung, die von sehr schlecht abgeschirmten Radargeräten ausgeht, Krebs verursachen kann und sehr starke elektromagnetische Felder gesundheitsschädigende Auswirkungen haben. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt elektromagnetische Strahlung, wie sie in einem normalen Alltag vorkommt, nach wie vor als langfristig unbedenklich. Die Organisation weist allerdings darauf hin, dass die Wissenschaft die Unbedenklichkeit bisher nicht abschließend klären konnte. Die Deutsche Gesellschaft für EMV-Technologie verweist auf Studien, durch die unerwünschte Einflüsse auf den Körper durch elektromagnetische Strahlung, ab einer gewissen Intensität, nachgewiesen wurden. Sie empfiehlt, sendungsstarke Geräte wie Smartphones nicht direkt am Körper zu tragen.

Umstrittene Grenzwerte im Strahlenschutz 

Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz dienen festgelegte Dosisgrenzwerte “nicht als Trennlinie zwischen gefährlicher und ungefährlicher Strahlenexpedition”. Vielmehr sind sie als Schätzwerte zu betrachten und sollen die potentiellen gesundheitlichen Folgen wie Krebserkrankungen so gering wie möglich halten. Die baldige Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G wird die Zahl der Sendemasten verdoppeln bis verzehnfachen. Eine stark zunehmende Verbreitung von vernetzten Geräten in Fabriken und Haushalten – Stichwort Internet-of-Things –  wird weiter dazu beitragen, dass die Strahlungswerte zunehmen. Zahlreiche Studien konnten bisher Einflüsse auf die Gesundheit nachweisen. Fast ebenso viele Studien kommen allerdings zum gegenteiligen Ergebnis. Problematisch sind hierbei die unterschiedlichen Erkenntnisinteressen der Studien, zu kleine Gruppen von Probanden, die Schwierigkeit, durch andere Umwelteinflüsse langfristige Effekte durch Strahlung zu isolieren, und die Tatsache, dass die Auftraggeber dieser Studien Vertreter handfester Interessen sind. Trotz zahlreicher Verschwörungstheorien im Internet gibt es auch eine große Anzahl seriöser Naturwissenschaftler, welche die aktuelle Entwicklung kritisch sehen. Zusammenfassend kann man zum heutigen Zeitpunkt festhalten, dass negative Auswirkungen zwar bekannt sind, es aber aufgrund der unzureichenden Beweislage nicht für eine wissenschaftlich anerkannte Auswertung ausreicht. 

Strahlung in modernen Fahrzeugen

Durch die zunehmende Vernetzung von modernen Fahrzeugen gewinnt das Thema Strahlenschutz auch für die Automobilindustrie immer mehr an Bedeutung. In Internetforen mehren sich Klagen von Elektroauto-Besitzern über unterschiedliche subklinische Beschwerden, seitdem sie vom Verbrennungsmotor auf Elektroantrieb gewechselt haben. Solche gefühlten Einflüsse werden Elektrosensibilität genannt. Auch hier gilt, dass bisher nicht wissenschaftlich belegbar ist ob, die Beschwerden dieser Nutzer tatsächlich durch elektromagnetische Strahlung im Fahrzeug verursacht werden oder auf Nocebo-Effekte zurückzuführen sind. Langfristige Gesundheitsschäden sind bisher nicht nachgewiesen, akute Auswirkungen wie unterschiedliche Formen von Unwohlsein dagegen schon. Sollte sich dieses Problem mehren, könnte es potentiell das Führen von Fahrzeugen und Maschinen gefährlicher machen. 

Ausblick 

Für Autohersteller ergeben sich, durch die in den Medien sehr undurchsichtige Aufarbeitung des Themenfeldes EMV, neue Chancen bei der Positionierung im Markt. Nachgewiesener Strahlenschutz im Innenraum könnte zum Wettbewerbsvorteil werden. Das Startup VHOLA hat dieses Thema bereits erfolgreich aufgegriffen und eine technische Lösung zur Überwachung und Reduzierung von elektromagnetischer Strahlung in der Fahrgastzelle bis zur Marktreife entwickelt. Dadurch erhöht VHOLA weiter die Relevanz der EMV-Thematik für OEMs und Zulieferer.

Wir von magility werden das Thema auf jeden Fall ergebnisoffen weiter verfolgen. Spielt das Thema Strahlenbelastung für ihr Produktportfolio bereits eine Rolle? Wir freuen uns über einen fachlichen Austausch.