Libra

Facebook Coin Libra – Was steckt hinter der Kryptowährung

Facebook ist immer noch das soziale Online-Netzwerk mit den weltweit meisten aktiven Nutzern. Das Wachstum des Unternehmens schien in der Vergangenheit grenzenlos zu sein. Aktuell wird der Druck der asiatischen Konkurrenz  jedoch größer. Deshalb sind die Köpfe des US-Unternehmens aus San Francisco aktuell dabei, die nächste Ausbaustufe von Facebook in die Wege zu leiten. Das Netzwerk erweitert kontinuierlich sein Angebot und damit seine Relevanz und Reichweite. Das Facebook-Universum soll zukünftig noch viele weitere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens online abbilden. Durch die neuen Geschäftsmodelle soll der Marktanteil von Facebook gesichert werden. Aktuell betritt Facebook mit der Einführung der Kryptowährung Libra den Finanzmarkt. 

Libra – eine eigene Währung für das Facebook Ökosystem

Die wohl aufsehenerregendste Ankündigung von Facebook ist die Einführung einer eigenen globalen Währung namens Libra für das Jahr 2020. Hierfür baut Facebook aktuell eine komplette Finanzinfrastruktur auf. Nach Unternehmensangaben von Facebook haben heute 1,7 Milliarden Menschen, 30% der Weltbevölkerung, keinen Zugang zu Bankdienstleistungen. Internationale Überweisungen würden 3-5 Tage und im Schnitt 7% Gebühr kosten. Hier will der Konzern ansetzen und Überweisungen weltweit so einfach und günstig gestalten, wie das versenden einer Whatsapp-Nachricht. Überweisungen, Sicherung von Guthaben oder Vergabe von Krediten, heute noch typische Bankgeschäfte, sollen bald schon sehr viel günstiger und schneller über die Facebook Plattform möglich sein.

Die Libra Association soll über die Währung wachen

Um den neuen Zahlungsverkehr zu organisieren und zu überwachen, hat Facebook die unabhängige und gemeinnützige Libra Association mit Sitz im schweizerischen Genf ins Leben gerufen. Gründungsmitglieder können Unternehmen, Social Impact Partner (SIPs) oder akademische Institute sein. Um der Association beizutreten müssen die Bewerber an einem Auswahlverfahren von Facebook teilnehmen und Libra Währung in Höhe von 10 Millionen US$ kaufen. Jedes Mitglied wird Teil des Libra Association Rat, dem Verwaltungsorgan. Nach der aktuellen Aufbauphase will Facebook nach eigenen Angaben lediglich ein gleichberechtigtes Mitglied diesen Rats sein. Bisherige Mitglieder des Rats sind beispielsweise Vodafone, Mastercard, Uber, Paypal, Coinbase, Visa und Ebay. Um eine “angemessene Trennung zwischen sozialen und finanziellen Daten zu gewährleisten”, hat Facebook das Tochterunternehmen Calibra gegründet. Calibra hat die Aufgabe, Dienstleistungen im Libra Netzwerk aufzubauen und zu betreiben.

Blockchain-Technologie und Kryptowährung bilden die Basis

Die Facebook Währung Libra basiert auf der Blockchain-Technologie, einem dezentralisierten und beliebig erweiterbaren Netzwerk von Datensätzen. Die Regeln dieses Netzwerks sind für den konkreten Anwendungsfall Libra im sogenannten Libra Protocol festgelegt. Entscheidungen über die darin getätigten Transaktionen fällen die Mitglieder des Rats in ihrer Rolle als Validatoren. Das Libra Protocol ist wie das gesamte Libra Projekt in der Entwicklungsphase. Einige konkrete Angaben über die Funktionsweise sind aber bereits öffentlich einsehbar. Um das Design dieses Protokolls zu testen, arbeitet Facebook mit einem open-source Ansatz. Damit sollen alle möglichen Probleme frühzeitig erkannt und in der weiteren Entwicklung beseitigt werden. Die Zahlungseinheiten der Währung sind Tokens, eine Kryptowährung, die sich aus dem Protokoll ergibt. Diese Tokens heißen Libra Coins.

Reserve soll Volatilität minimieren und Werterhalt sichern

Im Gegensatz zu den heute größten Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum, ist für Libra eine Reserve aus Wertanlagen geplant. Diese Reserve soll sicherstellen, dass der Wert der Facebook Währung bei nur geringer Volatilität möglichst stabil bleibt. Damit soll das unverzichtbare Vertrauen geschaffen werden, welches die Nutzung einer Währung ermöglicht, sowie deren Ansehen bei den Marktteilnehmern bestimmt. Investoren können in ein separates Investment-Token investieren. Diese Beträge bilden die Reserve. Das Vermögen der Reserve soll durch die breitgefächerte Anlage in einem Warenkorb gesichert werden, der aus langfristigen Wertanlagen von niedriger Volatilität wie etwa Staatsanleihen besteht. Die Reserve erfüllt damit die selbe Aufgabe wie der Goldstandard bei einer traditionellen Währung. Darin liegt auch der große Unterschied zu Bitcoin, dessen Wert eine solche Basis nicht besitzt und dessen Wert dadurch viel virtueller erscheint. Außerdem hat Bitcoin kein Äquivalent zur Libra Association, dem mächtigen Gremium, welches wie eine Währungsbank über die Libra Coin wacht. Damit neue Libra Coins geschaffen werden, kann ein Käufer Währungen wie Euro oder Dollar in die Reserve einzahlen. Er erhält dann Libra Coins entsprechend dem aktuellen Libra Wechselkurs, zurück. Dadurch wächst die Reserve immer mehr an und soll gleichzeitig zur Verhinderung einer Libra Inflation oder Blase beitragen.

Next big thing oder next big fail?

Mit der Libra Coin hat Facebook ein hochkomplexes Vorhaben angestoßen. Das Ziel des Unternehmens ist die Implementierung einer globalen Währung. Angeblich besteht kein Interesse daran, bisherige Währungen zu ersetzen. Sollten aber immer mehr Menschen nur noch Libra nutzen, dann träte früher oder später genau dieses Szenario ein. Viele rechtliche und technische Details zur Facebook Währung sind noch nicht abschließend geklärt, aber Hundertschaften von Experten arbeiten intensiv an diesem Projekt. Noch ist der Zeitpunkt der Einführung des Währungssystem seitens Facebook nicht kommuniziert, aber schon die momentan zu beobachtenden Entwicklungen sind hochinteressant.

Widerstand gegen Facebook formiert sich bereits

Der US Kongress hat erst vor wenigen Wochen ein Schreiben an Facebook gerichtet. Darin verlangen hochrangige Vertreter des Finanzausschusses einen Stopp der Einführung von Libra. Die Abgeordneten fürchten die Entstehung eines unkontrollierbaren Finanzsystems im rechtsfreien Raum, welches umfangreiche finanzielle Schäden verursachen könnte. Sicherlich wünschen die Volksvertreter auch, dass die wichtige Währungspolitik ein Privileg von souveränen Staaten bleibt und nicht in die Macht eines Privatunternehmens wandert. Neben Politikern schlagen daher mittlerweile auch Verbraucherschutzverbände Alarm. Selbst der US-amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz äußerte sich bereits mit kritischen Worten über Facebooks Währungspläne. Er kritisiert in seinen Äußerungen das Aufziehen einer neuen Dimension von Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Drogenhandel und Terrorismusfinanzierung. Für ihn wurde Facebook durch den Cambridge Analytica Skandal im Rahmen der letzten US-Präsidentschaftswahl zu einem zwielichtigen Player, dem man ein Projekt wie Libra niemals erlauben dürfe.

Wie stehen die Chancen für Facebook?

Trägt man die bisher zur Verfügung stehenden Informationen über Libra zusammen, ergibt sich ein zweideutiges Bild. Einerseits besteht der Finanzmarkt heutzutage aus vielen unterschiedlichen Rechts- und Währungsräumen, zwischen denen der Fluss von Geldströmen durch Gesetze und Vorschriften hoch reglementiert ist. Das sind eigentlich die besten Voraussetzungen für die Umsetzung einer disruptiven Geschäftsidee. Andererseits ist das Image von Facebook in der Bevölkerung und bei Behörden so schlecht wie noch nie. Ob es sich die politisch hoch vernetzten Verantwortlichen des Finanzsystems gefallen lassen werden, den Kern ihrer Industrie anzugreifen, bleibt fraglich. Ebenfalls fraglich bleibt, wie Facebooks Wettbewerber, etwa Google, Apple oder Amazon, auf die Währungspläne des sozialen Netzwerks reagieren und gegebenenfalls eigene Plattformen starten.

Der Libra Coin wird für spannende Diskussionen sorgen, sowohl politisch als auch gesellschaftlich.

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