magility auf CES 2020_Cyber Security Trends

Cyber Security auf der CES 2020 in Las Vegas

Magility startete ins Jahr 2020 mit einem Besuch der jährlich stattfindenden bedeutenden Technologiemesse CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas. Über 4.500 Aussteller präsentierten dort ihre High-Tech Innovationen, die einen Ausblick auf die Technologie und Wirtschaft von morgen geben. Einen besonderen Stellenwert nahm dieses Jahr das Thema Cyber Security ein. 

 

Cyber Security für Automotive gewinnt weiterhin an Relevanz

In Zeiten zunehmender Vernetzung von Fahrzeugen sowie immer weiter fortschreitender Integration des autonomen Fahrens in den Straßenverkehr, wird die digitale Systemsicherheit immer relevanter. Die Automobilhersteller und deren Zulieferer wollen und müssen ihre Datenverbindungen so sicher wie möglich gestalten. Neue Technologien führen zu einer stark steigenden Komplexität der Datenverbindungen im Fahrzeug sowie der Kommunikation mit den Datenbanken der Systemanbieter. Die zunehmende Konnektivität erleichtert ortsunabhängig ausgeführte Angriffe über das Internet, mit dem Ziel Fahrzeuge, oder sogar ganze Flotten lahm zu legen, Daten zu stehlen oder erpresserische Aktivitäten durchzuführen. Diesen Gefahren muss durch ganzheitliche Cyber Security Maßnahmen entgegengewirkt werden (Security), damit die funktionale Sicherheit (Safety) nicht durch Cyber Angriffe gefährdet wird. 

 

Spannungsfeld zwischen Zulieferern und OEMs

Dadurch, dass sich Autos mehr und mehr zu fahrenden Computern entwickeln, steigen auch die Angriffsmöglichkeiten für Hacker. Diese Manipulationen von außen gilt es unbedingt zu verhindern, da sie auf sicherheitskritische Funktionen zugreifen und so immensen Schaden anrichten können. Daraus ergibt sich die Herausforderung für die Automobilhersteller (OEMs), zahlreiche von Zulieferern eingekaufte Komponenten in einer gemeinsamen, geschützten Sicherheitsarchitektur zu vereinen. Bei den Herstellern selbst liegt am Ende die Verantwortung gegenüber den Kunden. Denn die Käufer bzw. Nutzer von Fahrzeugen müssen auf die Sicherheit der Fahrzeuge ab Werk vertrauen können, da sie sich – anders als bei einem Computer – zuhause nicht einfach eine eigene Firewall installieren können.

 

Startups liefern OEMs die Sicherheitstechnologie

Auf der CES waren dieses Jahr auffällig viele Startups vertreten, die Automotive Cyber Security-Lösungen entwickeln und anbieten. Darunter war auch das mit mehreren Preisen ausgezeichnete Unternehmen GuardKnox, welches die Sicherheitsprinzipien von Kampfflugzeugen auf die Automobilindustrie übertragen hat. GuardKnox hat seine Cyber Security-Lösungen bereits zusammen mit Porsche und Daimler erfolgreich getestet. Auch Argus Cyber Security, ein führender Anbieter von Cyber Security-Lösungen für vernetzte Fahrzeuge und langjähriger magility-Kunde, demonstrierte seine umfassenden Sicherheitskonzepte in Zusammenarbeit mit dem Chiphersteller NVIDIA. Weitreichende Lösungen für das digitalisierte Fahrzeug bieten auch die auf der CES vertretenen Startups C2A Security sowie Karamba Security, wobei sich letzteres neben dem Automotive Bereich auch Industrieanlagen widmet.

 

Große Namen entdecken einen neuen Markt

Neben aufstrebenden jungen Unternehmen wie Argus Cyber Security, das 2013 gegründet wurde, drängen mittlerweile auch große schon etablierte Unternehmen mit Automotive Cyber Security-Lösungen in den Markt. BlackBerry etwa hat auf der CES zusammen mit seinem 2019 akquirierten Tochterunternehmen Cylance, auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Erweiterungen für sein Automotive Software-Angebot vorgestellt. Damit deckt Blackberry mittlerweile viele Sicherheitsbereiche für das vernetzte Fahrzeug ab: Vehicle SOC (Security Operation Center), Vehicle OTA (Over The Air)-Updates sowie präventive, hochautomatisierte Systemanalysen in Echtzeit. Auf der CES verkündete Blackberry auch eine aktuelle Kooperation mit Amazon Web Services (AWS). Die Zusammenarbeit mit dem Cloud-Anbieter hat laut Blackberry zum Ziel, die ‘Intelligent Connected Vehicle Platform’ ins Leben zu rufen. Über diese Plattform sollen Autohersteller ihre fahrzeugbezogenen Daten sicher verwalten und bei ihrer gesamten vernetzten Fahrzeugflotte Softwareupdates durchführen können.

 

Neue Regularien unterstützen die Entwicklung

Offizielle Regulierungen und Normen tragen ebenfalls maßgeblich zu einer nachhaltigen Fahrzeugsicherheit bei. Die Gesetzgeber und zuständigen Verbände stehen allerdings vor der großen Herausforderung, Technologien zu regulieren, die oft noch gar nicht auf dem Markt sind. Es gilt, Leitlinien zu entwickeln, die neuen Test-Schemata gerecht werden, welche sich aus der Komplexität des autonomen und vernetzten Fahrens ergeben. Notwendige Schritte sind bspw. von der UNECE (United Nations Economic Commission for Europe) bereits in die Wege geleitet. Die Arbeitsgruppe WP.29 der UNECE hat ein 13-stufiges Prüfverfahren entwickelt, nach dem sich Anbieter von digitalen Lösungen für den Automobilbereich oder von Fahrassistenten für das Autonome Fahren international zertifizieren lassen können. Bei der ISO (International Organization for Standardization) sind derzeit die Normen ISO/AWI 24089 und ISO/AWI 21434 in Entwicklung. Diese werden im Jahr 2020 bzw. 2021 publiziert und dienen als Grundlage der Zertifikate für Software-Updates und Cyber Security von Fahrzeugen. Entwickler und Anbieter von digitalen Produkten für das Automobil sowie deren Kunden können sich dann auf dieselben Sicherheitsstandards berufen. Die verbesserten rechtlichen Rahmenbedingungen sollen die zukünftige Zusammenarbeit der Marktteilnehmer erleichtern und Innovationshemmnisse beseitigen. 

Insbesondere in der Mobilitäts- und Automobilindustrie steigen die Cyber-Risiken ständig weiter an. Ganzheitliche Cyber Security-Lösungen werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor für Unternehmen. Auf der CES in Las Vegas konnte man die Relevanz der Thematik live erleben. Nutzen Sie deshalb die Gelegenheit, auf dem DEKRA CYBER SECURITY Symposium, das am 19. und 20. März 2020 in Leipzig stattfindet, alle Aspekte von Cyber Security zu diskutieren und Ihre Erfahrungen mit hochkarätigen Experten aus verschiedenen Branchen auszutauschen.  Leser des magility Blogs erhalten mit dem Code „magility-Blog“ einen exklusiven Rabatt von 20%.

Nehmen Sie gerne Kontakt mit unseren magility Cyber Security-Experten für einen fachlichen Austausch auf.

Startup-Ökosystem

Startup-Ökosystem in Deutschland – Was ist zu tun?

Die Bedeutung von Startups für die deutsche Volkswirtschaft nimmt zu. Die innovationsfreudigen jungen Unternehmen werden im internationalen Wettbewerb zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Auch die Politik hat das erkannt und plant mit einer Reihe von Maßnahmen die Voraussetzungen für Gründer zu verbessern und die Umsetzbarkeit von deren Ideen zu vereinfachen. Denn die richtigen Rahmenbedingungen tragen maßgeblich zu einem prosperierenden Startup-Ökosystem bei.

 

Wie wird eine Gründung zum Startup?

Startups sind junge Unternehmen, die mit dem Ziel ein schnelles und hohes Unternehmenswachstum zu realisieren, eine innovative Geschäftsidee verfolgen. Meist haben die Gründer eine neue Technologie oder ein neues Geschäftsmodell entwickelt, das es entweder noch nicht gibt oder das sich noch nicht erfolgreich am Markt durchgesetzt hat. Dadurch unterscheiden sich Startups von imitierenden Gründungen wie z.B. Friseursalons oder KFz-Werkstätten, die bestehende Konzepte nachahmen und auf traditionelle Art einen bestehenden Markt bedienen. Ein Startup könnte daher definiert werden als eine Unternehmensgründung, die nicht länger als drei Jahre zurückliegt, dabei den Anspruch hat einen Markt mit einem innovativen Konzept zu erschließen oder sogar einen neuen Markt zu schaffen. Laut Startupdetector werden in Deutschland im Schnitt 40 Startups pro Woche gegründet, das entspricht einem Anteil von 1,6%, bezogen auf alle inländischen Unternehmensgründungen.

 

Wo fühlen sich Startups wohl?

Viele bekannte Gründer, wie beispielsweise auch Mark Zuckerberg von Facebook oder Larry Page von Google, waren noch Studenten oder gerade erst Universitätsabgänger, als sie ihr erstes Unternehmen gründeten. Ein gut funktionierendes Universitätssystem mit engen Verbindungen zu Technologieunternehmen kann daher als eine wichtige Grundlage für ein Startup-Ökosystem angesehen werden. Gründerzentren an Universitäten, auch Inkubatoren genannt, sind ein weiterer wichtiger Faktor. Denn dort werden Gründer-Teams gerade in der kritischen Anfangsphase mit der benötigten Infrastruktur unterstützt. Dazu gehören Räumlichkeiten für Büros, Start-Finanzierungen oder fachliche Mentorenprogramme, in denen erfahrene Unternehmer bei der Ausarbeitung der Strategie unterstützen. Den US-Vorbildern, wie der Stanford University im Silicon Valley folgend, gehören solche Einrichtungen auch in Deutschland inzwischen meist zum Standard. 

 

Auch Industrie und Staat fördern Startups

Neben den Universitäten ist die Industrie ein weiterer wichtiger Förderer von Startups. Viele große Unternehmen organisieren sogenannte Accelerator-Programme, in denen junge Unternehmen in einem mehrmonatigen Programm gezielt gefördert werden um marktreife Produkte zu entwickeln. Bekannte Acceleratoren in Deutschland sind die Startup-Autobahn, unterstützt von Daimler, HP, ZF, DXC und weiteren, oder APX, unterstützt von Porsche und Axel Springer. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fördert den German Accelerator, der deutschen Startups dabei hilft, in den USA Fuß zu fassen und vom dortigen Technologievorsprung beim Thema Online Business zu profitieren. 

 

Venture Capital als Voraussetzung?

Fast alle Geschäftsideen benötigen Kapital für ihre Umsetzung. Die Gründer müssen ihren Lebensunterhalt sichern, ihre Mitarbeiter bezahlen und Ausgaben für Forschung und Entwicklung von Prototypen bestreiten. Je nachdem auf welche Branche sich ein Startup fokussiert, können sich die erforderlichen Beträge schnell auf mehrere Millionen Euro summieren. In Startups investiertes Geld wird Risikokapital oder englisch Venture Capital (VC) genannt. Riskant sind Investitionen in Startups vor allem darum, weil sich im Schnitt lediglich 1 bis 2 von 10 Startups nach der Gründungsphase am Markt etablieren und ihre Renditeversprechen erfüllen können. Der Kapitalbedarf eines Startups steigt in der Wachstumsphase meist rasant an, wenn z.B. für Marketingmaßnahmen zur Erhöhung des Marktanteils oder zum Aufbau eines professionellen Geschäftsbetrieb Investitionen notwendig sind. Um auf die erforderlichen finanziellen Ressourcen zugreifen zu können, ist es für Gründer daher von hoher Bedeutung, sich in einem investitionsfreudigen Netzwerk zu bewegen.

 

Deutschland im internationalen Vergleich

Um die aktuellen Bedingungen für Startups zu bewerten, lohnt sich ein internationaler Vergleich. Im Global Talent Competitive Index 2019, erhoben von INSEAD, TATA und Adecco, landet Deutschland auf dem 14. Platz. Die ersten Ränge belegen die Schweiz, Singapur und die USA. In der Gruppe der europäischen Länder steht Deutschland auf Platz 10. Ein Hinweis darauf, dass noch Potenzial nach oben besteht. Die Online-Plattform für Freelancer, Peopleperhour, hat ein Ranking nach Städten erstellt. Laut dieser Studie sind die besten Städte für Startups Wien, Tokyo und Madrid. Als erste deutsche Stadt landet Berlin auf Platz 15. Die Aussagefähigkeit solcher Erhebungen ist natürlich durch die zugrundeliegenden Methoden begrenzt und kann nicht für jedes Startup verallgemeinert werden. Doch sie können Tendenzen aufzeigen und die Regierungen der Länder zum Handeln motivieren.

 

Was sollte sich für Startups in Deutschland ändern?

Eine Studie von EY und der Deutschen Börse hat einige Kritikpunkte herausgearbeitet und Verbesserungsvorschläge formuliert. Im Vergleich der Rechtssysteme der Startup Hotspots Kalifornien, Vereinigtes Königreich (UK) und Israel deuten sich Bereiche an, in denen Deutschland noch aufholen sollte. Die Forscher der Studie untersuchten die vier Standorte nach wirtschaftlichen, steuerlichen und regulatorischen Kriterien. Deutschland habe in einzelnen Bereichen inzwischen im Ausbau seines Startup-Ökosystems signifikante Fortschritte erzielt. Der Vergleich mit Kalifornien mache aber deutlich, dass Deutschland im internationalen Vergleich dennoch weiterhin viel Steigerungspotenzial hat. Besonders im steuerlichen und regulatorischen Bereich zeigen sich hierzulande bürokratische Hemmnisse, die sich als Standortnachteil im Wettbewerb um die besten Startup-Ökosysteme erweisen. Die Schlüsse aus der Studie können wie folgt zusammengefasst werden: In Kalifornien werden weitaus mehr Investitionen in Form von Venture Capital getätigt als in den Vergleichsregionen. Allerdings sind dort die Visa-Bestimmungen strikt und die Preise für Büroräume relativ hoch. Deutschland sollte daher für Investoren Anreize schaffen um Investitionen in Startups steuerlich attraktiver zu machen. In UK vorbildlich sind der geringe regulatorische Aufwand bei Unternehmensgründungen und die intensiven finanziellen Förderungsprogramme von staatlicher Seite. Eine Komplexitätsreduzierung der Verwaltungsprozesse für Unternehmer kann die Attraktivität des Standorts Deutschland erhöhen. Israel ist Benchmark in der digitalen Infrastruktur und beim Zusammenspiel von staatlichen Behörden, Universitäten und Wirtschaft. Eine intensivere Verflechtung dieser Akteure kann Startups sowie deren Innovationen zum Erfolg verhelfen und damit die gesamte deutsche Wirtschaftsleistung steigern. 

 

Startup-Ökosystem als Kulturfrage

Ein erfolgreiches Startup-Ökosystem ist neben den genannten strukturellen Bedingungen auch stark von einer bestimmten Kultur abhängig. Dazu gehört eine optimistische Denkweise, die sich erlaubt, auch ausgefallene Wege zu gehen. Nicht umsonst wird von einem Gründergeist gesprochen, der manchen Orten mehr zugesprochen wird als anderen. Teil davon kann laut der Studie auch die Etablierung einer ‘Kultur des Scheiterns’ nach US-Vorbild sein. Nur wer wagt, der gewinnt, aber niemand sollte für einen Versuch bestraft werden. In den USA gilt die Akzeptanz von Fehlversuchen als mitverantwortlich für den Erfolg vieler Gründer. Eine Kulturfrage könnte auch der geringe Anteil von Gründerinnen in Deutschland sein, der aktuell nur 15% beträgt. Hierin liegt ein weiteres wichtiges Potenzial, das Deutschland nutzen könnte, um aktiv das eigene Startup-Ökosystem zu stärken und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Ökonomie zu erhöhen.