Digital Health

Digital Health – Neue Marktchancen durch innovative Geschäftsmodelle

Durch rasante Entwicklungen im Bereich Digital Health, ergeben sich neue Geschäftsmodelle in der Gesundheitsbranche. Regulatorische Hindernisse werden Stück für Stück abgebaut, Anbieter von Telemedizin und Online-Apotheken gewinnen stetig an Relevanz. Mobile Gesundheitslösungen (mHealth) wie Apps auf Smartphones verstärken den digitalen Gesundheitstrend. Gleichzeitig steigt die Bereitschaft von Krankenkassen, die Kosten von neuen Online-Gesundheitsservices  zu übernehmen.

Eine starke Branche trifft auf neue Marktteilnehmer

Nach Aussage der Unternehmensberatung Arthur D. Little bieten neue digitale Möglichkeiten der Healthcare Branche eine historische Chance, ihre Geschäftsmodelle zu aktualisieren. Der derzeit ständig zunehmende Eintritt von Online- und Tech-Unternehmen in den riesigen Gesundheitsmarkt mit einer Bruttowertschöpfung von ca. 370 Milliarden Euro alleine in Deutschland (2018), bietet großes Potenzial diesen von Grund auf zu verändern. Die Empfänger von Gesundheitsleistungen erwarten zunehmend von Ärzten und Krankenkassen einfache und benutzerfreundliche Prozesse. Anträge und Genehmigungen von Behandlungen sowie die Kommunikation zwischen Patienten und Leistungserbringern können durch neu designte Onlineangebote effizienter gestaltet werden. Das Ausfüllen von Formularen, lange Wartezeiten und die Komplexität von Behandlungsangeboten könnten bald der Vergangenheit angehören. Der Healthcare Branche steht ein Wandel bevor, wie er zur Zeit durch Fintech-Scale-Ups in der Bankenbranche stattfindet. Auch für KMU ergeben sich neue Chancen zur Erweiterung und Modernisierung ihrer Geschäftsfelder. 

Digital Health durch Wearables und Apps 

Die etablierten Pharmazeutik- und MedTech-Unternehmen verfügen durch neue Technologien und Forschungsergebnisse über ein nie dagewesenes Wissen und Wearables sowie Apps schaffen neue direkte Zugänge zu Patienten bzw. Endkunden. Durch diese neuen Geräte und Anwendungen ergeben sich Chancen für neue Angebote, etwa Serviceleistungen zu präventiver Behandlung oder Monitoring von Risikogruppen und strukturierte Daten gewinnen für die moderne Gesundheitsversorgung an Relevanz. Über Wearables wie Smartwatches und Apps auf ihren Smartphones können Patienten die Datenaufzeichnung selbst vornehmen. In einem aktuellen Report empfiehlt die Unternehmensberatung Deloitte den Unternehmen aus der MedTech-Branche, gezielt im Bereich Daten-Monitoring aktiv zu werden. Unternehmen aus der Medizintechnik setzen bereits seit Jahren verstärkt auf Software, Datenauswertung und künstliche Intelligenz. Experten gehen davon aus, dass die von medizinischer Hardware erhobenen Daten in Zukunft wertvoller sein werden, als die Hardware selbst. Deloitte empfiehlt den Herstellern von Medizintechnik intensiver mit Herstellern von Wearables zusammen zu arbeiten. Dadurch könnte die medizinische Leistungsfähigkeit der Wearables steigen und den Herstellern aus dem Medizinbereich eröffnen sich neue Geschäftsfelder. Auch für die Wissenschaft ergibt diese Entwicklung Vorteile, denn Daten für klinische Studien können dadurch ebenfalls leichter gewonnen und zusammengeführt werden.

Weniger Regulierung, Krankenkassen steigen ein

Der Gesetzgeber hat die Chancen und Herausforderungen von Digital Health erkannt und einige Maßnahmen eingeleitet, damit Patienten maximal profitieren können. Dazu gehört die Stärkung der Rechtssicherheit von Online-Sprechstunden, die Kostenerstattung von Gesundheits-Apps und eine zentralisierte Zusammenführung von Patientendaten. Bald soll das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) in Kraft treten, in dem vieles bezüglich Digital Health geregelt wird: etwa die Sicherung des Datenschutzes sowie die Verpflichtung für Apotheken und Krankenhäuser sich an die neue Telematikinfrastruktur anzuschließen. Nach der für 2021 angekündigten Einführung der zentralisierten Digitalen Patientenakte sollen schon bald E-Rezepte erhältlich sein, die z.B. auch nach einer Videosprechstunde ausgestellt werden dürfen. Der Patient kann seine Medizin dann von einer Online-Apotheke ordern. Das DVG eröffnet auch die Möglichkeit auf Kosten der Krankenkassen mobile Health Apps zu verschreiben. Dadurch ergibts sich für die Hersteller dieser Apps eine sicherere Kalkulationsgrundlage. Health-Apps können in Deutschland dann direkt zugelassen werden. Für die Zulassung müssen die Betreiber jedoch innerhalb eines Jahres die Wirksamkeit nachweisen, um ihre Listung im Erstattungskatalog der Kassen zu erhalten. Die legislativen Maßnahmen der Bundesregierung führen zu einer rechtlichen Gleichstellung von Telemedizin mit Behandlungen vor Ort in Praxen oder Krankenhäusern.

Unterschiedliche Ansätze führen zu Geschäftsmodellen

Betrachtet man die Lösungen und Angebote einiger Startups, wird schnell klar wie vielfältig Innovationen sein können, die sich aus den aktuellen Entwicklungen ergeben. Das Berliner Startup Kinderheldin bietet einen Beratungsservice rund um Schwangerschaft, Geburt und Kind an. Ein Team aus Hebammen ist für die NutzerInnen der Kinderheldin-App rund um die Uhr per Chat oder Telefon erreichbar und berät bei Komplikationen, auftretenden Beschwerden oder Krankheiten. Die Kosten für die App übernehmen die Krankenkassen. Ebenso aus Berlin stammt die Plattform Fernarzt. Über die Website des Unternehmens können Online-Verschreibungen von Medikamenten zur Behandlung von 26 verschiedenen Krankheiten angefordert werden. Ärzte prüfen die Anfragen und nach deren Freigabe liefert eine Online-Apotheke die Medikamente aus. Praktisch ist die Entwicklung des Karlsruher Startups heat_it. Das junge Unternehmen macht jedes Smartphone zum Mittel gegen Insektenstiche. Ein kleiner Stecker, der in jedes Smartphone passt, wird per App-Steuerung erwärmt. Wird der Stecker auf einen Stich gedrückt, zerstört Hitze das Gift des Insekts und die betroffene Person soll nach Angaben von heat_it in kürzester Zeit beschwerdefrei sein. Neolexon aus München hilft mit seinen Apps Menschen mit logopädischen Problemen. Kinder mit Artikulationsstörungen oder Schlaganfallpatienten können mit diesen Angeboten ihre Aussprache trainieren. Das Abo kostet 15-25€ pro Monat und viele Krankenkassen erstatteten bereits die Kosten. Einen regelrechten Boom erfahren Apps wie Moodpath, die sich auf psychische Gesundheit fokussieren. Auch betriebliche Prozesse in Krankenhäusern können durch Digital Health effizienter werden: Das Startup Cliniserve bietet mobile Lösungen für den Klinik- oder Pflegealltag an. Bereits zehn Krankenhäuser nutzen die Cliniserve-Software, die Wege und damit Zeit für das Personal einspart. Die Prozesse werden verschlankt und übersichtlicher und den Ärzten und Pflegern bleibt deutlich mehr Zeit für die Patienten. 

Die Entwicklung von Digital Health hat gerade erst begonnen

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass Smartphones mit ihren Tracking-Möglichkeiten und digitale Kommunikationskanäle das Thema Medizin deutlich erweitern, zum Wohle der Patienten. Angebote von App-Entwicklern werden vermehrt in die bestehenden Strukturen des Gesundheitssystems integriert. Wer jetzt Bestehendes mit Neuem verknüpft, kann an einer spannenden Entwicklung des großen Markts für Gesundheit teilhaben und innovative Geschäftsmodelle erfolgversprechend umsetzen.

 

Wo sehen Sie große Chancen in der Digitalisierung der Medizin? Melden Sie sich gerne bei unseren magility Experten für einen fachlichen Austausch.

 

EMV

EMV – Elektromagnetische Verträglichkeit in Fahrzeugen

Die Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV), auch Englisch Electromagnetic Compatibility (EMC) oder Electromagnetic Interference (EMI), ist ein Thema welches stetig an Bedeutung gewinnt. EMV ist definiert als “die Fähigkeit einer elektrischen Einrichtung, in ihrer elektromagnetischen Umgebung zufriedenstellend zu funktionieren, ohne diese Umgebung, zu der auch andere Einrichtungen gehören, unzulässig zu beeinflussen.” Durch die steigende Anzahl verwendeter elektronischer Komponenten in modernen Autos wird die EMV für die Automobilindustrie immer wichtiger. Für EMV in anderen Industriezweigen geltende Grenzwerte sind für die Automobilindustrie noch nicht klar definiert. Auch die Strahlenbelastung von Fahrzeuginsassen bedarf einer genaueren Betrachtung.  

EMV und steigende Komplexität in Fahrzeugen

Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass alle in einem Fahrzeug verbauten Komponenten auf EMV überprüft werden. Eine Prüfung auf EMV wird zum Beispiel von der DEKRA durchgeführt. Die Testung wird unter Beachtung der Normen ECE, ISO und CISPR durchgeführt. Bevor eine Genehmigung durch das Kraftfahrt-Bundesamt beantragt wird, soll nichts dem Zufall überlassen werden. Besteht eine Komponente solch einen Test nicht, darf kein Fahrzeug, in dem sie verbaut ist, zugelassen werden. Die in ständig zunehmendem Maß konnektiv verbauten Komponenten in Fahrzeugen, wirkt sich auch auf die Strahlenbelastung der Fahrzeuginsassen im Fahrzeug aus.

Wodurch entsteht elektromagnetische Strahlung?

In jedem Gerät, in dem Strom fließt, also elektrische Ladungen bewegt werden, entsteht auch elektromagnetische Strahlung. Diese Strahlung setzt sich zusammen aus einem elektrischen und einem magnetischen Strahlungsfeld. Dabei wird zwischen niederfrequenten und hochfrequenten Feldern unterschieden. Niederfrequente elektromagnetische Felder umgeben allgemein alle Hochspannungsleitungen, Elektroinstallationen in Gebäuden, Haushaltsgeräte, Leitungen für den Schienenverkehr oder eben elektrische Komponenten in einem Fahrzeug. Hochfrequente elektromagnetische Felder werden von Antennen als elektromagnetische Wellen ausgestrahlt. Beispiele hierfür sind Rundfunk, Mobilfunk, Wlan oder Bluetooth.

Biophysikalische Wirkungen und EMV

Die Aktionsströme des Herzens und die Hirnstromaktivität bei Lebewesen erzeugt ebenfalls Magnetfelder durch Stromflüsse an Muskeln und im Gehirn. Steht ein Körper unter zu starkem Einfluss elektromagnetischer Strahlung, können akut gesundheitliche Probleme auftreten, u.a. Schwindel, Übelkeit oder sogar Herzrhythmusstörungen. Träger von medizinischen Implantaten, wie etwa Herzschrittmachern, sind dabei besonders gefährdet und dürfen zum Beispiel in industriellen Anlagen aus Sicherheitsgründen bestimmte Bereiche nicht betreten. Inzwischen ist offiziell anerkannt, dass die Röntgenstrahlung, die von sehr schlecht abgeschirmten Radargeräten ausgeht, Krebs verursachen kann und sehr starke elektromagnetische Felder gesundheitsschädigende Auswirkungen haben. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt elektromagnetische Strahlung, wie sie in einem normalen Alltag vorkommt, nach wie vor als langfristig unbedenklich. Die Organisation weist allerdings darauf hin, dass die Wissenschaft die Unbedenklichkeit bisher nicht abschließend klären konnte. Die Deutsche Gesellschaft für EMV-Technologie verweist auf Studien, durch die unerwünschte Einflüsse auf den Körper durch elektromagnetische Strahlung, ab einer gewissen Intensität, nachgewiesen wurden. Sie empfiehlt, sendungsstarke Geräte wie Smartphones nicht direkt am Körper zu tragen.

Umstrittene Grenzwerte im Strahlenschutz 

Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz dienen festgelegte Dosisgrenzwerte “nicht als Trennlinie zwischen gefährlicher und ungefährlicher Strahlenexpedition”. Vielmehr sind sie als Schätzwerte zu betrachten und sollen die potentiellen gesundheitlichen Folgen wie Krebserkrankungen so gering wie möglich halten. Die baldige Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G wird die Zahl der Sendemasten verdoppeln bis verzehnfachen. Eine stark zunehmende Verbreitung von vernetzten Geräten in Fabriken und Haushalten – Stichwort Internet-of-Things –  wird weiter dazu beitragen, dass die Strahlungswerte zunehmen. Zahlreiche Studien konnten bisher Einflüsse auf die Gesundheit nachweisen. Fast ebenso viele Studien kommen allerdings zum gegenteiligen Ergebnis. Problematisch sind hierbei die unterschiedlichen Erkenntnisinteressen der Studien, zu kleine Gruppen von Probanden, die Schwierigkeit, durch andere Umwelteinflüsse langfristige Effekte durch Strahlung zu isolieren, und die Tatsache, dass die Auftraggeber dieser Studien Vertreter handfester Interessen sind. Trotz zahlreicher Verschwörungstheorien im Internet gibt es auch eine große Anzahl seriöser Naturwissenschaftler, welche die aktuelle Entwicklung kritisch sehen. Zusammenfassend kann man zum heutigen Zeitpunkt festhalten, dass negative Auswirkungen zwar bekannt sind, es aber aufgrund der unzureichenden Beweislage nicht für eine wissenschaftlich anerkannte Auswertung ausreicht. 

Strahlung in modernen Fahrzeugen

Durch die zunehmende Vernetzung von modernen Fahrzeugen gewinnt das Thema Strahlenschutz auch für die Automobilindustrie immer mehr an Bedeutung. In Internetforen mehren sich Klagen von Elektroauto-Besitzern über unterschiedliche subklinische Beschwerden, seitdem sie vom Verbrennungsmotor auf Elektroantrieb gewechselt haben. Solche gefühlten Einflüsse werden Elektrosensibilität genannt. Auch hier gilt, dass bisher nicht wissenschaftlich belegbar ist ob, die Beschwerden dieser Nutzer tatsächlich durch elektromagnetische Strahlung im Fahrzeug verursacht werden oder auf Nocebo-Effekte zurückzuführen sind. Langfristige Gesundheitsschäden sind bisher nicht nachgewiesen, akute Auswirkungen wie unterschiedliche Formen von Unwohlsein dagegen schon. Sollte sich dieses Problem mehren, könnte es potentiell das Führen von Fahrzeugen und Maschinen gefährlicher machen. 

Ausblick 

Für Autohersteller ergeben sich, durch die in den Medien sehr undurchsichtige Aufarbeitung des Themenfeldes EMV, neue Chancen bei der Positionierung im Markt. Nachgewiesener Strahlenschutz im Innenraum könnte zum Wettbewerbsvorteil werden. Das Startup VHOLA hat dieses Thema bereits erfolgreich aufgegriffen und eine technische Lösung zur Überwachung und Reduzierung von elektromagnetischer Strahlung in der Fahrgastzelle bis zur Marktreife entwickelt. Dadurch erhöht VHOLA weiter die Relevanz der EMV-Thematik für OEMs und Zulieferer.

Wir von magility werden das Thema auf jeden Fall ergebnisoffen weiter verfolgen. Spielt das Thema Strahlenbelastung für ihr Produktportfolio bereits eine Rolle? Wir freuen uns über einen fachlichen Austausch.

 

 

 

Digital Twin

Der Digitale Zwilling – Innovation in der Produktion

Bereits seit etwa zwei Jahren ist ein Begriff im Umlauf, der für die digitale Modernisierung von Produktion und Geschäftsprozessen steht: der Digitale Zwilling. Grundsätzlich geht es dabei darum, physische Objekte der Produktion sowie die Zugrunde liegenden Prozesse in all ihren Eigenschaften digital zu simulieren. Herstellungsprozesse, die bisher aufwendige Versuche mit Prototypen vorraussetzten und dabei viel Zeit und Kosten verursachten, können durch den Digitalen Zwilling am Computer realitätsnah, einfach und kostengünstig durchgeführt werden.

Welche Technologien stehen dahinter?

Der Digitale Zwilling (Englisch: Digital Twin), gilt als eine Schlüsseltechnologie der Industrie 4.0. und ist damit essentiell für die Zukunft der industriellen Produktion. Ausgangsbasis ist die Bestückung aller Maschinen einer Anlage oder sogar einer ganzen Fabrik mit Sensoren, die detaillierte Informationen in Echtzeit über den aktuellen Zustand der Produktion an ein Backend senden. Dort werden die Daten, auch Reports genannt, zusammengeführt und verknüpft. Für eine skalierbare Datenübertragung sorgen Wlan, LTE oder für Prozessdaten Feldbus-Systeme wie etwa EtherCAT. Um die dabei anfallenden großen Datenmengen auch verarbeiten zu können, werden zumeist Methoden und Techniken aus dem Big-Data-Bereich verwendet.

Auf eine detaillierte Auflösung kommt es an  

Der Digitale Zwilling ist im Grundsatz die Weiterentwicklung von schon bestehenden Vorgehensweisen wie etwa der technischen Zeichnung. Im Entwicklungssektor der Automobilindustrie gehört die Arbeit mit virtuellen Prototypen bereits zum Standard. Dies stellt einen maßgeblichen Fortschritt dar. Die Exaktheit der digitalen Kopie ist ausschlaggebend für die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten solcher Simulationen. Das Ideal besteht darin, die Realität so genau wie möglich in einer Software abzubilden. Daher stammt auch der vielsagende Begriff ‘Zwilling’. Ein digitaler Zwilling ist nicht identisch mit seinem analogen Verwandten aber er soll ihm möglichst nahe kommen. Wichtig ist: je mehr Informationen über eine Maschine oder einen Prozess und dessen Auswirkungen im System erfasst werden, desto präziser sind auch die berechneten Vorhersagen, die sich daraus ergeben. Sprechen wir von einem Produkt wie etwa einem Werkstück, so sind es nicht bloß die Abmessungen, die von Bedeutung sind, sondern auch die Materialeigenschaften wie Verschleißdauer, thermische Stabilität oder die Interaktion mit hinzugefügten Bauteilen. Je mehr Parameter für den jeweiligen Gegenstand oder Prozess digital erfasst werden, umso aussagekräftiger werden die darauf aufbauenden weiteren Anwendungsmöglichkeiten. Die Qualität eines Digitalen Zwillings kann daher mit einem Foto verglichen werden, das mit zunehmender Auflösung auch mehr Details abbildet. Insider sprechen daher von der Granularität und der Datendichte, welche das Verwendungspotenzial eines Digitalen Zwillings bestimmt.

Der Digitale Zwilling bringt Vorteile

In der Produktion können Digitale Zwillinge über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts entlang der Wertschöpfungskette genutzt werden. Bereits in der Produktentwicklung können mit rein digital erstellten Prototypen alle nötigen Anforderungen getestet werden. Die aufwendige und kostspielige Herstellung physischer Prototypen entfällt. Der Digitale Zwilling kann wie sein analoges Ebenbild getestet und seine spätere Verwendung simuliert werden. Auch die Effizienz und Qualität der realen Produktion kann durch den Einsatz von digitalen Zwillingen gesteigert werden. Dies gilt genauso für die Planung von zugehörigen Lieferungen und Dienstleistungen in der analogen Produktion. Die Begleitung von Herstellungsprozesse durch digitale Zwillinge ermöglicht kürzere Anlaufzeiten, geringere Ausfallraten und eine frühzeitige Erkennung möglicher Probleme. Zulieferer oder Kunden können von Anfang an in den Entwicklungsprozess miteinbezogen werden, um die Erfüllung ihrer Anforderungen direkt digital zu erproben und zu optimieren.

Industrie 4.0 und die Smart Factory

Die Zukunft der Produktion ist also eng verbunden mit dem Digitalen Zwilling. Die intelligente und vernetzte Fabrik wird zur Smart Factory. Wenn jede Maschine und alle Informationen, die beispielsweise von Tanks oder dem Lager kommen können, in einem System zusammengeführt werden, zunehmend auch in der Cloud, dann wird vom Internet-of-Things (IoT) gesprochen. Der Digitale Zwilling ist ein wichtiger Teilbereich der fortlaufenden Weiterentwicklung technologischer Trends, die in dieser Innovation zusammen finden. Die baldige Einführung des schnellen Mobilfunkstandards 5G wird die Vernetzung und Digitalisierung in der Indurstrie noch weiter beschleunigen.

Der Digitale Zwilling und die Organisation

Über den Einsatz in der Produktion hinaus, ist die Übertragung der gesamten unternehmerischen Organisation und ihrer Prozesse in den digitalen Raum ein weiteres Anwendungsfeld des Digitalen Zwillings. Man spricht dabei vom DTO, dem Digital Twin of Organisations. Ähnlich wie bei der Business Intelligence, geht es dabei um alle live erfassten Operationen, die beispielsweise durch Produktion, Zulieferer, Kundenbestellungen und Mitarbeiter angestoßen werden. Ziel ist die Ermöglichung einer Vogelperspektive auf die Organisation. Auch der Faktor Zukunft kann somit verstärkt berücksichtigt werden. Denn die digitale Spiegelung des Unternehmens erlaubt das Durchspielen, Messen und Auswerten unterschiedlicher Szenarien was die Entscheidungsgrundlage für das organisatorische Handeln maßgeblich beeinflusst. 

Welche Szenarien sehen Sie für die Aufstellung Ihres Unternehmens im digitalen Zeitalter als entscheidend an? Setzen Sie sich gerne mit uns zu einer Diskussion in Verbindung.

 

Ecomotion

New Mobility auf der EcoMotion in Tel Aviv – High Tech und Innovationen

Mitte Juni fand zum siebten Mal die Mobility Messe EcoMotion in Tel Aviv statt. Für fünf Tage trafen sich lokale Start-Ups, Investoren und internationale Unternehmen, um die neuesten Entwicklungen der Branche kennenzulernen. Was einst als ein Treffen im kleinen Kreise entstand, hat sich zu einem internationalen Hotspot an der Schnittstelle von Automotive und Digitalisierung mit über 4.000 Fachbesuchern entwickelt. Nahezu alle großen Player sind auf der EcoMotion heute vertreten. So strecken z.B. auch die Inkubatoren von Audi, Porsche, Daimler, Volvo, Deutsche Bahn und SBB dort die Fühler aus. Kaum einer will verpassen was dort besprochen und gezeigt wird. 

Tel Aviv – eine Startup Szene unter Dampf

Israel verfügt über eine überwiegend junge Bevölkerung, die sehr gut ausgebildet und hoch ambitioniert ist. Die Metropolregion Tel Aviv hat etwa so viele Einwohner wie Berlin. Wo sich wie ein Flickenteppich historische Häuser an moderne Glasbauten reihen, kommen die besten Ingenieure und kreativsten Unternehmer zusammen. Die Stadt mit Strand direkt am Mittelmeer, gilt als das wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum des Landes. Manches was hierzulande erst von der Politik auf Umsetzbarkeit geprüft wird, wie etwa die App-gesteuerten E-Scooter, gehört in Tel Aviv bereits seit Jahren zum Straßenbild in den verwinkelten Gassen oder auf den grün beschatteten Boulevards der Stadt.

Die EcoMotion – Durchgetaktet von Anfang an

Auch direkt am Pavillon 1 der Expo Tel Aviv werden die Besucher mit E-Scootern der Mobility Start-Ups Lime, GoTo, Inokim LEO und DAV.city empfangen. Auf dem Vorplatz nebenan, dem Demo Field, drehen bei 32 Grad Außentemperatur autonom fahrende Autos ihre Runden. Durch diese wird anschaulich demonstriert, wie zuverlässig autonome Fahrzeuge aktuell schon Hindernissen ausweichen oder in Notfällen selbstständig stoppen können. Bereits am Vortag des Main Events luden verschiedene Unternehmen zu zahlreichen Veranstaltungen ein. Etwa zur HARMAN Israel Tech Show. Dort stellte der Car Entertainment & Cockpit Konzern seine neuesten Lösungen im Bereich Interior & Connectivity vor. In der Messehalle selbst herrschte somit bereits ab 8 Uhr morgens geschäftiges Treiben. Über 200 meist einheimische Start-Ups und Scale-Ups aus den Bereichen Urban Mobility, Autonomous & Connected, Electrification & Energy, Drones & Aviation, Maritime und Shared Mobility präsentierten ihre neuesten Ideen und Entwicklungen. 

Die neuesten Trends aus erster Hand

Während auf dem Parkett der Messe also pausenlos gegrüßt, erklärt, Kontakte gepflegt und das Netzwerk erweitert wurde, waren im ersten Stock die Büros des B2B Bereichs meist vollständig besetzt. Obwohl in diesem Jahr größere Räumlichkeiten als je zuvor für die EcoMotion genutzt wurden, reichten die Kapazitäten geradeso aus. Ein Fokus der diesjährigen EcoMotion war das Thema Automotive Cyber Security. Zahlreiche Aussteller widmeten sich intensiv dieser Thematik, vorneweg der Magility Partner Argus Cyber Security. In zwei gegenüberliegenden Ecken der Messehallen waren Vortragsbühnen aufgebaut, die Main Stage und die Start-Up Stage. Auf beiden hielten die kreativsten Köpfe der Branche für die Zuschauer erkenntnisreiche Keynotes und Panel Discussions. 

Am Puls der Zeit auf der EcoMotion

Auf der Hauptbühne sprachen Manager und Ingenieure von Unternehmen wie Magna, ZF, Siemens, Valens, General Motors, Renault-Nissan-Mitsubishi Alliance, Mercedes, Skoda oder Yandex über aktuelle Themen wie Connectivity, AI, Smart City und Electric Vehicles. Auf der Start-Up-Bühne wurden erst die Gewinner mehrerer Start-Up Challenges verkündet bevor es um Global Market Strategies für junge Unternehmen ging. Es folgten dreiminütige Pitches von 16 Start-Ups, die sich dem interessierten Publikum präsentierten. Das Programm wurde durch einen Reverse-Pitch abgerundet, bei dem Vertreter von Continental, Toyota, HARMAN, Nvidia, Ford und anderen die Bedarfe und Erwartungen an die Start-Up-Welt seitens der Industrie aufzeigten. Die Metropolregion Rhein-Ruhr lud zum Abschluss zu einem großen Empfang für alle Besucher der Messe und präsentierte sich als aufstrebender Innovationsstandort in Deutschland.

Facettenreiches Rahmenprogramm schafft Verbindungen

Nach dem Main Event auf dem Messegelände dauerte die EcoMotion noch zwei weitere Tage an. Das Shared Mobility Scale-Up GoTo.global lud zu einer beeindruckenden Ballonfahrt über den Dächern von Tel Aviv. Magility war mit etwa zwanzig weiteren geladenen Gästen dabei, als es um die Zusammenführung unterschiedlicher Mobilitätskonzepte ging. Auch KMPG, Ernst & Young und weitere Unternehmen luden zu Veranstaltungen. Am Abend kamen alle noch Anwesenden im Beach Club des Hilton Bay zusammen, um weiter Kontakte zu knüpfen. 

Investoren und Women in Mobility auf der EcoMotion

Am letzten Tag der EcoMotion Woche fand die Mobility Tech Conference des Finanzdienstleisters Jefferies im Ritz Carlton Tel Aviv statt. In einem Saal informierte ein neunstündiger Vortragsmarathon über aktuellste High-Tech Entwicklungen im Bereich Automotive. Währenddessen trafen sich auf der Terrasse und Lobby des Hotels Investoren mit Start-Ups zu Gesprächen über Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Die abschließende Veranstaltung widmete sich unter dem Motto ‘Women in Mobility’ einem Thema, das auch für die Automotive Branche deutlich an Relevanz gewonnen hat. Wie in anderen technologiegeprägten Branchen, zeigte die Frauenquote auf der EcoMotion, dass in diesem Bereich noch Potenziale liegen.  

Das nächste Event zum Thema New Mobility in Tel Aviv findet übrigens mit dem Smart Mobility Summit vom 28.-29. October 2019 statt. Ein Fokus der Veranstaltung wird auf Alternative Fuels liegen.

Was sind Ihre Gedanken zur Zukunft der Mobilität? Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen und Herausforderungen für Ihr Unternehmen? Setzen Sie sich gerne mit unseren Experten zum Perspektivdialog in Verbindung.

Autonomes Fahren

Autonomes Fahren – welche Technologien stecken dahinter?

Autonomes Fahren gilt als eine maßgebliche Schlüsseltechnologie für die Zukunft des Individualverkehrs. Fahren alle Autos bald von selbst, können wahrscheinlich viele Unfälle verhindert werden. Berufspendler und Reisende könnten während der Fahrt schlafen, arbeiten oder Medien konsumieren. Aber welche Technologien stehen eigentlich hinter der großen Vision vom Autonomen Fahren?

Mehrere Technologien – ein Ziel

Um die angesprochene Vision Wirklichkeit werden zu lassen, werden Autos mit einer Vielzahl unterschiedlicher Sensoren und Systeme ausgerüstet. Schließlich müssen alle Aufgaben eines menschlichen Fahrers übernommen werden. Dazu müssen Sensoren eine umfangreiche und exakte Wahrnehmung 360 Grad um das Auto herum erzeugen, damit eine auf dem höchstmöglichem Standard trainierte Künstliche Intelligenz die Aufgaben des Menschen übernehmen kann und im Idealfall sogar die Kompetenz besitzt, in kritischen Situationen besser und schneller zu entscheiden. Um dies zu gewährleisten und um die höchste Stufe des Autonomen Fahrens zu erreichen, müssen gleich mehrere Technologien sowie deren Datenfluss kombiniert, ins Fahrzeugsystem integriert und gemanagt werden. Die Ultraschallsensorik ist eine davon. Sie wird nach wie vor für die Nahfeld-Erkennung genutzt. Die sogenannten Parkpiepser sind solche Ultraschallsensoren, die sich schon heute in den Fahrzeugen als Standard durchgesetzt haben. 

Autonomes Fahren und die Augen des Computers

Videokameras spielen bei der Entwicklung eines Autonomen Fahrzeugs eine immer bedeutendere Rolle. Sie machen Bilder von der Straße und der Umgebung des Fahrzeugs und “blicken” in alle Richtungen. So kann das gesamte Umfeld 360 Grad um das Fahrzeug herum überwacht werden. Andere Verkehrsteilnehmer, auch im toten Winkel, werden erkannt und die Verkehrszeichen gelesen. Als sogenannte Stereokamera ist es solch einer Kamera auch möglich, Entfernungen zu messen. Je höher die Lichtstärke und Auflösung der Kamera ist, desto exakter kann die Umgebung wiedergeben werden. Aber auch für die Innenraumüberwachung kommen Kameras zum Einsatz. Die Fitness sowie der Gesundheitszustand des Fahrers kann überwacht und seine Eingabebefehle durch Gestensteuerung erkannt werden. Als Folge der Entwicklung könnten herkömmliche Rückspiegel bald der Vergangenheit angehören. Audi ist mit seinem neuen Elektro-SUV E-Tron mit windschnittigen Kameras der erste Hersteller der die Rückspiegel komplett durch Kameras ersetzt. 

Radar – bewährte Technik, ständig weiterentwickelt

Radarsensoren (radio direction and ranging) senden und empfangen Radiowellen, um die Umwelt abzutasten. Sie werden bereits seit 20 Jahren in der Autoindustrie eingesetzt, etwa für den Tempomat, der den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug konstant hält. Radar kann Objekte erkennen, deren Entfernung, relative Geschwindigkeit und die Bewegungsrichtung. Ein Vorteil von Radarmessungen ist die hohe Reichweite die Robustheit gegenüber Umwelteinflüssen. Ein Nachteil ist jedoch die geringe Auflösung, mit der Objekte erkannt werden. Andere Technologien bilden Objekte wesentlich exakter ab.

LiDAR – die Vermessung der Umwelt mit Licht

Sensoren auf LiDAR Basis (light detection and ranging) funktionieren grundsätzlich ähnlich wie Radar. Der Unterschied liegt in der gemessenen Strahlung. Denn LiDAR Systeme senden für das menschliche Auge unsichtbare Laserimpulse aus, deren Reflektionen von den Sensoren gemessen werden. Diese Technologie ist exakter, kann also mit höherer Auflösung wahrnehmen. Allerdings ist die Reichweite bei LIDAR Systemen ein wenig geringer und die Messungen sind anfälliger für Umwelteinflüsse wie etwa Regen, Nebel oder Schnee. Dunkle Autos reflektieren LiDAR-Strahlen eher schlecht. Deshalb ändern Lackhersteller zur Zeit ihre Formeln, um auch schwarze Lacke besser reflektieren zu lassen. Die LiDAR-Sensoren führen 10.000 Messungen pro Sekunde durch und erstellen so ein aktuelles Abbild der Umgebung und ermöglichen schnelle Reaktionszeiten des autonomen Systems.

Ohne High-Speed Datenverarbeitung kein Autonomes Fahren

Es gibt also unterschiedliche Arten von Sensoren, die ständig große Mengen von Daten produzieren. Erst durch deren Kombination, Anreicherung und blitzschnelle Verarbeitung wird Autonomes Fahren ermöglicht. Der Begriff hierfür ist die Sensorfusion. Um die Datenmengen der Sensoren verarbeiten zu können, müssen Autos mit immer schnelleren Prozessoren ausgestattet werden. Die Automobilhersteller und Zulieferer stehen bezüglich Rechenleistung mittlerweile in starkem Wettbewerb zueinander. Über die Daten von Sensoren und Kameras läuft eine Mustererkennung, welche die reale Umwelt strukturiert und so für das System verwendbar macht. Hinzu kommen noch hinterlegte Kartendaten sowie Positionsdaten aus dem GPS Signal. Um diese großen Mengen von Daten zu verarbeiten, werden Methoden aus den Bereichen Big Data und Künstliche Intelligenz implementiert. So kann ein System auch selbstlernend ausgelegt und erworbene Lerneffekte an die Systeme anderer Autos übertragen werden.

Neben Sensoren, die das Autonome Fahren an sich unterstützen sollen, arbeiten verschiedene Unternehmen daran, aus den gewonnenen Daten weitere Informationen zu generieren, die auch schon bei niedrigeren Automatisierungsgraden von Fahrzeugen das Fahrerlebnis und die Sicherheit verbessern sollen. Die Software des israelischen Startups Tactile Mobility zum Beispiel nutzt Sensorfusion der im Fahrzeug bestehenden Sensoren um u.a. den Grip Level (Haftungsgrad) der Straße zu bestimmen. Bei Veränderungen der Straßenverhältnisse wird der Fahrer bzw. das autonome Fahrzeug dabei in Echtzeit über Gefahren und Gegenmaßnahmen informiert.

Welche Entwicklungen stehen noch an?

Konnektivität ist die Grundvoraussetzung für Autonomes Fahren. Ein autonom fahrendes Fahrzeug mit all seinen Sensoren wird auch mit einem Server des Herstellers verbunden sein. So können beispielsweise Verkehrs- und Wetterdaten in Echtzeit berücksichtigt und die Software des Fahrzeugs ständig aktualisiert und optimiert werden. Gerade für die Cyber-Security des Fahrzeugs ist diese Vehicle-to-Backend-Connectivity (V2B) ausschlaggebend. Um einen Cyber-Angriff schnellstmöglichst zu stoppen, sind Over-the-Air (OTA)-Updates unumgänglich. Desweiteren werden die autonomen Fahrzeuge mit der Infrastruktur vernetzt sein, die sogenannte Vehicle to Infrastructure-Connectivity (V2I) sowie untereinander, also Vehicle to Vehicle (V2V). Um die Positionen der autonomen Fahrzeuge zu überwachen und den Verkehr sicher zu steuern, wird in der Zukunft auch die Vehicle-to-Satellite-Connectivity (V2S) mehr und mehr in den Fokus rücken. Auch eine weitere Vernetzung, genannt Vehicle-to-Everything (V2X), ist möglich. Für die Datenmengen, die konnektiv über die verschiedenen Kanäle ausgetauscht werden, reicht der heutige Mobilfunkstandard nicht aus. Erst wenn der schnellere Mobilfunkstandard 5G eingeführt wird, können sich die Fahrzeuge auch untereinander vernetzen (V2V). Jedes Auto könnte dann ein Signal senden um von anderen Verkehrsteilnehmern bereits außerhalb der Sensorreichweite erkannt zu werden. Verkehrsflüsse ließen sich so optimieren und sicherer gestalten. Mit wachsender Konnektivität steigt auch das Risiko für Cyber-Crime. Ein autonomes Fahrzeug muss behandelt werden wie ein Computer auf Rädern und benötigt von Grund auf ein ausgereiftes end-to-end Cyber-Security Konzept. 

Ausblick

Um das vollautonome Fahren (Level 5) zu ermöglichen, ist ein ganzes Paket an unterschiedlichen Technologien notwendig. Für die Automobilindustrie ist das Autonome Fahren momentan an Komplexität nicht zu übertreffen. Es geht nicht nur um die Technologien im Fahrzeug, viele weitere Faktoren, wie das Management der Datenmengen, festgelegte Normen, datenschutzrechtliche Vorgaben, Cyber-Security-Themen, die momentan vorzufindenden Standards, wie der Mobilfunkstandard, sowie der Ausbau der Infrastruktur müssen gleichzeitig betrachtet oder ausgebaut und in optimaler Weise zueinander in Beziehung gesetzt werden. Warum es in den nächsten Jahren eher unrealistisch ist, dass wir im öffentlichen Straßenverkehr vollautonome PKW vorfinden werden und weshalb sich vollautonome Fahrzeuge voraussichtlich erst im Bereich der Nutzfahrzeuge etablieren werden, klären wir in einem unserer nächsten Artikel.  Wir freuen uns auf einen regen Austausch zum Thema. Kontaktieren Sie gerne unsere Experten bei Magility!

 

 

Das Autonome Fahren

Status quo – Autonomes Fahren – Ist 2019 das Jahr?

Das autonome Fahren gilt als ein maßgeblicher Zukunftstrend der Automobilindustrie. Fahrzeuge werden stetig intelligenter, reagieren auf ihre Umwelt und sind zunehmend vernetzt mit Servern, die das Auto über die Verkehrssituation und den Streckenverlauf informieren. Assistenzsysteme, die das autonome Fahren bereits teilweise ermöglichen, werden in nahezu jeder neuen Generation eines Fahrzeugmodells verbaut.

Welche Arten des Autonomen Fahrens gibt es?

Zur genaueren Betrachtung wird das autonome Fahren in mehreren Stufen klassifiziert. Autonomie-Stufe 0 bezeichnet den klassischen Selbstfahrer. Autonomie-Stufe 1 beschreibt das assistierte Fahren wobei ein Abstandsregeltempomat den Fahrer im Verkehr unterstützt. Diese Funktion gehört bei nahezu allen aktuellen Fahrzeugen zum Standard. Bei Autonomie-Stufe 2 geht es bereits um eine Teilautomatisierung. Das Fahrzeug kann dabei selbst die Spur halten, Abbremsen, Beschleunigen und automatisch Einparken, wobei der Fahrer selbst aber immer noch vollständig in der Verantwortung bleibt. In höherpreisigen Modellen ist diese Autonomie-Stufe bereits weit verbreitet. Autonomie-Stufe 3 ermöglicht hochautomatisiertes Fahren. Dabei ist das Auto fähig, bestimmte Aufgaben, wie etwa eine Autobahnfahrt selbstständig zu bewerkstelligen. Der Fahrzeuginsasse kann währenddessen anderen Tätigkeiten nachgehen, wie etwa Zeitung lesen oder am Laptop arbeiten. Allerdings muss er immer noch bereit sein, das Steuer im Ernstfall zu übernehmen. Autonomie-Stufe 4 beschreibt das Vollautomatisierte Fahren. Ein aktiver Fahrer wird nicht mehr benötigt, alle Fahrzeuginsassen werden Passagiere. Die verbauten intelligenten Systeme des Autos übernehmen alle Fahraufgaben. Der Passagier befindet sich außerhalb der Verantwortung und dürfte sogar schlafen. Stufe 5 beschreibt die höchste Stufe, das Vollautonome Fahren. Das Fahrzeug bewerkstelligt jegliche Verkehrssituation und Strecke dabei vollkommen selbstständig und auch Leerfahrten ohne Insassen wären möglich.

Autonomes Fahren – was sind die Vorteile?

Hier ist zuerst die Vision vom unfallfreien Fahren zu beschreiben. Noch immer gibt es in Deutschland über 3.000 Verkehrstote im Jahr. In ganz Europa sind es rund 25.000. Weltweit sollen es laut der WHO sogar deutlich über eine Million Verkehrstote pro Jahr sein. Das Autonome Fahren könnte drastisch dazu beitragen, diese Zahlen zu senken. Ein weiterer Vorteil ist die gewonnene Zeit des Fahrzeuginsassen. Hierzu ein Beispiel: Eine Person, die pro Arbeitstag 2 Stunden Wegzeit im Auto zubringt, hätte bei durchschnittlich 220 Arbeitstagen pro Jahr eine Zeitersparnis von 440 Stunden durch ein autonom fahrendes Fahrzeug. Dies summiert sich auf, immerhin 36 Zwölf-Stunden-Tage, die für andere Tätigkeiten wie z.B. Zeitunglesen oder mobilem Arbeiten genutzt werden können.

Verschiedene Ansätze führen zu Autonomem Fahren

Die etablierten Autohersteller knüpfen an ihr Kerngeschäft an, entwickeln ihre Modelle auf Basis bewährter Tradition weiter und statten die Fahrzeuge mit immer fortschrittlicheren Assistenzsystemen aus. Der technologische Fortschritt könnte bereits innerhalb der nächsten oder übernächsten Fahrzeuggeneration zum Vollautomatisierten Fahren führen. Unternehmen wie die Google-Tochter Waymo oder Uber forschen und testen neben den OEMs ebenfalls am autonomen Fahren. Sie nutzen ihre Erfahrung in der Verarbeitung großer Datenmengen und statten zugekaufte Automodelle mit meist sichtbar vielen Sensoren aus. Der Taxi-Dienstleister Lyft betreibt in Kooperation mit dem Autozulieferer Aptiv zur Zeit 30 umgerüstete 5er BMWs in Las Vegas. Die vielen dafür notwendigen Sensoren sind unauffällig in die Autos integriert. Allerdings ist dabei immer ein Sicherheitsfahrer mit an Bord und die Umrüstung kostet noch mehrere hunderttausend Euro pro Fahrzeug. Alleine in Kalifornien haben über 60 Unternehmen eine Lizenz zum Testen autonomer Fahrzeuge. Nimmt man Arizona hinzu, sollen dort insgesamt bereits über 1.200 autonomer Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein.

Wo geht die Reise noch hin?

Die neuen Innovationsmöglichkeiten durch autonomes Fahren sind äußerst vielfältig. Verschiedenste Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft wollen daran teilhaben. Um die aussichtsreichsten Chancen zu identifizieren wurde etwa jüngst das Mobility, Experience and Technology Lab (MXT) gegründet. Dahinter steckt eine Kooperation des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO mit der Unternehmensberatung McKinsey. An deren Prototypen kann man genauso wie auf den letzten Elektronikmessen erahnen, wie eine solche Zukunft aussehen kann. Audi zum Beispiel stellte ein Konzeptfahrzeug vor, in dessen Fahrgastzelle sogar Pflanzen wachsen. Das Interieur von Autos kann mit abgedunkelten Scheiben und Liegesitzen zum Schlafzimmer werden, die Windschutzscheibe zum riesigen Bildschirm. Die Themen Komfort, Entertainment und Produktivität während der Fahrt rücken immer mehr in den Fokus.

Neue Geschäftsmodelle durch autonomes Fahren

Durch die fortschreitende Vernetzung der Autos und deren wachsender Fähigkeit zum autonomen Fahren ergeben sich auch neue Geschäftsmodelle. Tesla Chef Elon Musk, oft ein Freund großer Worte und Visionen, erklärte laut Medienberichten, dass die gesamte Fahrzeugflotte des Herstellers bald so autonom fahren könne, dass Eigentümer eines Teslas ihr Fahrzeug als Robotertaxi vermieten könnten. So könnte durch das Auto, während der Zeit, in der es eigentlich ungenutzt geparkt wäre, Geld verdient werden und dieses zur Amortisation desselben beitragen. Musk erwartet sobald dieses Szenario eintritt sogar eine Verzehnfachung des Börsenwerts von Tesla, welcher Stand Anfang Mai 2019 über 43 Milliarden US-Dollar beträgt. Ein weiteres Geschäftsmodell welches sich aus dem Autonomen Fahren ergibt ist der Robomart. Das gleichnamige Start-Up aus San Francisco hat einen autonom fahrenden Supermarkt entwickelt. Bestückt werden die Fahrzeuge von der US-Supermarkt Kette Stop & Shop. Die Fahrzeuge können autonom direkt zum Kunden fahren oder an stark frequentierten Orten parken. In der Stadt Boston ist der Robomart bereits in Betrieb.

Was sind die größten Herausforderungen?

Eine große Herausforderung ist immer noch die technologische Umsetzung. Ein autonom fahrendes Auto benötigt eine Menge teurer Sensoren. So sind beispielsweise in den oben genannten Robotertaxis von Aptiv 2 Kameras, 2 Computer, mehrere Antennen, 10 Radarsensoren und 9 LiDAR Sensoren verbaut. Lidar Sensoren haben eine ähnliche Funktion wie Radarsysteme, basieren aber auf der Lasertechnologie. Laut einer Studie von Deloitte sind die Nutzer allerdings kaum bereit, für ein autonom fahrendes Auto mehr zu bezahlen als für herkömmliche Autos. Auch das Vertrauen in die digitalen Autopiloten ist noch nicht besonders ausgeprägt. Die meisten fühlen sich noch sicherer, wenn sie das Steuer selbst in der Hand halten. Der Verkehr ist ein hochkomplexes Geschehen in dem stets etwas unvorhergesehenes passieren kann, was blitzschnelle, kreative und vernünftige Reaktionen erfordert. Trotz immer besser werdender Systeme kommt es bei den aktuellen Assistenzsystemen vor, dass der Fahrer eingreifen muss. Eine weitere Herausforderung des autonomen Fahrens sind die umfangreichen gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie die ethische Komponente. Fragen der Haftung müssen ganz neu gestellt werden. Wer trägt beispielsweise die Schuld an von Computern oder Künstlichen Intelligenzen verursachten Unfällen? Trotz rasanter technologischer Entwicklung bleibt also noch einiges zu tun, bis Autos völlig autonom auf unseren Straßen unterwegs sein werden.

Wie bereiten Sie sich auf die autonome Zukunft vor? Kontaktieren Sie uns von magility gerne für einen fachlichen Austausch.

Smart Homes - wann kommt die vernetzte Revolution zuhause?

Smart Home – wann kommt die vernetzte Revolution zuhause?

 

Unter Smart Home lassen sich verschiedene Verfahren und Systeme in Wohnräumen zusammenfassen, die zum Ziel haben, die Qualität des Wohnens und Lebens zu erhöhen. Ein intelligentes Zuhause, besteht aus unterschiedlichen vernetzten Geräten, die aus der Ferne gesteuert werden können. Zudem sind automatisierte Abläufe und Verhaltenserkennung der Bewohnenden Teil eines Smart Homes. Smart ist ein Zuhause dann, wenn die verwendeten Lichtquellen, Tasten und Geräte miteinander so vernetzt sind, dass sie Daten zur Steuerung speichern und eine eigene Logik in ihrer Gesamtheit abbilden.

 

Gesteigerte Lebensqualität und höhere Sicherheit

 

Smart Home Technologien machen das Energiemanagement effizient, indem Heizungen bereits vor Ankunft zuhause energiesparend aufgeheizt werden. Ein weiterer Aspekt ist die intelligente Handhabung von Komfort sowie die Steuerung von Licht und Home Entertainment Systemen. Dazu gesellen sich smarte Haushaltsgeräte wie beispielsweise intelligente Kühlschränke, die über Sensoren die Verderblichkeit der Lebensmittel kontrollieren oder zur Neige gegangene Produkte automatisch nachbestellen. Die Gebäudesicherheit nimmt einen weiteren Teil der Smart Home Technologien ein. Smarte Sicherheitslösungen vereinfachen den Alltag und tragen enorm zur Lebensqualität bei. Alarmanlagen, Gegensprechanlagen und Türschlösser erleben eine Revolution durch die Nutzung von Kameras, Sensoren, Künstlicher Intelligenz oder der Subsound-Technologie.  

 

Skepsis in Deutschland gegenüber Vernetzung zuhause

 

Mit einer Rate von gut 33 Prozent ist die Haushaltspenetration im Smart Home Markt am höchsten in den USA. Darauf folgen dicht Norwegen, Niederlande, Dänemark und Schweden – dort haben mindestens 26 Prozent der Bevölkerung Smart Home Lösungen installiert. Deutschland hingegen hinkt hinterher, denn nur knapp 20 Prozent der Haushalte leben aktuell in einem Smart Home. Nutzer zögern hierzulande damit, ihre persönlichen Daten preiszugeben. Dieses Misstrauen trägt dazu bei, dass das IoT in Deutschland noch am Anfang steht. Doch die wichtigsten IoT Systeme für Smarte Homes haben bezüglich Datensicherheit und Privatsphäre in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht.

 

Komplexität der Systeme und Plattformen schreckt ab

 

Die Nutzerfreundlichkeit und Bedienbarkeit stellt eine weitere Hemmschwelle für die Integration von Smart Home Technologien ins eigene Zuhause dar. Kaum jemand möchte einen Handwerker eigens dafür beauftragen einzelne Komponenten zuhause miteinander zu vernetzen. Die Plattformen und Systeme müssen intuitiv aufgebaut sein und von Kunden jeder Altersklasse verbaut und bedient werden können.

 

Kostenfaktor nicht zu unterschätzen

 

Intelligente Vernetzung zuhause ist heute noch kostenaufwändig. Für ein einfaches System mit wenigen Komponenten muss man bereits mehrere Hundert Euro investieren. Dies wird sich jedoch in naher Zukunft ändern. Aktuell besitzt jedes Gerät zumeist eine komplexe und aufwändige Elektronik um am “smarten Geschehen” teilhaben zu können. Sobald Hersteller die notwendige Intelligenz der Geräte an externe Clouds auslagern, sinken die Entwicklungskosten rapide. Anbieter wie Amazon Web Services oder Microsoft IoT-Software bieten bereits solche Bausteine an, damit Lösungen für Smart Homes viel schneller und unkomplizierter entwickelt werden können. Diese Bausteine werden in eigene Systeme integriert, sodass nicht jedes Gerät komplett neu entwickelt werden muss.  

 

Marken-Kooperationen erleichtern den Einstieg ins Smart Home

 

Um den Zugang zum vernetzten Zuhause noch einfacher zu gestalten haben sich verschiedene Gruppierungen aus unterschiedlichsten Bereichen zusammengeschlossen. So wollen sie erreichen, dass Kunden smarte Komplettlösungen und Services für ihr Zuhause direkt erwerben. Quivicon vereint beispielsweise unterschiedliche Gerätehersteller wie Osram, Miele, Philips oder Sonos. Kleinen IoT Anbietern bietet der Anschluss an Marken-Kooperationen einen attraktiven Zugang, um mit den führenden Anbietern wie Google oder Amazon mit zu schwingen.

 

Fehlende Standardisierung für Geräte

 

Im Vergleich zur Mobilfunkbranche in der Standards wie GSM, UMTS oder LTE gelten, gibt es im IoT aktuell noch keine weltweit festgelegten Standardisierungen in der Kommunikation. Das kann dazu führen, dass einzelne Geräte nicht miteinander kommunizieren können. Jedoch wäre eine einheitliche Standardisierung wünschenswert, damit Kunden nicht von einem Provider abhängig sind. Wäre dies der Fall, würde sich der Markt der Anbieter letztlich auf wenige große Akteure konzentrieren.

 

Sicherheit muss weiterhin höchste Priorität sein

 

Obwohl die Hersteller bereits große Fortschritte zur Sicherheit von Smart Home Lösungen gemacht haben, ist die Angriffssicherheit nicht bei allen Anbietern gleich. Die Anbieter müssen auf das bestehende Vertrauen aufbauen und sicherstellen, dass ihre Dienste vollständig gesichert sind. Die unbedingte Einhaltung von Cybersecurity für vernetzte Smart Home Technologien ist unabdingbar um die Präsenz von vernetztem Wohnraum in naher Zukunft zu erhöhen.

 

Brennstoffzelle

Die Brennstoffzelle – Welches Potential hat der Wasserstoff?

Seit Jahrzehnten wird die Brennstoffzelle immer wieder von den Medien und der Industrie als die umweltfreundliche automobile Antriebstechnik der Zukunft schlechthin gefeiert. Seit der Jahrtausendwende zeigen Automobilhersteller oder Zulieferer regelmäßig auf den großen Automessen der Welt, was mit der Wasserstoff (H2) betriebenen Brennstoffzelle in Zukunft möglich wäre. Audi, Daimler, Chrysler, Fiat, GM, Hyundai, Honda, Peugeot, Toyota, VW, alle haben sich bereits an dieser Technologie versucht. Doch neben dem aktuellen Trend hin zu batteriebetriebenen E-Fahrzeugen führt die Brennstoffzelle momentan eher noch ein Schattendasein.

Wie ist die Brennstoffzelle am PKW-Markt vertreten?

Selten wurden aus den auf den großen Messen vorgestellten Modellen Serienprodukte für den Verkauf weiterentwickelt. Einige Hersteller bieten zwar mit Brennstoffzellen betriebene Fahrzeuge an, meist jedoch noch nicht für den Massenmarkt. Aktuell hat beispielsweise Mercedes-Benz das Modell GLC F-Cell im Portfolio. Dieses Fahrzeug steht jedoch nur in Kombination mit einem Leasing und in geringen Stückzahlen für besondere Kunden zur Verfügung. Toyota hat mit dem Mirai sowie Hyundai mit dem Nexo Brennstoffzellenfahrzeuge auf dem neuesten Stand der Technik im Angebot, allerdings befinden sich diese im Preissegment der Oberklasse und sind daher auch wieder nur einem ausgewählten Kundensegment vorbehalten. Noch nie wurden in Deutschland mehr als 120 Brennstoffzellenfahrzeuge pro Jahr zugelassen, die Zulassungszahlen von Brennstoffzellenfahrzeugen haben demnach noch viel Luft nach oben. Das Tankstellennetz für Wasserstoff wächst dabei kontinuierlich, knapp über Hundert Tankstellen werden hierzulande bereits betrieben und über 50 weitere befinden sich aktuell in der Realisationsphase.

Wie funktioniert die Brennstoffzelle?

Brennstoffzellenfahrzeuge sind sogenannte Wasserstoff-Elektroautos. Mit Hilfe von Wasserstoff wird in einer Brennstoffzelle Energie für den Betrieb eines Elektromotors erzeugt. Übrig bleibt als lokale Emission lediglich Wasserdampf. Wasserstoff kann durch ein Elektrolyseverfahren aus Wasser gewonnen werden. Somit steht der benötigte Rohstoff in nahezu unbegrenztem Umfang zur Verfügung. Für die Wasserstoffgewinnung wird jedoch viel Energie benötigt, daher ist ein Brennstoffzellenfahrzeug nur dann als nachhaltig einzuordnen, wenn der getankte Wasserstoff unter Einsatz von regenerativ gewonnenem Strom erzeugt wurde. Um ähnliche Reichweiten wie ein Verbrennungsmotor zu erzielen, wird ein Wasserstofftank in der Regel mit etwa 700 Bar Druck befüllt. Die Technologie gilt als sicher, dennoch machen einige Parkhausbetreiber vorsichtshalber von ihrem Hausrecht gebrauch und verbieten die Einfahrt von Brennstoffzellenfahrzeugen in Ihre Häuser.

Eine Technologie mit viel Potenzial

Auf dem PKW-Markt hat sich die Wasserstoff-Brennstoffzelle noch nicht im gewünschten Ausmaß durchgesetzt. Immer kürzer werdende Ladezeiten und steigende Reichweiten der batteriebetriebenen Elektroautos reduzieren aktuell die Vorteile der Brennstoffzelle. Doch auch außerhalb des PKW-Marktes gibt es noch weitere Anwendungsmöglichkeiten dieser ‘Technologie in Reserve’. Durch das hohe Gewicht sowie die Größe wird der Einsatz von Elektro-Batterien im Schwerlastverkehr noch als suboptimale Lösung betrachtet, da zu viel der wertvollen Nutzlast und -fläche verbraucht wird. Hier liegt großes Potential für den Einsatz der Wasserstofftechnologie.

Politik und Unternehmen glauben an die Brennstoffzelle

Die Regierungen fünf norddeutscher Bundesländer haben jüngst eine Wasserstoffstrategie vorgestellt. Sie fordern von der Bundesregierung sowie der EU die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen, die für den Ausbau einer Wasserstoffinfrastruktur nötig sind. In Hamburg fahren auf öffentlichen Straßen bereits mit Brennstoffzellen betriebene Busse. Zwischen Cuxhaven und Buxtehude fährt ein entsprechender Zug.

In der Schweiz besteht ein ähnliches Bündnis. Gemeinsam mit der Politik wollen die Supermarktketten Migros, Coop und weitere Unternehmen 1.000 wasserstoffbetriebene LKW bis zum Jahr 2023 auf die Straßen des Alpenstaats bringen. Die LKW werden von Hyundai entwickelt und in einem Pay-per-use-Modell zur Verfügung gestellt. Die örtlichen Tankstellenbetreiber haben zugesichert, parallel ein Tankstellen-Netz für Wasserstoff aufzubauen. Auch Toyota stellte vor kurzem einen, in Kooperation mit dem US-Unternehmen Kenworth entwickelten, Brennstoffzellen-LKW vor. Als Mobilitätspartner der Olympischen Spiele 2020 in Tokyo plant Toyota die Bereitstellung von 100 Bussen und 6.000 Mirai-Limousinen. Die Brennstoffzellenfahrzeuge sollen der Technologie global zu höherem Ansehen in der Öffentlichkeit verhelfen.

Weitere namhafte Branchenführer verstärken ihr Engagement

Audi hat angekündigt sein h-tron genanntes Wasserstoffprogramm massiv auszubauen.  Davon soll markenübergreifend der gesamte VW-Konzern profitieren. Auch Bosch startet in Kooperation mit dem schwedischen Unternehmen Powercell eine große Offensive. Beide glauben an einen langfristigen Erfolg der Wasserstoff-Brennstoffzelle. Durch zukünftige Skaleneffekte und Effizienzsteigerungen erwartet Bosch eine Durchsetzung der Technologie in bestimmten Anwendungsbereichen wie beim Schwerlast- und Busverkehr, Güter- und Personentransport auf Strasse und Schiene und in der öffentlichen Energieversorgung, die ein Investment legitimieren soll. Selbst das sogenannte Batterieland Korea setzt auf Brennstoffzellenfahrzeuge. Dies sollte laut Volker Blandow, dem Global Head of e-mobility vom TÜV Süd, deutschen Autobauern mehr als die Augen öffnen. Er plädiert wie Bosch für die Brennstoffzelle und spricht von einem ‘Tesla-Schock’ dem die deutschen Autohersteller hinterherrennen und dabei den Blick auf alternative Erfolgschancen zu verlieren scheinen.

Auch China verstärkt die Relevanz der Brennstoffzelle

Die chinesische Führung hat in ihrem aktuellen sogenannten Fünfjahresplan vorgegeben in die Brennstoffzellentechnologie zu investieren. Bis 2030 sollen zudem im ganzen Land 3.000 Wasserstofftankstellen eingerichtet werden. Tausende Busse fahren dort bereits mit Wasserstoff. Sollte sich in China die Wasserstoff-Brennstoffzelle auch nur zum Teil etablieren, würden sich durch die Größe des Landes sowie zu erwartende erfolgreiche Anwendungsbeispiele auch für europäische Unternehmen hohe Geschäftschancen ergeben. Die mittelfristige Zukunft wird also zeigen, was aus der durchaus als sinnvoll zu betrachtenden Technologie noch werden wird. Die Potenziale sind da und wichtige Player am Markt involviert. Es bleibt abzuwarten ob die Brennstoffzelle aus ihrem Schattendasein befreit und ins rechte Licht gerückt wird. Wir von magility beobachten gespannt die weitere Entwicklung und berichten über die neuesten Trends. Kommen Sie gerne auf uns zu wenn Sie an Marktstudien, High-Tech Themen und innovativen neuen Geschäftsmodellen interessiert sind. Unsere Experten sind gerne für Sie da.

E-Mobility

E-Mobility – kommt jetzt der Durchbruch?

Die E-Mobility nimmt Fahrt auf. Während in Deutschland im Jahr 2017 nur rund 25.000 Elektroautos zugelassen wurden, waren es  laut Statista 2018 bereits rund 36.000. Die Neuzulassungen von Autos mit Hybridantrieb stiegen von rund 85.000 im Jahr 2017 auf rund 130.000 im Jahr 2018. Zum Vergleich: insgesamt wurden 2018 laut Auto Motor Sport in Deutschland rund 3,44 Millionen PKWs zugelassen. Der Anteil von Hybridfahrzeugen beträgt gemäß dieser Hochrechnung lediglich etwa 3%, der Anteil von Autos mit reinem Elektroantrieb ziemlich genau 1%. Die ersten Hochrechnungen für das Jahr 2019 deuten darauf hin, dass weiter mit positiven Wachstumsraten zu rechnen ist.

E-Mobility im Rest der Welt

Laut der “Global electric car sales analysis 2018“ von Bart Demandt  wurden im Jahr 2019 weltweit 1,26 Millionen rein batteriebetriebene Autos zugelassen. Das entspricht einer Verdreifachung des Wertes von 2016. Den Löwenanteil beansprucht dabei China mit 61,3% der Neuzulassungen, gefolgt von den USA mit 16,6% und Norwegen mit 3,6%. In Norwegen beträgt der Anteil reiner Elektroautos fast ein Drittel der Neuzulassungen. Nimmt man die hybridangetriebenen Fahrzeuge hinzu kommt Norwegen sogar fast auf die Hälfte und erreicht damit mit den internationale Spitzenwert.

Starke Konkurrenz im Markt für E-Mobility

Noch treibt der kalifornische Elektroautobauer Tesla die etablierte Konkurrenz vor sich her. Im Jahr 2019 war Tesla mit weltweit bisher rund 245.000 ausgelieferten Autos auf Platz 1. Aber auch die chinesischen Hersteller BYD und BAIC sind mit 227.000 bzw. 165.000 ausgelieferten Einheiten im Ranking nicht weit entfernt. Platz vier belegt BMW mit 129.000 Einheiten – der erste deutsche Hersteller im Ranking. Etwas abgeschlagen befindet sich VW mit rund 52.000 Einheiten auf Platz 10 als einziger weiterer deutsche Vertreter, in den weltweiten Top 20.

Legen die traditionellen Hersteller nach?

Wie der Bau von Elektrofahrzeugen heute schon gut funktionieren kann, zeigen einige der bekannten großen OEM’s. Der Hersteller Tesla Motors Inc. ist mit seinen Modellen S, Y und 3 in den Segmenten Limousine Oberklasse, SUV Oberklasse und Limousine Mittelklasse mit E-Fahrzeugen vertreten. Alle drei gelten als die schnellsten Vertreter ihrer Art und haben Batteriekapazität für Reichweiten zwischen 350 und 550 Kilometern. Das erste europäische Modell welches dieser Benchmark nahe kommt ist seit Ende 2018 der I-Pace von Jaguar, ein Mittelklasse SUV. Im selben Segment verkauft Mercedes-Benz inzwischen seinen EQC und Audi zog jüngst mit dem E-Tron nach. Fahrzeugmodelle mit weit geringerer Leistung und Reichweite sind in diesem Vergleich aufgrund der marginalen Verkaufszahlen unberücksichtigt. Porsche will mit dem viertürigen Sportwagen Taycan 2019 seinen ersten Tesla-Konkurrenten am Markt platzieren. Welche der zahlreichen weiteren Modellankündigungen es tatsächlich in den Verkauf schaffen, wird nach Jahren großer Worte seitens der Hersteller jetzt nur noch die Zeit zeigen. Die Branchenmagazine berichten markenübergreifend fast wöchentlich von neu angekündigten E-Modellen.

Ladeinfrastruktur – Knackpunkt für die E-Mobility?

Für den großen Anteil der Marktbeobachter ist ein Erfolg der E-Mobility mit der Entwicklung der Ladeinfrastruktur eng verknüpft. Denn was nützt ein E-Fahrzeug, wenn es unterwegs nicht geladen werden kann? Nur durch Verkäufe an einzelne wohlhabende Technologie- und Ökologie-Begeisterte kann ein Weltkonzern keine milliardenteuren Entwicklungen rechtfertigen. Ionity, ein Joint -Venture der Automobilhersteller Daimler AG, BMW Group, des Volkswagenkonzerns mit Porsche und Audi sowie der Ford Motor Company, hat sich vorgenommen, diese Problematik zu lösen. Ionity hat zum Ziel „entlang europäischer Hauptverkehrsachsen ein Netzwerk leistungsfähiger Schnell-Ladestationen für Elektrofahrzeuge aufzubauen und zu betreiben.“ Ein wichtiger Bestandteil sind dabei Kooperationen mit den Betreibern von Tankstellennetzen. In Deutschland gibt es laut Statista aktuell rund 14.000 Ladesäulen, was einer Verdoppelung des Bestandes alleine im letzten Jahr entspricht. Die Ladezeiten werden durch fortlaufend angepasste aktualisierte Technologie stetig verringert, so soll an den neuesten Modellen ein gesamter Ladezyklus in etwa 30 Minuten realisierbar sein.

Das wichtige Verhältnis von Infrastruktur und Individualität

Der ein oder andere Halter eines E-Fahrzeugs dürfte bei seinen ersten Erfahrungen mit E-Mobility noch an die legendäre erste Fernfahrt mit dem Automobil durch Berta Benz denken, die sich unterwegs ihren Kraftstoff in einer Apotheke besorgen musste. Heute ist ein dichtes Tankstellennetz für die etablierten Kraftstoffe Benzin und Diesel zur Realität geworden. Die E-Mobility ist gerade erst dabei, diesen Entwicklungsschritt zu gehen. Vertreter der etablierten Automobilhersteller wie etwa jüngst VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch (siehe Handelsblatt) rufen daher auch nach dem Staat, der mit Fördermitteln und gesetzlichen Änderungen den Ausbau eines flächendeckenden Stromtankstellennetzes unterstützen soll. Die von der Bundesregierung gegründete Nationale Plattform für Elektromobilität (NPE) schätzt laut ADAC für das Jahr 2020 einen Bedarf von 70.000 öffentlichen Ladesäulen. Bleibt es bei den derzeitigen Wachstumsraten kann dieses Ziel sogar erreicht werden.

Was kommt noch auf uns zu?

Aufgrund verschärfter gesetzlicher Regelungen zum CO2-Ausstoß bei Automobilen, dem Erfolg von Tesla und einem weiter wachsenden Umweltbewusstsein in der Bevölkerung darf weiterhin von einer steigenden Relevanz der E-Mobility ausgegangen werden. Auch Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, unterstreicht dies und nennt die E-Mobility inzwischen einen „Jobmotor“. Der Sportwagenhersteller investiert bis 2023 sechs Milliarden Euro in die Technologie für E-Fahrzeuge und will 1.500 neue Stellen in dem Bereich schaffen. Es scheint als käme der Zug, bzw. das E-Auto, langsam aber sicher ins Rollen. Wir von magility betrachten gespannt, wie sich der Markt weiterentwickelt. Neben dem E-Antrieb rücken auch synthetische Kraftstoffe auf Wasserstoffbasis zur nachhaltigen Gestaltung des zukünftigen Individualverkehrs vermehrt in den Fokus. Wird eine einzelne der heute vorhandenen Technologien zukünftig den Markt beherrschen? Wird es der E-Antrieb sein? Werden es die synthetischen Kraftstoffe? Oder ist es denkbar, dass verschiedene Antriebstechnologien, eventuell kombiniert, nebeneinander bestehen können?

In Verbindung mit Digitalisierung, Konnektivität und neuen Mobilitätskonzepten bleibt die Automobilindustrie, was sie schon immer war: eine der spannendsten Industrien überhaupt!

Wir von magility erstellen Trend- und Marktstudien, auch zu High-Tech Entwicklungen. Kontaktieren Sie gerne unsere Experten.  

Die Revolution im Tank – E-Fuels und Power-to-X Kraftstoffe

Neben den immer lauter werdenden Trends der Elektromobilität gibt es noch weitere Ansätze zur nachhaltigen Gestaltung des zukünftigen Individualverkehrs. So rücken Power-to-Liquid bzw. Power-to-Gas Kraftstoffe (Ptx-Kraftstoffe), auch synthetische Kraftstoffe oder E-Fuels genannt, immer stärker in den Fokus. Diese synthetischen Kraftstoffe werden unter Einsatz regenerativ gewonnenen Stromes aus Wasser und Kohlendioxid klimaneutral hergestellt, mit dem Ziel in Zukunft Benzin, Diesel und Kerosin ersetzen zu können. Nicht nur im Mobilitätssektor, auch in der Industrie und dem Gebäude- und Wärmesektor können CO2-Emissionen, durch diese Umwandlungsprodukte aus erneuerbaren Energien, nachhaltig gesenkt werden.

Wie wird E-Fuel hergestellt?

Um nachhaltig E-Fuel herzustellen, dient regenerativ gewonnener Strom als Ausgangsbasis, um ein klimaneutrales Vorgehen zu bewahren. Mit diesem Strom wird Wasser stark erhitzt und der daraus entstandene Dampf im nächsten Schritt in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der Wasserstoff wird dann in einen Reaktor weitergeleitet, wo er in einem mehrstufigen Prozess mit aus der Luft entnommenem CO2 reagiert und so zu einem flüssigen Energieträger wird, welcher mit Rohöl zu vergleichen ist. Dieser Energieträger kann anschließend in einer Raffinerie zu Diesel, Benzin oder Kerosin veredelt werden. Bei diesem Vorgehen besteht auch die Möglichkeit Methan herzustellen, das wiederum als Treibstoff für Erdgasfahrzeuge genutzt werden kann.

Wie weit ist die Entwicklung fortgeschritten?

Pilotprojekte zu Ptx-Kraftstoffen gibt es von Automobilherstellern sowie der Mineralölindustrie schon einige Jahre. Laut einem Papier des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags aus dem Jahr 2018, gibt es in Deutschland etwa 20 Forschungsprojekte zu diesem Thema. Das bekannteste Projekt wurde von Audi initiiert. In Zusammenarbeit mit dem sächsischen Unternehmen Sunfire produziert der Automobilhersteller bereits synthetisches Methan, das für die sogenannten G-Tron Varianten seiner Fahrzeugflotte verwendet werden kann. Parallel dazu betreiben die beiden Kooperationspartner in Dresden und der Schweiz jeweils eine Anlage zur Herstellung von E-Diesel.

Was sind die Treiber der Entwicklung?

Für traditionelle Hersteller und Zulieferer der Automobilindustrie ist es ein nachvollziehbar und reizvoller Gedanke, durch klimaneutrale Kraftstoffe, die in einem einfachen Verfahren hergestellt werden können, eine ökologische Nachhaltigkeit ihres traditionellen Geschäftsmodells zu erreichen. Viele Experten und Manager äußerten sich noch sehr positiv über E-Fuels und deren Potenzial, bevor die Förderung und Popularität von Elektromobilität zunahm. Der ehemalige ZF-Chef und heute VW-Vorstand Stefan Sommer wurde noch vor zwei Jahren in der Branchenzeitschrift Automobil Produktion mit lobenden Worten zu den E-Fuels zitiert. Tenor seines Statements war, dass man mit diesen neuen Kraftstoffen die bestehende Tankinfrastruktur nutzen könnte und dabei außerdem kaum Veränderungen an der Motorentechnik vorzunehmen hätte. Heute tritt VW als größter Treiber im Branchenwandel hin zur Elektromobilität auf. Wie kommt das?

Warum setzen sich E-Fuels (noch) nicht durch?

Hierfür gibt es gleich mehrere Gründe. Der eine ist politisch. Die Elektromobilität gewinnt zunehmend an Zustimmung seitens des Staates. Umfangreiche Förderungsprogramme sowie ein wachsendes positives Image der batteriebetriebenen Technologie in der Öffentlichkeit verstärken sich gegenseitig. Der Aufbau zweier konkurrierender Systeme gilt als gesamtwirtschaftlich zu ineffizient. Zwar könnten E-Fuels dabei helfen den Verbrennungsmotor klimaschonender weiter zu nutzen, bis sich die Elektromobilität vollständig durchgesetzt hat. Der Wirkungsgrad bei der Herstellung von E-Fuels ist jedoch noch zu gering und die Kosten pro Liter zu hoch, um mit herkömmlichen Kraftstoffen konkurrieren zu können. In den letzten Jahren wurden allerdings regelmäßig Fortschritte bei der Produktion von E-Fuels erzielt. Die Herstellungskosten für einen Liter E-Fuel sanken dabei in den letzten vier Jahren von etwa 5€/Liter auf etwa 2,5€/Liter. Ein Liter herkömmliches Benzin kostet ohne Steuern hierzulande etwa 0,5€. Der Bund Deutscher Industrie (BDI) hält einen Preis von unter 1€/Liter für E-Fuels zwar mittelfristig für machbar, sieht jedoch die Technologie in einer regulativen Sackgasse. Auch der zur Zeit relativ niedrige Ölpreis hat keine positive Auswirkung auf die Investitionsbereitschaft für E-Fuel-Vorhaben.

Wo bestehen die größten Chancen für E-Fuels?

Es ist heute noch nicht abschließend vorhersehbar, wann und ob die Elektromobilität die Dominanz im PKW-Verkehr tatsächlich übernehmen wird. Auch wenn man sich das Szenario zurechtlegt, dass in zehn Jahren 50% der PKW Neuzulassungen in Deutschland auf Batterieautos entfallen, gäbe es immer noch einen riesigen Bestand an Fahrzeugen, die mit herkömmlichen Kraftstoffen betankt werden, erst Recht, wenn man den Blick global ausweitet. Außerdem gibt es Bereiche wie beispielsweise den Schwerlastverkehr sowie die Luft- und Schifffahrt, die von bisherigen Elektrifizierungstrends noch weitgehend ausgenommen sind. Genau dort, wo eine Elektrifizierung technisch nur sehr kompliziert umsetzbar ist, ergeben sich aussichtsreiche Anwendungsmöglichkeiten für flüssige oder gasförmige E-Fuels. Bei einer entsprechenden Gestaltung der steuerlichen Rahmenbedingungen wäre es durchaus technisch möglich,+ Flugzeuge, Schiffe, LKW oder Züge mit E-Fuels klimafreundlicher zu betreiben.

Die Industrie sieht weiterhin Potenzial

Die Anwendung von E-Fuels im PKW-Betrieb steht also noch vor einigen Herausforderungen, vor allem im direkten Wettbewerb mit der Elektromobilität. Dennoch wurde im vergangen Januar ein umfangreiches Projekt mit dem Titel „reFuels – Kraftstoffe neu denken“ gestartet. Dahinter steckt ein Zusammenschluss aus AUDI, Daimler, Porsche, Bosch, Eberspächer, Caterpillar, Freudenberg, Rolls Royce Powersystems, dem KIT der Universität Karlsruhe, dem Verkehrsministerium Baden-Württembergs, Deutschlands größter Raffinerie MiRO und dem Mineralölwirtschaftsverband. Bei diesem Projekt wird interdisziplinär untersucht, wie Otto- und Dieselmotoren mit erneuerbaren Energien und nachhaltigen Rohstoffen zu einem ökologischeren Verkehr beitragen könnten. Denn um die bewährte Motorentechnologien aufzugeben, ist es für die Player im Markt, aufgrund der ungewissen Zukunft in diesem Bereich, noch zu früh.

Auch die Power to X Allianz setzt den Fokus auf klimaneutrale und innovative, auf grünem Wasserstoff basierende, Lösungen und Technologien. Diese Allianz hat sich zum Ziel genommen der Öffentlichkeit aufzuzeigen, wie der Einstieg in diese Technologien gelingen kann. Erst am 11. April diesen Jahres hat die Power to X Allianz ein Markteinführungsprogramm für Power to X-Technologien präsentiert und veröffentlicht. Zu dieser Allianz gehören unter vielen anderen die Audi AG sowie der Verband der Automobilindustrie VDA e.V.

 

Betrachten wir hier also das letzte Aufbäumen eines Ansatzes, der bald der Vergangenheit angehören wird oder entwickelt sich da eine Innovation, welche eine ganze Industrie doch noch unerwartet erneuern kann? Wir sind gespannt darauf welche Erfahrung Sie aktuell in Ihrem Unternehmen mit diesen spannenden Entwicklungen machen und freuen uns auf einen fachlichen Austausch. Kontaktieren Sie uns gerne!