Libra

Facebook Coin Libra – Was steckt hinter der Kryptowährung

Facebook ist immer noch das soziale Online-Netzwerk mit den weltweit meisten aktiven Nutzern. Das Wachstum des Unternehmens schien in der Vergangenheit grenzenlos zu sein. Aktuell wird der Druck der asiatischen Konkurrenz  jedoch größer. Deshalb sind die Köpfe des US-Unternehmens aus San Francisco aktuell dabei, die nächste Ausbaustufe von Facebook in die Wege zu leiten. Das Netzwerk erweitert kontinuierlich sein Angebot und damit seine Relevanz und Reichweite. Das Facebook-Universum soll zukünftig noch viele weitere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens online abbilden. Durch die neuen Geschäftsmodelle soll der Marktanteil von Facebook gesichert werden. Aktuell betritt Facebook mit der Einführung der Kryptowährung Libra den Finanzmarkt. 

Libra – eine eigene Währung für das Facebook Ökosystem

Die wohl aufsehenerregendste Ankündigung von Facebook ist die Einführung einer eigenen globalen Währung namens Libra für das Jahr 2020. Hierfür baut Facebook aktuell eine komplette Finanzinfrastruktur auf. Nach Unternehmensangaben von Facebook haben heute 1,7 Milliarden Menschen, 30% der Weltbevölkerung, keinen Zugang zu Bankdienstleistungen. Internationale Überweisungen würden 3-5 Tage und im Schnitt 7% Gebühr kosten. Hier will der Konzern ansetzen und Überweisungen weltweit so einfach und günstig gestalten, wie das versenden einer Whatsapp-Nachricht. Überweisungen, Sicherung von Guthaben oder Vergabe von Krediten, heute noch typische Bankgeschäfte, sollen bald schon sehr viel günstiger und schneller über die Facebook Plattform möglich sein.

Die Libra Association soll über die Währung wachen

Um den neuen Zahlungsverkehr zu organisieren und zu überwachen, hat Facebook die unabhängige und gemeinnützige Libra Association mit Sitz im schweizerischen Genf ins Leben gerufen. Gründungsmitglieder können Unternehmen, Social Impact Partner (SIPs) oder akademische Institute sein. Um der Association beizutreten müssen die Bewerber an einem Auswahlverfahren von Facebook teilnehmen und Libra Währung in Höhe von 10 Millionen US$ kaufen. Jedes Mitglied wird Teil des Libra Association Rat, dem Verwaltungsorgan. Nach der aktuellen Aufbauphase will Facebook nach eigenen Angaben lediglich ein gleichberechtigtes Mitglied diesen Rats sein. Bisherige Mitglieder des Rats sind beispielsweise Vodafone, Mastercard, Uber, Paypal, Coinbase, Visa und Ebay. Um eine “angemessene Trennung zwischen sozialen und finanziellen Daten zu gewährleisten”, hat Facebook das Tochterunternehmen Calibra gegründet. Calibra hat die Aufgabe, Dienstleistungen im Libra Netzwerk aufzubauen und zu betreiben.

Blockchain-Technologie und Kryptowährung bilden die Basis

Die Facebook Währung Libra basiert auf der Blockchain-Technologie, einem dezentralisierten und beliebig erweiterbaren Netzwerk von Datensätzen. Die Regeln dieses Netzwerks sind für den konkreten Anwendungsfall Libra im sogenannten Libra Protocol festgelegt. Entscheidungen über die darin getätigten Transaktionen fällen die Mitglieder des Rats in ihrer Rolle als Validatoren. Das Libra Protocol ist wie das gesamte Libra Projekt in der Entwicklungsphase. Einige konkrete Angaben über die Funktionsweise sind aber bereits öffentlich einsehbar. Um das Design dieses Protokolls zu testen, arbeitet Facebook mit einem open-source Ansatz. Damit sollen alle möglichen Probleme frühzeitig erkannt und in der weiteren Entwicklung beseitigt werden. Die Zahlungseinheiten der Währung sind Tokens, eine Kryptowährung, die sich aus dem Protokoll ergibt. Diese Tokens heißen Libra Coins.

Reserve soll Volatilität minimieren und Werterhalt sichern

Im Gegensatz zu den heute größten Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum, ist für Libra eine Reserve aus Wertanlagen geplant. Diese Reserve soll sicherstellen, dass der Wert der Facebook Währung bei nur geringer Volatilität möglichst stabil bleibt. Damit soll das unverzichtbare Vertrauen geschaffen werden, welches die Nutzung einer Währung ermöglicht, sowie deren Ansehen bei den Marktteilnehmern bestimmt. Investoren können in ein separates Investment-Token investieren. Diese Beträge bilden die Reserve. Das Vermögen der Reserve soll durch die breitgefächerte Anlage in einem Warenkorb gesichert werden, der aus langfristigen Wertanlagen von niedriger Volatilität wie etwa Staatsanleihen besteht. Die Reserve erfüllt damit die selbe Aufgabe wie der Goldstandard bei einer traditionellen Währung. Darin liegt auch der große Unterschied zu Bitcoin, dessen Wert eine solche Basis nicht besitzt und dessen Wert dadurch viel virtueller erscheint. Außerdem hat Bitcoin kein Äquivalent zur Libra Association, dem mächtigen Gremium, welches wie eine Währungsbank über die Libra Coin wacht. Damit neue Libra Coins geschaffen werden, kann ein Käufer Währungen wie Euro oder Dollar in die Reserve einzahlen. Er erhält dann Libra Coins entsprechend dem aktuellen Libra Wechselkurs, zurück. Dadurch wächst die Reserve immer mehr an und soll gleichzeitig zur Verhinderung einer Libra Inflation oder Blase beitragen.

Next big thing oder next big fail?

Mit der Libra Coin hat Facebook ein hochkomplexes Vorhaben angestoßen. Das Ziel des Unternehmens ist die Implementierung einer globalen Währung. Angeblich besteht kein Interesse daran, bisherige Währungen zu ersetzen. Sollten aber immer mehr Menschen nur noch Libra nutzen, dann träte früher oder später genau dieses Szenario ein. Viele rechtliche und technische Details zur Facebook Währung sind noch nicht abschließend geklärt, aber Hundertschaften von Experten arbeiten intensiv an diesem Projekt. Noch ist der Zeitpunkt der Einführung des Währungssystem seitens Facebook nicht kommuniziert, aber schon die momentan zu beobachtenden Entwicklungen sind hochinteressant.

Widerstand gegen Facebook formiert sich bereits

Der US Kongress hat erst vor wenigen Wochen ein Schreiben an Facebook gerichtet. Darin verlangen hochrangige Vertreter des Finanzausschusses einen Stopp der Einführung von Libra. Die Abgeordneten fürchten die Entstehung eines unkontrollierbaren Finanzsystems im rechtsfreien Raum, welches umfangreiche finanzielle Schäden verursachen könnte. Sicherlich wünschen die Volksvertreter auch, dass die wichtige Währungspolitik ein Privileg von souveränen Staaten bleibt und nicht in die Macht eines Privatunternehmens wandert. Neben Politikern schlagen daher mittlerweile auch Verbraucherschutzverbände Alarm. Selbst der US-amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz äußerte sich bereits mit kritischen Worten über Facebooks Währungspläne. Er kritisiert in seinen Äußerungen das Aufziehen einer neuen Dimension von Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Drogenhandel und Terrorismusfinanzierung. Für ihn wurde Facebook durch den Cambridge Analytica Skandal im Rahmen der letzten US-Präsidentschaftswahl zu einem zwielichtigen Player, dem man ein Projekt wie Libra niemals erlauben dürfe.

Wie stehen die Chancen für Facebook?

Trägt man die bisher zur Verfügung stehenden Informationen über Libra zusammen, ergibt sich ein zweideutiges Bild. Einerseits besteht der Finanzmarkt heutzutage aus vielen unterschiedlichen Rechts- und Währungsräumen, zwischen denen der Fluss von Geldströmen durch Gesetze und Vorschriften hoch reglementiert ist. Das sind eigentlich die besten Voraussetzungen für die Umsetzung einer disruptiven Geschäftsidee. Andererseits ist das Image von Facebook in der Bevölkerung und bei Behörden so schlecht wie noch nie. Ob es sich die politisch hoch vernetzten Verantwortlichen des Finanzsystems gefallen lassen werden, den Kern ihrer Industrie anzugreifen, bleibt fraglich. Ebenfalls fraglich bleibt, wie Facebooks Wettbewerber, etwa Google, Apple oder Amazon, auf die Währungspläne des sozialen Netzwerks reagieren und gegebenenfalls eigene Plattformen starten.

Der Libra Coin wird für spannende Diskussionen sorgen, sowohl politisch als auch gesellschaftlich.

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Startup-Autobahn in Stuttgart © magility, 2019

Startup Autobahn – Industrie und Startups vereint

Diese Woche fand der 6. Expo Day des Startup Autobahn Accelerator Programms statt. In den Stuttgarter Wagenhallen, die einst im 19. Jahrhundert für die Wartung von Lokomotiven errichtet wurden, stellten 39 Startups ihre innovativen Ansätze für die Zukunft der Mobilität vor. Der Startup Incubator Plug & Play aus dem Silicon Valley und mittlerweile 27 große Partnerunternehmen erarbeiten in dem etwa sechsmonatigen Programm Startup-Autobahn gemeinsam Pilotprojekte für anwendungsfertige Lösungen, die direkt in Produkte oder Produktionsprozesse implementiert werden sollen. 

 

Die Startup Autobahn führt in die Zukunft

Auf dem Expo Day kann man live den Transformationsprozess großer Technologietrends wie Big Data, Künstliche Intelligenz, Blockchain und Internet-of-Things zu marktfähigen Produkten erleben. Die Startup-Autobahn hat sich zu einem der wichtigsten Innovation Hubs im süddeutschen Raum entwickelt. Junger Erfindergeist und Startup Kultur trifft dort auf etablierte Unternehmen mit Branchenerfahrung und den notwendigen Ressourcen. Über 250 Pilotprojekte sollen seit dem Start des Accelerator-Programms Startup Autobahn im Jahr 2016 bereits realisiert worden sein. Die Bewerbungsflut ebbt seit dem ersten Expo Day 2017 nicht ab. Es bewerben sich Start-Ups aus der ganzen Welt, viel mehr als es Plätze gibt. Auf den Expo Days werden Ideen vorgestellt, welche schon morgen die Mobilität und die Produktion verändern können. Wir von magility sind seit der ersten Runde von Startup Autobahn als aktiver Partner mit dabei.

 

Vereinigt im Ziel Neues zu schaffen

Die Ansätze für Verbesserungen kommen aus allen Richtungen. Die Startups widmen sich den Themen E-Mobilität, Shared Mobility, Human-Machine-Interface, Spracherkennung, Supply Chain Logistics, aber auch Unternehmensprozessen oder Fahrzeugdienstleistungen. Der entscheidende Mehrwert der Plattform von Startup-Autobahn liegt darin, dass die Bedürfnisse von Startups und Industrie zusammengeführt werden und auch Kollaborationen mit mehreren neuen Anbietern umgesetzt werden können. Somit werden Entwicklungen, die an den Marktbedürfnissen vorbeigehen, verhindert und eine zielführende Förderung ermöglicht. Die Türen stehen grundsätzlich innovativen Ideen von Startups aus allen Branchen offen, auch wenn aktuell die Automotive-Themen deutlich im Vordergrund stehen.

 

Sensoren und Autonomes Fahren

Als einer der wichtigsten Zukunftstrends gilt branchenweit das Autonome Fahren. Um diese Vision Realität werden zu lassen, ist eine hochauflösende Sensortechnologie unabdingbar. Der Magility Partner Tactile Mobility war Teilnehmer des aktuellen Startup Autobahn Programms und ergänzt mit seinen Innovationen derzeitige Ansätze beim Autonomen Fahren. Das Startup aus Tel Aviv hat mit seinen mittlerweile 25 Mitarbeitern Software und Sensorik entwickelt, um die Beschaffenheit von Straßen ablesen zu können (Grip-Level). Somit können vom Untergrund erhobene Daten mit Sensordaten aus dem Fahrzeug abgeglichen werden. Dadurch wird die Sicherheit eines autonom fahrenden Fahrzeugs erhöht, indem beispielsweise Kurvengeschwindigkeiten und der Winkel gefahrener Kurven verbessert und angepasst werden.

 

Tactile Mobility und die Zukunft selbstfahrender Fahrzeuge

Damit ein autonomes Fahrzeug zuverlässig und unter allen denkbaren Wetterbedingungen auf der vorgegebenen Strecke bleibt, ist neben den zahlreichen Sensoren auch exaktes Kartenmaterial für die Software wichtig. Auch hier setzt Tactile Mobility an. Das Unternehmen kartiert Straßenbeschaffenheiten und kann dadurch mit seinen Daten andere Fahrzeuge vor Straßenschäden oder Glatteis warnen. Ziel ist die Implementierung von Fähigkeiten ins autonome Fahrzeug, welche bisher vom menschlichen Fahrer mit Verstand und Gefühl für Geschwindigkeit gegeben sind. Dazu interagieren im Fahrzeug verbaute Bewegungssensoren mit den Daten, die über den Fahrbahnzustand gesammelt und im System hinterlegt wurden. Ebenfalls wichtig und von der Tactile Mobility Technologie abgedeckt, ist die Überwachung des Fahrers, um rechtzeitig medizinische Notfälle erkennen zu können und dem Fahrzeug entsprechende Handlungsanweisungen zu geben.

 

Blockchain und Shared Mobility

Andere Startups beim Expo Day der Startup Autobahn widmeten sich zum Beispiel den Anwendungsmöglichkeiten der Blockchaintechnologie im Automotivebereich. Mit Hilfe dieses Ansatzes zur Datenordnung sollen zukünftige Transaktionen von autonom fahrenden Fahrzeugen sicher gestaltet werden. Eine Blockchain kann dazu genutzt werden ein eigenes Ökosystem aufzubauen, in dem autonome Autos oder sogar Drohnen selbstständig Transaktionen tätigen können. So verfügt zukünftig ein selbstfahrendes Auto über die technologische Voraussetzung die Parkgebühr oder Tankstelle zu bezahlen, den mitgenommenen Fahrgast abzurechnen oder andere Services in Anspruch zu nehmen. Damit all dies sicher und zuverlässig funktioniert, setzen immer mehr Startups und Konzerne auf Blockchain mit ihren kryptographischen Verfahren.

Die Zukunft der Mobilitätsbranche ist zur Zeit so spannend wie nie. Welche Zukunftstechnologie bewerten Sie als entscheidend für Ihren Unternehmenserfolg? Wir von magility freuen uns über fachlichen Austausch.

 

Ecomotion

New Mobility auf der EcoMotion in Tel Aviv – High Tech und Innovationen

Mitte Juni fand zum siebten Mal die Mobility Messe EcoMotion in Tel Aviv statt. Für fünf Tage trafen sich lokale Start-Ups, Investoren und internationale Unternehmen, um die neuesten Entwicklungen der Branche kennenzulernen. Was einst als ein Treffen im kleinen Kreise entstand, hat sich zu einem internationalen Hotspot an der Schnittstelle von Automotive und Digitalisierung mit über 4.000 Fachbesuchern entwickelt. Nahezu alle großen Player sind auf der EcoMotion heute vertreten. So strecken z.B. auch die Inkubatoren von Audi, Porsche, Daimler, Volvo, Deutsche Bahn und SBB dort die Fühler aus. Kaum einer will verpassen was dort besprochen und gezeigt wird. 

Tel Aviv – eine Startup Szene unter Dampf

Israel verfügt über eine überwiegend junge Bevölkerung, die sehr gut ausgebildet und hoch ambitioniert ist. Die Metropolregion Tel Aviv hat etwa so viele Einwohner wie Berlin. Wo sich wie ein Flickenteppich historische Häuser an moderne Glasbauten reihen, kommen die besten Ingenieure und kreativsten Unternehmer zusammen. Die Stadt mit Strand direkt am Mittelmeer, gilt als das wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum des Landes. Manches was hierzulande erst von der Politik auf Umsetzbarkeit geprüft wird, wie etwa die App-gesteuerten E-Scooter, gehört in Tel Aviv bereits seit Jahren zum Straßenbild in den verwinkelten Gassen oder auf den grün beschatteten Boulevards der Stadt.

Die EcoMotion – Durchgetaktet von Anfang an

Auch direkt am Pavillon 1 der Expo Tel Aviv werden die Besucher mit E-Scootern der Mobility Start-Ups Lime, GoTo, Inokim LEO und DAV.city empfangen. Auf dem Vorplatz nebenan, dem Demo Field, drehen bei 32 Grad Außentemperatur autonom fahrende Autos ihre Runden. Durch diese wird anschaulich demonstriert, wie zuverlässig autonome Fahrzeuge aktuell schon Hindernissen ausweichen oder in Notfällen selbstständig stoppen können. Bereits am Vortag des Main Events luden verschiedene Unternehmen zu zahlreichen Veranstaltungen ein. Etwa zur HARMAN Israel Tech Show. Dort stellte der Car Entertainment & Cockpit Konzern seine neuesten Lösungen im Bereich Interior & Connectivity vor. In der Messehalle selbst herrschte somit bereits ab 8 Uhr morgens geschäftiges Treiben. Über 200 meist einheimische Start-Ups und Scale-Ups aus den Bereichen Urban Mobility, Autonomous & Connected, Electrification & Energy, Drones & Aviation, Maritime und Shared Mobility präsentierten ihre neuesten Ideen und Entwicklungen. 

Die neuesten Trends aus erster Hand

Während auf dem Parkett der Messe also pausenlos gegrüßt, erklärt, Kontakte gepflegt und das Netzwerk erweitert wurde, waren im ersten Stock die Büros des B2B Bereichs meist vollständig besetzt. Obwohl in diesem Jahr größere Räumlichkeiten als je zuvor für die EcoMotion genutzt wurden, reichten die Kapazitäten geradeso aus. Ein Fokus der diesjährigen EcoMotion war das Thema Automotive Cyber Security. Zahlreiche Aussteller widmeten sich intensiv dieser Thematik, vorneweg der Magility Partner Argus Cyber Security. In zwei gegenüberliegenden Ecken der Messehallen waren Vortragsbühnen aufgebaut, die Main Stage und die Start-Up Stage. Auf beiden hielten die kreativsten Köpfe der Branche für die Zuschauer erkenntnisreiche Keynotes und Panel Discussions. 

Am Puls der Zeit auf der EcoMotion

Auf der Hauptbühne sprachen Manager und Ingenieure von Unternehmen wie Magna, ZF, Siemens, Valens, General Motors, Renault-Nissan-Mitsubishi Alliance, Mercedes, Skoda oder Yandex über aktuelle Themen wie Connectivity, AI, Smart City und Electric Vehicles. Auf der Start-Up-Bühne wurden erst die Gewinner mehrerer Start-Up Challenges verkündet bevor es um Global Market Strategies für junge Unternehmen ging. Es folgten dreiminütige Pitches von 16 Start-Ups, die sich dem interessierten Publikum präsentierten. Das Programm wurde durch einen Reverse-Pitch abgerundet, bei dem Vertreter von Continental, Toyota, HARMAN, Nvidia, Ford und anderen die Bedarfe und Erwartungen an die Start-Up-Welt seitens der Industrie aufzeigten. Die Metropolregion Rhein-Ruhr lud zum Abschluss zu einem großen Empfang für alle Besucher der Messe und präsentierte sich als aufstrebender Innovationsstandort in Deutschland.

Facettenreiches Rahmenprogramm schafft Verbindungen

Nach dem Main Event auf dem Messegelände dauerte die EcoMotion noch zwei weitere Tage an. Das Shared Mobility Scale-Up GoTo.global lud zu einer beeindruckenden Ballonfahrt über den Dächern von Tel Aviv. Magility war mit etwa zwanzig weiteren geladenen Gästen dabei, als es um die Zusammenführung unterschiedlicher Mobilitätskonzepte ging. Auch KMPG, Ernst & Young und weitere Unternehmen luden zu Veranstaltungen. Am Abend kamen alle noch Anwesenden im Beach Club des Hilton Bay zusammen, um weiter Kontakte zu knüpfen. 

Investoren und Women in Mobility auf der EcoMotion

Am letzten Tag der EcoMotion Woche fand die Mobility Tech Conference des Finanzdienstleisters Jefferies im Ritz Carlton Tel Aviv statt. In einem Saal informierte ein neunstündiger Vortragsmarathon über aktuellste High-Tech Entwicklungen im Bereich Automotive. Währenddessen trafen sich auf der Terrasse und Lobby des Hotels Investoren mit Start-Ups zu Gesprächen über Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Die abschließende Veranstaltung widmete sich unter dem Motto ‘Women in Mobility’ einem Thema, das auch für die Automotive Branche deutlich an Relevanz gewonnen hat. Wie in anderen technologiegeprägten Branchen, zeigte die Frauenquote auf der EcoMotion, dass in diesem Bereich noch Potenziale liegen.  

Das nächste Event zum Thema New Mobility in Tel Aviv findet übrigens mit dem Smart Mobility Summit vom 28.-29. October 2019 statt. Ein Fokus der Veranstaltung wird auf Alternative Fuels liegen.

Was sind Ihre Gedanken zur Zukunft der Mobilität? Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen und Herausforderungen für Ihr Unternehmen? Setzen Sie sich gerne mit unseren Experten zum Perspektivdialog in Verbindung.

Autonomes Fahren

Autonomes Fahren – welche Technologien stecken dahinter?

Autonomes Fahren gilt als eine maßgebliche Schlüsseltechnologie für die Zukunft des Individualverkehrs. Fahren alle Autos bald von selbst, können wahrscheinlich viele Unfälle verhindert werden. Berufspendler und Reisende könnten während der Fahrt schlafen, arbeiten oder Medien konsumieren. Aber welche Technologien stehen eigentlich hinter der großen Vision vom Autonomen Fahren?

Mehrere Technologien – ein Ziel

Um die angesprochene Vision Wirklichkeit werden zu lassen, werden Autos mit einer Vielzahl unterschiedlicher Sensoren und Systeme ausgerüstet. Schließlich müssen alle Aufgaben eines menschlichen Fahrers übernommen werden. Dazu müssen Sensoren eine umfangreiche und exakte Wahrnehmung 360 Grad um das Auto herum erzeugen, damit eine auf dem höchstmöglichem Standard trainierte Künstliche Intelligenz die Aufgaben des Menschen übernehmen kann und im Idealfall sogar die Kompetenz besitzt, in kritischen Situationen besser und schneller zu entscheiden. Um dies zu gewährleisten und um die höchste Stufe des Autonomen Fahrens zu erreichen, müssen gleich mehrere Technologien sowie deren Datenfluss kombiniert, ins Fahrzeugsystem integriert und gemanagt werden. Die Ultraschallsensorik ist eine davon. Sie wird nach wie vor für die Nahfeld-Erkennung genutzt. Die sogenannten Parkpiepser sind solche Ultraschallsensoren, die sich schon heute in den Fahrzeugen als Standard durchgesetzt haben. 

Autonomes Fahren und die Augen des Computers

Videokameras spielen bei der Entwicklung eines Autonomen Fahrzeugs eine immer bedeutendere Rolle. Sie machen Bilder von der Straße und der Umgebung des Fahrzeugs und “blicken” in alle Richtungen. So kann das gesamte Umfeld 360 Grad um das Fahrzeug herum überwacht werden. Andere Verkehrsteilnehmer, auch im toten Winkel, werden erkannt und die Verkehrszeichen gelesen. Als sogenannte Stereokamera ist es solch einer Kamera auch möglich, Entfernungen zu messen. Je höher die Lichtstärke und Auflösung der Kamera ist, desto exakter kann die Umgebung wiedergeben werden. Aber auch für die Innenraumüberwachung kommen Kameras zum Einsatz. Die Fitness sowie der Gesundheitszustand des Fahrers kann überwacht und seine Eingabebefehle durch Gestensteuerung erkannt werden. Als Folge der Entwicklung könnten herkömmliche Rückspiegel bald der Vergangenheit angehören. Audi ist mit seinem neuen Elektro-SUV E-Tron mit windschnittigen Kameras der erste Hersteller der die Rückspiegel komplett durch Kameras ersetzt. 

Radar – bewährte Technik, ständig weiterentwickelt

Radarsensoren (radio direction and ranging) senden und empfangen Radiowellen, um die Umwelt abzutasten. Sie werden bereits seit 20 Jahren in der Autoindustrie eingesetzt, etwa für den Tempomat, der den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug konstant hält. Radar kann Objekte erkennen, deren Entfernung, relative Geschwindigkeit und die Bewegungsrichtung. Ein Vorteil von Radarmessungen ist die hohe Reichweite die Robustheit gegenüber Umwelteinflüssen. Ein Nachteil ist jedoch die geringe Auflösung, mit der Objekte erkannt werden. Andere Technologien bilden Objekte wesentlich exakter ab.

LiDAR – die Vermessung der Umwelt mit Licht

Sensoren auf LiDAR Basis (light detection and ranging) funktionieren grundsätzlich ähnlich wie Radar. Der Unterschied liegt in der gemessenen Strahlung. Denn LiDAR Systeme senden für das menschliche Auge unsichtbare Laserimpulse aus, deren Reflektionen von den Sensoren gemessen werden. Diese Technologie ist exakter, kann also mit höherer Auflösung wahrnehmen. Allerdings ist die Reichweite bei LIDAR Systemen ein wenig geringer und die Messungen sind anfälliger für Umwelteinflüsse wie etwa Regen, Nebel oder Schnee. Dunkle Autos reflektieren LiDAR-Strahlen eher schlecht. Deshalb ändern Lackhersteller zur Zeit ihre Formeln, um auch schwarze Lacke besser reflektieren zu lassen. Die LiDAR-Sensoren führen 10.000 Messungen pro Sekunde durch und erstellen so ein aktuelles Abbild der Umgebung und ermöglichen schnelle Reaktionszeiten des autonomen Systems.

Ohne High-Speed Datenverarbeitung kein Autonomes Fahren

Es gibt also unterschiedliche Arten von Sensoren, die ständig große Mengen von Daten produzieren. Erst durch deren Kombination, Anreicherung und blitzschnelle Verarbeitung wird Autonomes Fahren ermöglicht. Der Begriff hierfür ist die Sensorfusion. Um die Datenmengen der Sensoren verarbeiten zu können, müssen Autos mit immer schnelleren Prozessoren ausgestattet werden. Die Automobilhersteller und Zulieferer stehen bezüglich Rechenleistung mittlerweile in starkem Wettbewerb zueinander. Über die Daten von Sensoren und Kameras läuft eine Mustererkennung, welche die reale Umwelt strukturiert und so für das System verwendbar macht. Hinzu kommen noch hinterlegte Kartendaten sowie Positionsdaten aus dem GPS Signal. Um diese großen Mengen von Daten zu verarbeiten, werden Methoden aus den Bereichen Big Data und Künstliche Intelligenz implementiert. So kann ein System auch selbstlernend ausgelegt und erworbene Lerneffekte an die Systeme anderer Autos übertragen werden.

Neben Sensoren, die das Autonome Fahren an sich unterstützen sollen, arbeiten verschiedene Unternehmen daran, aus den gewonnenen Daten weitere Informationen zu generieren, die auch schon bei niedrigeren Automatisierungsgraden von Fahrzeugen das Fahrerlebnis und die Sicherheit verbessern sollen. Die Software des israelischen Startups Tactile Mobility zum Beispiel nutzt Sensorfusion der im Fahrzeug bestehenden Sensoren um u.a. den Grip Level (Haftungsgrad) der Straße zu bestimmen. Bei Veränderungen der Straßenverhältnisse wird der Fahrer bzw. das autonome Fahrzeug dabei in Echtzeit über Gefahren und Gegenmaßnahmen informiert.

Welche Entwicklungen stehen noch an?

Konnektivität ist die Grundvoraussetzung für Autonomes Fahren. Ein autonom fahrendes Fahrzeug mit all seinen Sensoren wird auch mit einem Server des Herstellers verbunden sein. So können beispielsweise Verkehrs- und Wetterdaten in Echtzeit berücksichtigt und die Software des Fahrzeugs ständig aktualisiert und optimiert werden. Gerade für die Cyber-Security des Fahrzeugs ist diese Vehicle-to-Backend-Connectivity (V2B) ausschlaggebend. Um einen Cyber-Angriff schnellstmöglichst zu stoppen, sind Over-the-Air (OTA)-Updates unumgänglich. Desweiteren werden die autonomen Fahrzeuge mit der Infrastruktur vernetzt sein, die sogenannte Vehicle to Infrastructure-Connectivity (V2I) sowie untereinander, also Vehicle to Vehicle (V2V). Um die Positionen der autonomen Fahrzeuge zu überwachen und den Verkehr sicher zu steuern, wird in der Zukunft auch die Vehicle-to-Satellite-Connectivity (V2S) mehr und mehr in den Fokus rücken. Auch eine weitere Vernetzung, genannt Vehicle-to-Everything (V2X), ist möglich. Für die Datenmengen, die konnektiv über die verschiedenen Kanäle ausgetauscht werden, reicht der heutige Mobilfunkstandard nicht aus. Erst wenn der schnellere Mobilfunkstandard 5G eingeführt wird, können sich die Fahrzeuge auch untereinander vernetzen (V2V). Jedes Auto könnte dann ein Signal senden um von anderen Verkehrsteilnehmern bereits außerhalb der Sensorreichweite erkannt zu werden. Verkehrsflüsse ließen sich so optimieren und sicherer gestalten. Mit wachsender Konnektivität steigt auch das Risiko für Cyber-Crime. Ein autonomes Fahrzeug muss behandelt werden wie ein Computer auf Rädern und benötigt von Grund auf ein ausgereiftes end-to-end Cyber-Security Konzept. 

Ausblick

Um das vollautonome Fahren (Level 5) zu ermöglichen, ist ein ganzes Paket an unterschiedlichen Technologien notwendig. Für die Automobilindustrie ist das Autonome Fahren momentan an Komplexität nicht zu übertreffen. Es geht nicht nur um die Technologien im Fahrzeug, viele weitere Faktoren, wie das Management der Datenmengen, festgelegte Normen, datenschutzrechtliche Vorgaben, Cyber-Security-Themen, die momentan vorzufindenden Standards, wie der Mobilfunkstandard, sowie der Ausbau der Infrastruktur müssen gleichzeitig betrachtet oder ausgebaut und in optimaler Weise zueinander in Beziehung gesetzt werden. Warum es in den nächsten Jahren eher unrealistisch ist, dass wir im öffentlichen Straßenverkehr vollautonome PKW vorfinden werden und weshalb sich vollautonome Fahrzeuge voraussichtlich erst im Bereich der Nutzfahrzeuge etablieren werden, klären wir in einem unserer nächsten Artikel.  Wir freuen uns auf einen regen Austausch zum Thema. Kontaktieren Sie gerne unsere Experten bei Magility!