Die Zukunft von Blockchin in der Automobilindustrie. Bild: CC0

Blockchain in der Automobilindustrie – Großes Potenzial oder heiße Luft?

Blockchain ist ein Begriff, der derzeit überall zu hören und zu lesen ist. Eine Technologie, die die Gesellschaft verändern wird, sagen die Enthusiasten. Nur ein kurzer Trend sagen die Skeptiker. Tatsächlich könnten mit der Technologie zukunftsweisende Anwendungen realisiert werden, die viel Potenzial für neue digitale Geschäftsmodelle schaffen. Doch wie funktioniert die Blockchain? Welche Potenziale bietet sie für die Automobilindustrie und wie ist der Status quo?

 

Die Blockchain – Digitales Kassenbuch

Die Blockchain ist die Technologie, die bislang vor allem bekannt ist als Basis für die Kryptowährung Bitcoin. Eine Art virtuelles Kassenbuch, eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, die jede Transaktion festhält. Dieses Bild ist aber stark vereinfacht. Tatsächlich verbirgt sich hinter der Blockchain ein kompliziertes Prinzip, das genauerer Betrachtung bedarf. Die Datensätze (Blocks) werden mittels kryptographischer Verfahren miteinander verkettet. Jeder Block enthält eine Markierung des vorangegangenen Blocks, einen Zeitstempel und Transaktionsdaten. Da alle Transaktionen miteinander verkettet sind, werden Manipulationen ausgeschlossen, da sich diese erst im Rückblick bestätigen lassen und eine Fortführung einer Kette nur dann möglich ist, wenn sich in der Vergangenheit nichts widersprochen hat. Zum Beispiel, dass eine Transaktion doppelt ausgeführt wurde obwohl sie nur einmal zu tätigen ist. Ist die Blockchain also vollkommen betrugssicher? Sicher fehlt es noch an genügend Praxisbeispielen um das final zu unterschreiben. Die Blockchain bietet aber in jedem Fall eine enorme Transparenz. Eine Anonymität ist auch gewahrt, da sich die handelnden Personen nur gegenseitig zuordnen können auf Basis ihres sogenannten Wallets. Jedes Wallet besitzt eine Nummer, nur wer die Zuordnung der Nummer zur Person kennt, weiß wer sich dahinter verbirgt.

 

Sicherheit und Vertrauen im Netz

Was Blockchain bietet, ist eine Transparenz, die es so im Netz bislang nicht gab. Eine Kette, die alle Transaktionen festhält und damit auch Vertrauen schafft, wo bislang vor allem Unsicherheit war: im Netz. Blockchain schafft Vertrauen durch den Wegfall des Intermediärs, z.B. einer Bank. In der globalisierten Welt spielen Grenzen zwar keine große Rolle mehr, es gibt jedoch nach wie vor nationale Gesetze. Hier weckt die Technologie Hoffnung, diese Lücken von Sicherheit und Vertrauen zu schließen und damit viele Optionen von digitalen Dienstleistungen zu eröffnen, die gerade noch an genau diesem Aspekt scheitern würde. Zum Beispiel gibt es aktuell schon Dezentrale autonome Organisationen (DAO), welche losgelöst von nationalen Gesetzmäßigkeiten einzig in der Blockchain existieren und wirtschaften.  

 

Maschine bezahlt Maschine

Verträge, Verkäufe, Services, Produktion. Handel setzt Vertrauen voraus. Da das Internet weitestgehend anonym ist, weckt die Blockchain die Hoffnung, diese Anonymität aufzuheben. Transaktionen könnten dann, aufgrund des Vertrauens automatisch ablaufen. Zum Beispiel über sogenannte Smart Contracts. Ein aktuelles Beispiel dazu ist IOTA, eine Kryptowährung für Maschinen. Die Vision dahinter ist, dass Maschinen andere Maschinen bezahlen. Eine zentrale Idee im Internet der Dinge, die durch die Technologie möglich gemacht werden könnte. Im Internet of Things sind alle Maschinen und Gegenstände vernetzt, können also miteinander kommunizieren. Der nächste Schritt wäre natürlich, wenn sie sich gegebenenfalls direkt bezahlen könnten. Das klingt nicht besonders neu? Der Unterschied wäre, dass ich der Maschine nicht mehr Zugriff auf mein eigenes Konto gewähren muss sondern die Maschine eigenes Geld verwahrt und verwaltet. Das sind Ideen, denen wir nachgehen müssen, um herauszufinden, welches Potenzial die Blockchain für uns und die Industrie tatsächlich hat.

 

Anwendungsfelder in der Automobilindustrie – Wohin kann es gehen?

Die größte Herausforderung in Zusammenhang mit Smart Services und neuen digitalen Geschäftsmodellen ist die Sicherheit. Das vernetzte Automobil ist ausgestattet mit zahlreichen Apps und Anwendungen und verknüpft mit Dienstleistern und externen Partnern. Gleichzeitig ist auch die Lieferkette in der globalen Welt komplex und die Verfolgung von Gütern entlang der Wertschöpfungskette eine zunehmende Herausforderung. Somit gibt es zum einen das Anwendungsfeld direkt im Fahrzeug, als Abwicklung von Transaktionen und Services rund ums vernetzte Fahrzeug. Aber auch eine Blockchain um den Lifecycle eines Fahrzeugs zu überwachen. Die Kette schafft Transparenz und dokumentiert die Vorgänge. Die Geschäftsmodelle und Anwendungsgebiete sind weitreichend. Smarte Fahrtenbücher, Car-Sharing, Tracking von Lieferketten – es gibt so viele weitere Anwendungsfelder. In der Automobilindustrie ist die Technologie noch nicht überallhin durchgedrungen, wie eine Studie kürzlich herausgefunden hat. Das Potenzial wird dennoch erkannt und Möglichkeiten des Einsatzes ausgelotet.

 

Unsere Experten von magility beschäftigen sich sehr intensiv mit dem Thema Blockchain und digitalen Geschäftsmodelle. Erst kürzlich haben wir in Zusammenarbeit mit der VP Bank ein Event dazu veranstaltet. Verschaffen Sie sich hier einen Eindruck, wie magility in der Motorworld Böblingen gefeiert hat.